Bauherren sollten Zahlungsplan beachten
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Die Baupreise schießen in die Höhe und viele Bauprojekte dauern länger oder müssen verschoben werden. (Symbolbild)

Hohe Nachfrage

Schlechte Nachrichten für Bauherren: Warum sich viele Projekte in der Region verzögern

  • Christian Weber
    VonChristian Weber
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Die starke Nachfrage nach Holz, Stahl und Dämmstoffen auf den Weltmärkten treibt die Preise weiter an. Entspannung ist kaum in Sicht – keine guten Nachrichten für Bauherren. Weil benötigtes Material nicht zu beschaffen ist, dauern viele Arbeiten länger oder müssen verschoben werden.

Fulda - Die Baubranche erlebt einen Boom, Baustoffe werden dadurch aber immer knapper. Holz, Stahl oder Dämmmaterialien haben sich rasant verteuert. Zuletzt hat sich der Materialengpass am Bau nach Angaben des Ifo-Instituts zwar minimal entspannt, Preiserhöhungen stehen aber dennoch an. Im Hochbau leide jedes zweite befragte Unternehmen unter Lieferverzögerungen. Im Tiefbau seien es knapp 34 Prozent. Der Mangel macht sich jetzt umso stärker bei den Kosten bemerkbar, sagt Ifo-Forscher Felix Leiss. Jedes zweite Hochbau-Unternehmen plane, noch in diesem Monat die Preise zu erhöhen.

Private wie öffentliche Bauherren müssen also noch tiefer in die Tasche greifen. „Da wir die Preise für Baumaterialien nicht beeinflussen können, werden diese – wenn möglich – an die Auftraggeber weitergereicht werden müssen“, sagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Bauindustrie-Verbandes.

Fulda: Schlechte Nachrichten für Bauherren - Deshalb verzögern sich viele Bauprojekte

Müller verweist auf Daten des Statistischen Bundesamtes, wonach allein die Erzeugerpreise für Betonstahl im Juli innerhalb eines Monats um 10,6 Prozent und für Bauholz um 15,2 Prozent gestiegen seien. Auch der Zentralverband Deutsches Baugewerbe rechnet in den nächsten Monaten mit deutlich höheren Einkaufspreisen. „Die Bauunternehmen werden auch nicht umhin kommen, die Baupreise entsprechend weiter anzupassen“, sagte Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa.

Die Auftragsbücher sind bei vielen Firmen zwar voll, wegen fehlendem Material kann vieles aber nicht angegangen werden. Davon kann auch Bauunternehmer Alexander Günther von Günther Bau aus Fulda ein Lied singen. „Das ist derzeit unwirtschaftliches Arbeiten“, klagt der 46-Jährige, der zusammen mit seinem Bruder Markus Geschäftsführer der Firma ist.

„Wir schicken die Arbeiter dahin, wo gerade Material ist, wo wir arbeiten können. Das ist eine logistische Herausforderung, die aber auch weitere Kosten verursacht“, berichtet er von der aktuellen Situation. „Wir mussten schon Projekte absagen, weil wir schlicht kein Material oder keine Kapazitäten haben.“

Ein Beispiel für die aktuelle Problematik seien Dämmstoffe. Früher seien diese von einem auf den anderen Tag verfügbar gewesen, heute sei ein Vorlauf von zwei Monaten normal. Insgesamt sei das eine unbefriedigende Situation für alle Beteiligten: Baufirmen, Bauherren oder Architekten – niemand sei momentan glücklich. Und die Hoffnung auf eine Normalisierung der Lage ist gering, denn der Boom halte an. Aber auch der Blick in die Zukunft bereitet Günther Kopfzerbrechen: „Die nächste Sorge ist dann, dass Bauen so teuer wird, dass sich das nicht mehr viele leisten können.“

Noch gibt es aber genug zu tun, derzeit bereitet Unternehmen und Architekten vor allem die Kalkulation von Projekten enorme Probleme. Bauherren müssen bei der Finanzierung daher oft blind schätzen oder ihr Darlehen später aufstocken. Aber auch bei der Frage, wann ein Projekt fertig gestellt werden kann, herrschen viele Unwägbarkeiten, weil die Lieferzeiten von benötigtem Material nicht genau vorhergesagt werden können.

Starke Nachfrage nach Rohstoffen treibt Preise nach oben

Das spürt teilweise auch Fertighausanbieter Bien-Zenker aus Schlüchtern (Main-Kinzig-Kreis). „Auch bei Bien-Zenker sind wir mit steigenden Preisen von Rohstoffen konfrontiert“, sagt Geschäftsführer Marco Hammer. Versorgungsengpässe konnten bisher aber weitgehend verhindert werden, sodass es für Bauherren nur vereinzelt zu Baustellenverzögerungen gekommen sei. „Bien-Zenker arbeitet das ganze Jahr 2020 und 2021 im Dreischichtbetrieb, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden“, betont Hammer.

Bauherren erhalten von Bien-Zenker bei Vertragsschluss eine Preisgarantie, sodass Bauherren, die im vergangenen Jahr gekauft haben, von den Kostensteigerungen nicht betroffen seien. „An der Preisgarantie halten wir fest – wir werden für Neukunden jedoch auch unsere Preise im Zuge der Inflation im Rohstoffbereich anheben, so dass bauen in der Zukunft voraussichtlich teurer werden wird.“

Video: Bauen wird teurer und man muss länger auf Handwerker warten

Keine guten Zeiten also für alle, die gerade ihren Traum vom Eigenheim verwirklichen wollen. Doch etwas Hoffnung macht Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer, der zumindest im Materialengpass kein dauerhaftes Problem sieht. Die Produktionskapazitäten werden nach seinen Worten wieder aufgebaut. „Das Problem wird man langfristig in den Griff bekommen, aber eben nur langfristig.“ (Lesen Sie hier: Fuldaer Bauprojektentwickler kritisieren: Eigentümer sitzen auf baureifen Arealen)

Momentan jedoch müsse der Kunde länger auf einen Handwerker warten: Im Gesamthandwerk liege die durchschnittliche Auftragsreichweite derzeit bei 8,8 Wochen. Die Auftragsreichweite gibt an, wie lange der Auftragsbestand noch ausreicht. „Im Bau- und Ausbaubereich jedoch ist es so, dass man aktuell mit mindestens 10 und manchmal sogar bis zu 15 Wochen rechnen muss, bis ein Auftrag begonnen und abgearbeitet wird“, sagt Wollseifer.

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