Die Vereinbarung zwischen Stadt Fulda und Landkreis Fulda sieht insbesondere folgende Änderungen vor:
• Die Metallberufe werden von der Konrad-Zuse-Schule an die Ferdinand-Braun-Schule verlagert (zum 1. August 2022)
• Die Berufe Tischler/Holzmechaniker werden von der Ferdinand-Braun-Schule an die Konrad-Zuse-Schule verlagert (zum 1. August 2022)
• Die Industriekaufleute wechseln von der Konrad-Zuse-Schule an die Richard-Müller-Schule (zum 1. August 2023)
• Im Bereich Fachinformatik/Systemintegration wird die Konrad-Zuse-Schule Berufsschule für alle Ausbildungsbetriebe, die im Landkreis ansässig sind. Die Ferdinand-Braun-Schule bleibt Berufsschule für Betriebe mit Standort in der Stadt Fulda (zum 1. August 2023)
• Die kaufmännischen IT-Berufe wandern von der Richard-Müller-Schule an die Konrad-Zuse-Schule (zum 1. August 2023)
Die Ergebnisse der Verhandlungen hatte jüngst der Fuldaer Bürgermeister und Schuldezernent Dag Wehner (CDU) im Schulausschuss vorgestellt. Er zeigte sich zufrieden, zumal sich alle Beteiligten einig seien, dass der gleiche Unterricht an zwei Standorten im Kreis keinen Sinn mache. Es sei nun ein Kompromiss gefunden worden, „bei dem zwar nicht zu 100 Prozent alle Wünsche der Schulen erfüllt wurden, der aber trotzdem für alle tragfähig ist“. Wichtiges Signal sei: „Keine der Schulen ist in ihrer Existenz gefährdet.“
Auch das Staatliche Schulamt hält die Planungen für „absolut zielführend“, sagt dessen Leiterin Marion VanCuylenburg. Bei der Gesamtzahl aller Ausbildungsberufe – insgesamt 326 Berufe mit knapp 600 Fachrichtungen – sei es gar nicht möglich, dass an jeder Berufsschule jeder Beruf angeboten werden kann. Schließlich gehöre zum Fachunterricht auch Unterricht in einer Werkstatt: „Hier entstand über die Jahre Modernisierungsbedarf, der an der Ferdinand-Braun-Schule durch den Neubau der Metallwerkstatt mit dem Automatisierungszentrum gedeckt wurde. Gleichzeitig wären an der Konrad-Zuse-Schule ebenfalls Investitionen in den Metallbereich erforderlich gewesen.“ (Lesen Sie hier: Defizite durch Corona? So läuft die Ausbildung in Gastronomie und Hotellerie in Fulda)
Diese Doppelinvestitionen seien nicht zu rechtfertigen gewesen – zumal beide Schulen nur 16 Kilometer auseinander liegen und gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen seien. Betroffen von den Änderungen sind laut VanCuylenburg jeweils rund 200 Schüler an der Ferdinand-Braun-Schule und Konrad-Zuse-Schule sowie rund 50 Auszubildende an Richard-Müller- und Eduard-Stieler-Schule.
Berufsschulen, die mit sinkenden Schülerzahlen zu kämpfen haben, sind indes kein ausschließlich regionales Phänomen, sondern hessenweit ein Problem. Daher führt das Land Hessen aktuell das Projekt „Zukunftsfähige Berufsschule“ durch. Mit sogenannten Kompetenzzentren soll die Berufslandschaft auf komplett neue Füße gestellt werden: Auszubildende sollen möglichst gebündelt unterrichtet werden; für bestimmte Ausbildungszweige soll es künftig regional zuständige Berufsschulen geben. Die Neuorganisation im Landkreis kommt dem entgegen.