Vertreter von Geldinstitut, Gemeinde und Firmen sowie Planer hoben zum Spatenstich die Schaufeln vor dem neuen Baugebiet.
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Vertreter von Geldinstitut, Gemeinde und Firmen sowie Planer hoben zum Spatenstich die Schaufeln vor dem neuen Baugebiet.

„Neuland“ für die Partner

Privates Baugebiet im Kreis Fulda vor Erschließung - Raiffeisenbank entwickelt 22 Baugrundstücke

  • Norman Zellmer
    vonNorman Zellmer
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Projekt auf der Schlussetappe: Am Ortsrand des Fliedener Ortsteils Döngesmühle entsteht das Baugebiet „Eichenmühle“. 22 Grundstücke wird die örtliche Genossenschaftsbank erschließen. Für den offiziellen Start griffen die Beteiligten am Dienstag zu Spaten und Schaufeln.

Dongesmühle - Erste Bauarbeiten fanden bereits statt: Die Erde für die zentrale Baustraße ist ausgehoben, Rohre für Kanal- und Wasserleitungen liegen bereit: Vor dieser Kulisse fand gestern der offizielle Spatenstich für das Neubaugebiet „Eichenmühle“ am Döngesmühler Ortsrand im Landkreis Fulda statt. Auf einer Fläche von rund 2,5 Hektar soll in den kommenden Monaten Bauland geschaffen werden.

Kreis Fulda: Privater Investor entwickelt ein Baugebiet - Erstmals in Geschichte der Gemeinde Flieden

Das Besondere: Erstmals in der Geschichte der Gemeinde Flieden entwickelt ein privater Investor ein Baugebiet. Die Raiffeisenbank im Fuldaer Land mit Sitz in Großenlüder ist Trägerin der Erschließung des Areals an der Thomasstraße. Torsten Leinweber, Vorstand der Genossenschaftsbank, und Bürgermeister Christian Henkel (CDU) sprachen denn auch beim Spatenstich in kleiner Runde von „Neuland“, die das Projekt für die Bank und die Gemeinde bedeute. Die Entwicklung, Erschließung und Vermarktung von eigenem Bauland gehörten bislang nicht zu den wirtschaftlichen Standbeinen des Geldinstituts.

Wegen der niedrigen Zinsen, so Leinweber, und der Rahmenbedingungen habe die Bank sich 2018 entschlossen, in dieses Geschäftsfeld einzusteigen. Die Bank hatte die ehemalige Ackerfläche an der Eichenmühle vor wenigen Jahren aus einer Zwangsversteigerung heraus erworben: Die Gemeinde spart bei der privaten Erschließung Planungs- und Erschließungskosten; sie gibt lediglich den Rahmen vor und trieb die Bauleitplanung voran. Henkel betonte, dass die geänderte Bauträgerschaft für die Bauwilligen keinen Unterschied mache. (Lesen Sie hier: Preise steigen rasant, Lieferungen bleiben aus: Auf vielen Baustellen droht Stillstand)

„Hochattraktive Baugebiet“ nahe Flieden entsteht - Bezahlbarer Wohnraum wird geschaffen

Laut Leinweber bedeute die Baulandentwicklung „hohen Aufwand“ und mitunter „hohes Risiko“. Unter anderem habe ihn überrascht, welche hohen Investitionen inzwischen für die Erschließungsarbeiten im ländlichen Raum notwendig seien. Insgesamt 1,9 Millionen Euro investiert die Raiffeisenbank in Planungen, Flächenankauf sowie Straßen-, Gehweg-, Kanal- und Wasserleitungsbau.

Die Konturen des neuen Baugebiets in Flieden-Dongesmühle sind aus der Luft schon sichtbar.

Dennoch werde bezahlbarer Wohnraum nahe Flieden geschaffen. Die Nachfrage für das „hochattraktive Baugebiet“ mit Sackgasse und zwei Stichstraßen sei „enorm groß“: Zeitweise seien die 22 Bauplätze mehr als zweifach überzeichnet gewesen. Und das, obwohl man die durchschnittlich 680 Quadratmeter großen Parzellen nicht groß beworben habe. Nach Auskunft von Lothar Jünnemann, ehemaliger Vorstand der Fliedener Raiffeisenbank – er hatte das Bauland-Projekt einst angestoßen und vorangetrieben –, hätten alle Häuslebauer Verbindungen nach Döngesmühle und Flieden. (Lesen Sie hier: Wohneigentum begehrt wie nie - Experte beklagt: „Thema Bauen über viele Jahre stark vernachlässigt“)

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Um eine transparente Vergabe der Bauplätze zu gewährleisten, habe man sich an einem Punktesystem ähnlich wie in Neuhof orientiert: Wer in Flieden wohnt, noch keine Immobilie besitzt, dafür aber Kinder hat, rutschte auf der Warteliste nach vorn. Bei Punktgleichheit war schließlich sogar gewürfelt worden, um ein faires Verfahren zu gewährleisten. Damit keine Spekulanten auf den Plan gerufen werden und keine Baulücken entstehen, haben die Bauherren eine sogenannte Baulandverpflichtung abgegeben müssen: Innerhalb von vier Jahren müssen ihre Häuser im Baugebiet stehen.

Bürgermeister Henkel sprach vom Spatenstich als wichtiges Zeichen, denn weiteres Bauland werde in der Gemeinde dringend benötigt, weil die Nachfrage im Königreich anhaltend hoch sei. Das Baugebiet bedeute eine „neue Perspektive“ für das Dorf Döngesmühle, das 2018 den 250. Jahrestag der urkundlichen Ersterwähnung gefeiert hatte. Die Lage der Eichenmühle sei „perfekt“, das Baugebiet nur einen „Steinwurf vom Ortskern Flieden“ entfernt. Henkel hofft, dass sich die benachbarte historische Eichenmühle aus dem 16. Jahrhundert in das Baugebiet eingliedern werde, habe sie doch eine prägende Bedeutung für den Ort. (Lesen Sie hier: Klimaschutz, Wohnungsbau, Verkehr, Kultur: Das sind die Ziele der neuen Fuldaer Stadtregierung)

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