56 Lichterketten, bespickt mit 17.000 LED-Lichtern, schmückten die Bahnhofstraße zur Weihnachtszeit.
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56 Lichterketten, bespickt mit 17.000 LED-Lichtern, schmückten die Bahnhofstraße zur Weihnachtszeit.

Lichtverschmutzung

Zu viel Beleuchtung in der Bahnhofstraße in Fulda? - Umweltschützer üben Kritik an Weihnachtsdekoration

  • vonMarius Scherf
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Bis Mittwoch hing die Weihnachtsbeleuchtung in der Fuldaer Bahnhofstraße. Noch nie blitzten dort so viele Leuchten. Der „Arbeitskreis Lichtverschmutzung der anerkannten Naturschutzverbände Fulda“ findet das gar nicht gut. Der Himmel werde durch das viele Licht verschmutzt. Die Auftraggeber der Beleuchtung sehen kein Problem.

Fulda - Wolfgang Lauer ist aufgebracht: Der Rentner ist leidenschaftlicher Umweltschützer und Vorsitzender des Arbeitskreises Lichtverschmutzung im Landkreis Fulda. Das, was er in der Bahnhofstraße Fulda sieht, gefällt ihm gar nicht: 17.000 LED an 56 Lichterketten, aufgehangen im Auftrag des Vereins Fulda BID Bahnhofstraße, der sich um die Aufenthaltsqualität in der Straße kümmert. Die LED verbrauchen zwar nach Vereinsangaben nur so viel Strom wie ein Haartrockner, doch Lauer stört sich vor allen Dingen die Leuchtkraft, welche von den Lämpchen ausgeht.

Die Stadt Fulda trägt beim Thema Lichtsparen eine Art Gütesiegel. Sie war im Jahr 2019 die erste im Bundesgebiet, welche sich mit der Plakette „Sternenstadt“ schmücken durfte – sogar die Tagesthemen berichteten. Mit dem Titel werden Städte von der „International Dark Sky Association“ gewürdigt, die besonders schonend mit ihrer Nachtbeleuchtung umgehen.

Fulda: Umweltschützer üben Kritik an Weihnachtsdekoration - Zu viel Beleuchtung in der Bahnhofstraße?

Die weihnachtliche Beleuchtung in der Bahnhofstraße ist in Lauers Augen daher kein gutes Beispiel. Er übt deutliche Kritik: „Die LED an sich könnten aufgrund ihrer Sparsamkeit ein Geschenk für die Energiewende sein. Wenn aber, wie im Falle der Bahnhofstraße, die Sparsamkeit als Argument für mehr Lichtnutzung benutzt wird, ist das ein schlechtes Vorbild, um hier nachhaltig etwas zu verbessern.“ Er stellt sich die Frage: „Warum überhaupt Weihnachtsbeleuchtung in dieser Größenordnung?“ Man hätte doch ein Zeichen der Zurückhaltung setzen können.

Der Vorsitzende des BID, Reginald Bukel, versteht die Aufregung nicht: „Die Beleuchtung sollte dazu dienen, weihnachtliche Stimmung zu verbreiten. Wir wollten den Menschen in dieser Zeit eine Freude bereiten.“ Auch an das Thema Lichtverschmutzung habe man gedacht: „Die LED sind energiesparend, und wir haben bewusst auf Strahler verzichtet, die nach oben gerichtet sind“, so Bukel. Außerdem seien die Lichter bereits um 21.30 Uhr abgestellt worden.

Wolfgang Lauer: „Warum überhaupt Weihnachtsbeleuchtung in dieser Größenordnung?“

Die Sternenstadt Fulda hat ein Beleuchtungsrichtlinie erarbeitet. In ihr steht, was an Beleuchtung gewünscht ist und was nicht. Eine verbindliche Satzung für alle ist dies jedoch nicht. Die Beleuchtung in der Bahnhofstraße sei eine private Anschaffung und in diesem Maße möglich gewesen, da sie, wie auch die übrige Weihnachtsbeleuchtung in der Stadt, von temporärere Natur sei, erklärt der Pressesprecher der Stadt, Johannes Heller. „Somit ist sie ausdrücklich von den Bestimmungen der Sternenstadt ausgenommen.“

Stadtbaurat Daniel Schreiner (parteilos) merkt an: „Wir haben darauf verwiesen, dass die LED nicht in kaltweißem Licht, was heller strahlt, leuchten, sondern auf gelbweiß gestellt werden müssten. Die weihnachtliche Beleuchtung in der Stadt soll in Zukunft ausschließlich in gelbweiß erfolgen“, betont Schreiner.

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