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„Der reinste Rufmord“: Kalbachs Ex-Bürgermeister kritisiert Berichte über seine Verurteilung

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Von: Hartmut Zimmermann

Kalbachs Ex-Bürgermeister Florian Hölzer wehrt sich in seinem öffentlichen Facebook-Account gegen die Berichterstattung über den Prozess.
Kalbachs Ex-Bürgermeister Florian Hölzer wehrt sich in seinem öffentlichen Facebook-Account gegen die Berichterstattung über den Prozess. © Daniela Schneider

Mit einer Stellungnahme auf seiner Facebook-Seite wehrt sich Florian Hölzer, der frühere Kalbacher Bürgermeister, gegen Veröffentlichungen auf dem Online-Portal der Bild-Zeitung. Er wirft den Verantwortlichen „Rufmord“ vor.

Fulda - „Bild“ und andere Medien hatten unter Nennung des Namens und des Berufs Hölzers darüber berichtet, dass dieser vom Amtsgericht Fulda wegen Veruntreuung zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt worden war.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig, da Hölzer Berufung eingelegt hat. Dem 43-Jährigen, der nach einer Amtszeit nicht erneut zur Wahl angetreten war, hatte das Gericht vorgeworfen, als Betreuer eines an Demenz erkrankten Mannes insgesamt 34.000 Euro veruntreut zu haben.

Fulda: „Der reinste Rufmord“ - Ex-Bürgermeister kritisiert Bild-Zeitung

Unsere Zeitung hatte vor zwei Wochen über den Prozess und das Urteil berichtet. Dabei hatten wir bewusst darauf verzichtet, den Namen und das frühere Amt des Angeklagten zu schreiben, weil dieser inzwischen nicht mehr Bürgermeister und damit nur noch bedingt als „Person des öffentlichen Lebens“ anzusehen ist. Das wäre das Kriterium für eine Nennung gewesen.

Aufgrund der Facebook-Meldung nahm die Redaktion am Freitag Kontakt zu Hölzer auf. „Ich werde jetzt über die Veröffentlichung dort hinaus keine weiteren Stellungnahmen zur Sache abgeben“, sagte dieser. Ob er gegen die Veröffentlichungen juristisch vorgehen werde, ließ er am Freitag offen.

Er werde, auch wenn die Situation sehr belastend sei, durch alle Instanzen gehen, um seine Unschuld zu beweisen. In dieser Absicht bestärke ihn auch die Tatsache, dass er inzwischen rund 700 ermutigende Rückmeldungen auf die Facebook-Veröffentlichung erhalten habe. „Das Handy hängt permanent am Ladekabel“, sagte Hölzer.

34.000 Euro weg: Florian Hölzer von seiner Unschuld überzeugt

Er betont bei Facebook, das Vorgehen von „Bild“ sei „der reinste Rufmord“. Die Angelegenheit betreffe ihn als Privatperson und nicht als Kalbacher Ex-Bürgermeister. Er sei sicher, dass der Fall sich in der nächsten Instanz zu seinen Gunsten klären werde. Ein Termin für die Verhandlung vor dem Landgericht ist noch nicht bekannt.

Das Amtsgericht hatte es als erwiesen angesehen, dass Hölzer vom Bankkonto eines inzwischen verstorbenen, zuletzt dementen 90-Jährigen, für den er als Betreuer eingesetzt war, 34.000 Euro abgehoben habe. Der Verbleib des Geldes ist ungeklärt. Hölzer und mehrere Zeugen hatten ausgesagt, die Beträge auf Wunsch des 90-Jährigen vom Konto genommen und dann in Tüten an dem Altenheim abgegeben zu haben, in dem der Senior lebte.

Die Staatsanwaltschaft hatte darauf hingewiesen, dass die Ausgaben der Familie in jener Zeit monatlich rund 900 Euro über den Einnahmen gelegen hätten. Das Gericht hatte Hölzer keine persönliche Bereicherung vorgeworfen, sondern ihn mit der Begründung verurteilt, er habe seine Kontrollpflicht als Betreuer eklatant verletzt.

Bei Facebook schreibt Hölzer, er habe nicht gewusst, dass der von ihm seit 2012 betreute Mann an Demenz erkrankt sei. Das sei ihm bei seinen vier oder fünf Besuchen in der Corona-Zeit nicht aufgefallen. „Wir haben definitiv kein Geld von ihm veruntreut. Er hat alles erhalten“, schreibt Hölzer.

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