Ein Traktor fährt an einer Mutter mit Kind vorbei, davor ein Piktogramm mit den Worten: Rücksicht macht Wege breit.
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Der kleine Jakob auf dem Rad winkt einem Landwirt im Traktor zu.

Mehr Rücksicht

Unfälle zwischen Fahrrädern und Traktoren vermeiden: Bauernverband Fulda sprüht in Neuhof Hinweise auf Straße

  • Alina Komorek
    vonAlina Komorek
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Auf Wegen, die von Rad- und Landwirtschaftsverkehr genutzt werden, wird es eng. Der Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld wirbt deshalb nun mit Piktogrammen für gegenseitige Rücksicht.

Neuhof - Der kleine Jakob ist schon ziemlich sicher unterwegs auf seinem Rad. Er tritt kräftig in die Pedale und saust über den Mittelweg. So heißt die schmale asphaltierte Straße, die freigegeben ist für landwirtschaftliche Maschinen und die durch die Felder von Neuhof nach Flieden führt. Seit einiger Zeit ist sie auch als Fahrradweg ausgezeichnet. Das kann zu Konflikten und Gefahren führen, wenn sich Fahrrad und Traktor begegnen.

Denn hier gehen die Interessen auseinander: Auf der einen Seite gibt es den fünfjährigen Jakob, der mit seiner Mama einen Ausflug mit dem Rad macht und auf der anderen Seite müssen die Landwirte gerade während der aktuellen instabilen Wetterlage die Sonnenstunden nutzen, um die Ernte trocken einzufahren. Die einen wollen sich in der Natur erholen, die anderen müssen in der Landwirtschaft arbeiten und stehen daher unter Zeitdruck. (Lesen Sie hier: Radfahrer erobern die A7 bei Fulda)

Fulda: Bauernverband will Unfälle zwischen Fahrrädern und Traktoren verhindern

Um Streit zwischen den Verkehrsteilnehmenden und vor allem auch Unfällen zwischen den schweren Maschinen und den ungeschützten Radfahrenden vorzubeugen, haben die Gemeinde Neuhof und der Kreisbauernverband gemeinsam Piktogramme auf den asphaltierten Straßen angebracht, auf denen besonders viel landwirtschaftlicher und Radverkehr unterwegs ist. Zu sehen ist darauf ein großer Traktor und ein kleines Fahrrad mit den Worten: „Rücksicht macht Wege breit – Danke. Ihre Landwirte“. Denn damit beide Seiten sich auf den 3,5 Meter breiten Wegen nicht beeinträchtigt fühlen, sollten auch beide Seiten Rücksicht nehmen – so kann der Traktor schnell von Feld zu Feld fahren und Jakob sicher das Fahren ohne Stützräder üben.

Den Startschuss der Aktion „Rücksicht macht Wege breit“ vom Kreisbauernverband Fulda-Hünfeld (KBV) haben am gestrigen Donnerstag Vertreter des KBV, der Gemeinde Neuhof und des Landkreises Fulda am Piktogramm auf der Neuhofer Mittelstraße gegeben. Die Akteure waren sich einig, dass die Freizeitnutzung ursprünglich für die Landwirtschaft angelegter Wege seit Beginn der Corona-Pandemie eher zugenommen hat und dass die Piktogramme ein Schritt in Richtung rücksichtsvoller Nutzung bedeuten könnten.

So wiesen Sebastian Schramm, Geschäftsführer des KBV, und Stefan Schneider, Kreisvorsitzender des KBV darauf hin, dass ein großes Traktorgespann und ein Radfahrer sicher aneinander vorbeikommen sollten. Der Neuhofer Bürgermeister Heiko Stolz (CDU) und Ulrich Möller von der Verkehrsbehörde Neuhof sprachen sich dafür aus, Eskalationen von beiden Seiten zu vermeiden und zwischen Rad- und landwirtschaftlichem Verkehr Konflikte vermeiden zu wollen.

Auf den Piktogrammen steht: „Rücksicht macht Wege breit“

Die Landwirte Harald Sohr und Peter Best erklärten noch einmal, wie wichtig ihre Arbeit ist und dass gerade während unbeständiger Wetterlagen jedes Zeitfenster mit Sonnenschein zum Einholen der Ernte genutzt werden müsse. Martin Sudbrock vom Fachdienst Landwirtschaft des Kreises fügte hinzu: „Die Kombination von Rad- und landwirtschaftlich genutzten Wegen ist zu begrüßen – aber beide Seiten sollten aufeinander Rücksicht nehmen.“ Wie groß nämlich ein Traktorgespann ist, wird besonders deutlich, wenn der kleine Jakob mit seinem Fahrrad direkt daneben steht.

Besonders gefährlich seien nicht die Situationen, in denen ein Rad einem Traktor entgegenkäme, sondern solche, in denen beide in gleicher Richtung unterwegs sind. Häufig, das berichteten die anwesenden Landwirte, nehmen die Radfahrenden die Traktoren nicht wahr, wenn sie über Kopfhörer Musik hören und machten dementsprechend keinen Platz.
Schramm vom KBV erklärte abschließend, dass neben Neuhof bereits in mehreren Gemeinden Piktogramme auf vielbefahrene Wege gesprüht wurden: „Unter anderem haben sich die Gemeinden Poppenhausen, Bad Salzschlirf, Nüsttal, Hosenfeld und Eiterfeld daran beteiligt.“

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