Rockt im Juni 2021 mit Avantasia in Fulda die Bühne: Tobias Sammet.
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Rockt im Juni 2021 mit Avantasia in Fulda die Bühne: Tobias Sammet.

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Avantasia kommt im Juni 2021 auf den Fuldaer Domplatz: Exklusiv-Interview mit Tobias Sammet

  • Anne Baun
    vonAnne Baun
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Das nächste Großevent wirft seine Schatten voraus: Am 24. Juni 2021 um 20 Uhr wird Tobias Sammet mit seinem Metal-Projekt Avantasia auf den Fuldaer Domplatz kommen. Im Interview hat uns der 42-jährige Musiker verraten, wie er und seine Kollegen die Corona-Zeit erleben und was eigentlich mit Edguy los ist. 

Eigentlich müsste ich jetzt „Herr Sammet“ zu Dir sagen und Dich siezen. Aber das lassen wir mal besser, oder?
Himmels Willen. Wenn schon, dann vielleicht „Eure Majestät“ oder sowas. Aber nee, lass uns mal lieber schön beim „Du“ bleiben!
Zu Beginn der Pandemie hast Du gesagt, dass Du von Corona eigentlich nicht so viel mitbekommst, weil Du im Keller sitzt und an einem neuen Avantasia-Album bastelst. Wie lautet Deine Prognose ein halbes Jahr später?
Bis das Album erscheint, dauert es noch ein bisschen, weil die Produktion doch recht aufwendig ist. Da ich selbst eher zurückgezogen lebe, spüre ich zumindest in meinem Studioalltag beim Komponieren nach wie vor wenig von Corona. Für die Konzertbranche war das Jahr bislang aber schon ein herber Schlag. Was Prognosen angeht – die überlasse ich den Experten. 
Im kommenden Sommer wirst Du mit Avantasia auf dem Domplatz auftreten. Ich versuche mir gerade, Jørn Lande mit seinem Dracula-Grinsen vorm Gotteshaus vorzustellen...
Ach das geht, wir sind ja alle harmlos. Sogar Jørn. Unser Dom ist die beste Kulisse, die ich mir für Avantasia wünschen kann. Ich weiß diese Einladung zu schätzen und begegne der Sache mit Dankbarkeit und Respekt.
Du hast mit Musikern aus der ganzen Welt zu tun. Sei doch mal Stimmungsbarometer…
Für niemanden ist die Situation einfach. Ich selbst wurde mit 21 Jahren zum Profimusiker, als ich mit meinem ersten Avantasia-Plattenvertrag mein erstes Geld verdiente. Das war im September 1999. Meine Kollegen sind zum Teil sogar seit über 40 Jahren am Start. Und plötzlich wird der Fortbestand unseres beruflichen Lebensinhalts durch ein Virus infrage gestellt. Da sitzen wir weltweit in einem Boot. Die meisten in unserer Avantasia-WhatsApp-Gruppe begegnen der Sache mit Galgenhumor. Und einige schauen dabei auch mit Bewunderung auf Deutschland, weil unsere Regierung hier eben doch sehr vieles vergleichsweise gut macht. Das wird von uns Deutschen leider oft übersehen.
Inwieweit hat sich die Krise auf das neue Album ausgewirkt? Du kokettierst ja immer damit, Hypochonder zu sein, und völlig freimachen kann man sich vermutlich nicht…
Corona beeinflusst nicht die Musik, aber die Arbeitsweise. Man kann zum Beispiel nicht unbeschwert mal schnell nach England fliegen, um dort Songs zu schreiben oder was aufzunehmen. Also passiert vieles in meinem eigenen Studio. Ich bereite die Songs vor, und dann werden über’s Internet die Aufnahmen der einzelnen Musiker auf der ganzen Welt organisiert. Was den Hypochonder in mir angeht: Ich desinfiziere nicht mehr alle Einkäufe und die Post, bevor ich sie ins Haus hole. Kein Witz, das habe ich anfangs gemacht, bis alles durchnässt war. Die Viren sollten im Desinfektionsmittel ertrinken.

Tickets

Tickets sind am 30. September und 1. Oktober exklusiv in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung erhältlich, anschließend läuft der normale Vorverkauf. Sitzplätze kosten 65,90 Euro, Stehplätze 56,50 Euro. 

Wer könnte den Part des Virus übernehmen? Alice Cooper vielleicht! Frag ihn doch mal!
Alice hat Humor, der würde sowas vielleicht sogar machen. Auf meinem „Scarecrow“-Album hat er ja damals eine ziemlich kauzige Nummer gesungen. Wobei, ein Album zum Thema Corona wäre mir zu doof. Ich kann das Wort schon nicht mehr hören.
Nicht mal mit mir wolltest Du ein Face-to-Face-Interview machen. Echt mal, ich bin beleidigt.
Das war zum Schutz der Redaktion, sonst hätte ich euch mit Reinigungsalkohol einnebeln müssen. Frag mal die Jungs von UPS! Die jammern immer durch den Haustürspalt, dass das Zeug wahnsinnig in den Augen brennt.
Aber jetzt mal ernsthaft: Niemand weiß, wie es weitergehen wird. Eigentlich weiß man das nie, aber jetzt ist die Situation ja völlig neu. Bist Du optimistisch, oder ängstigt Dich das?
Ich versuche, mich nur auf das zu konzentrieren, was ich beeinflussen kann. Ich hatte großes Glück, dass Avantasia damals so durch die Decke ging und die Plattenfirma mir auch in diesen unruhigen Zeiten sehr viel Vertrauen schenkt. Dazu ist das neue Songmaterial sehr stark. Trotzdem weiß auch ich nicht, was morgen passiert, so ist das Leben. Jeder muss für sich Wege finden, mit der Situation umzugehen. Ich kremple die Ärmel hoch und gebe jeden Tag Vollgas. Angst zu haben bringt einen ja auch nicht weiter.
Nach Edguy frage ich Dich jetzt mal besser nicht… Oder?
Doch, logo. Edguy ist ja auch ein Teil von mir. Und ich verstehe, dass manche sich wünschen, dass bei Edguy mehr passiert. Außenstehende können sich allerdings kaum vorstellen, wie viel Aufwand man betreiben muss, um eine Band über einen so langen Zeitraum durch Höhen und Tiefen zu führen und dabei immer auch die persönlichen Belange und Arbeitsauffassungen von fünf Leuten unter einen Hut zu bringen. Da gibt es schon mal Phasen, in denen die Luft raus ist. Jeder von uns macht zurzeit seine eigenen Sachen, was bei der Entwicklung des Musikgeschäfts in den letzten paar Jahren ohnehin notwendig wurde. Wir stehen aber natürlich in Kontakt, und wenn es sich richtig anfühlt, machen wir auch wieder was als Edguy. Aber wann und wie, das kann gerade jetzt niemand beantworten.

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