Fulda: Vom Rauschenberg aus erkennt man die Bauarbeiten in den Ferien an der A 7-Brücke Götzenhof.
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Vom Rauschenberg aus erkennt man die Bauarbeiten in den Ferien an der A 7-Brücke Götzenhof.

Gilt Urlaubssperre?

Ferienzeit ist Baustellenzeit: Warum die Bauunternehmen im Sommer besonders viel zu tun haben

  • Leon Weiser
    VonLeon Weiser
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  • Sarah Malkmus
    Sarah Malkmus
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Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu. Die meisten Osthessen schwelgen ob ihres jüngsten Urlaubs wohl bereits in Erinnerungen. In den Baubetrieben wehte jedoch ein anderer Wind. Denn Ferienzeit ist Baustellenzeit.

Kreis Fulda - Für Bauunternehmen hat das Jahr eigentlich nur zehn Monate, erklärt Veit Küllmer, Seniorchef der Baufirma Küllmer in Fulda. Denn wetter- und witterungsbedingt müssen in diesen zehn Monaten alle Projekte abgeschlossen werden, für die andere Betriebe ein ganzes Jahr lang Zeit haben. „Im Januar und Februar stehen die Baustellen im Außenbereich still“, erklärt er.

Das heißt laut Küllmer, dass in diesen zehn Monaten auch der Jahresumsatz eingefahren werden muss. Die Ferien bieten sich dabei an, um eine Vielzahl der Arbeiten zu erledigen, sagt Küllmer und erklärt den Grund: „Im Sommer muss im Straßenbau viel abgearbeitet werden, denn viele Menschen sind im Urlaub, es fahren keine Schulbusse, außerdem ist der Individualverkehr geringer. Sommer heißt für uns viel Arbeit.“

Fulda: Darum arbeiten Bauunternehmen besonders in den Ferien viel 

Und wie ist das für Mitarbeiter mit schulpflichtigen Kindern, sollte ein gemeinsamer Urlaub geplant sein? Von seinen 120 Mitarbeitern haben fast die Hälfte – 50 Mitarbeiter – Kinder, die zur Schule gehen. Eine Urlaubssperre gibt es dennoch nicht, erklärt der Seniorchef. „Wir stimmen uns intern ab.“ Das bedürfe natürlich einer guten Planung. „Wir kriegen das aber gut gehändelt, zwei bis drei Wochen Urlaub werden schon genehmigt.“ Etwa 15 Mitarbeiter könnten sich in den Ferien gleichzeitig im Urlaub befinden, ohne dass es allzu große Probleme gebe.

Konsequenzen hat die Urlaubszeit aber trotzdem auf das Unternehmen, weiß der Seniorchef: „Wir dürfen in dieser Zeit eben nicht so viele Aufträge annehmen“, erklärt er. Aber man habe sich über die Jahre eingespielt, in seinem Betrieb funktioniere das gut.

Überstunden halten sich trotz des engen Zeitfensters in Grenzen

Obwohl in den Ferien vieles abgearbeitet werden muss, hielten sich die Überstunden in Grenzen. „Nach neun Stunden Arbeit ist der Akku einfach leer“, sagt Küllmer. Schließlich sei die Arbeit körperlich besonders anstrengend. „Da bringt auch länger arbeiten nichts.“

Ähnliches schildert auch Dr. Christoph Schetter, Obermeister der Bau-Innung im Kreis Fulda und Geschäftsführer des Bauunternehmens Kammerdiener Peegut in Gersfeld, weitere Standorte sind Fulda und Taunusstein bei Wiesbaden. „Es wäre entspannter, wenn man mehrere Zeitfenster und nicht nur die Ferien hat“, sagt er.

Baustellen würden allgemein gerne in die Ferien gelegt. Am Ende sei es allerdings „egal, wann die Baustellen stehen. Die Autofahrer ärgert es sowieso, wenn sie Umleitungen fahren müssen“, sagt er. (Lesen Sie auch hier: Zweiter Bauabschnitt beginnt: Frankfurter Straße wieder nur stadtauswärts befahrbar)

Video: Mit diesen Tipps findest du jede Umleitung

In seiner Firma mit etwa 135 Mitarbeitern sei es in diesem Sommer aber bislang gut gelaufen. „Die Projekte sind im Zeitplan, sodass es vergleichsweise zufriedenstellend lief“, erklärt Schetter, der in Dipperz wohnt. Es habe zwar Materialengpässe gegeben, jedoch sei das für seine Firma nicht so schlimm gewesen. „Andere Firmen mussten ihre Mitarbeiter aber deswegen in Kurzarbeit schicken.“

Zum Thema Urlaubssperre hat der Dipperzer eine klare Position: „Ich halte nichts davon. Aber mir ist bekannt, dass einige Firmen darauf zurückgreifen. Es ist unklug, mit solchen Methoden zu arbeiten, vor allem im Hinblick auf den Fachkräftemangel.“ Wegen der vermehrten Arbeit in den Ferien und möglichen Nachtschichten bei der Sanierung von Bundesstraßen werde der Beruf unattraktiver. „Dann kann man nicht noch den Urlaub einschränken“, sagt der Obermeister.

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