Vollversammlung mit vielen Themen

Treffen der Bischöfe in Fulda: Bätzing verteidigt Synodalen Weg - Appell von „Wir sind Kirche“

In Fulda hat am Vormittag die traditionelle Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe begonnen. Die Themen sind vielfältig und reichen vom Synodalen Weg bis zu Corona. Und auch mit dem Thema Flüchtlinge befassen sich die Oberhirten.

Update, 22. September, 16.01 Uhr: Der derzeit laufende Reformprozess in der katholischen Kirche in Deutschland birgt nach Einschätzung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, keine Abspaltungsgefahr. „Wir sind Kirche im Kontext der katholischen Weltkirche und werden das bleiben. Es gibt keine Tendenzen in irgendeiner Weise, uns als Nationalkirche dort abzuspalten“, stellte der Limburger Bischof am Dienstag in Fulda zu Beginn der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe klar.

Der Vorwurf, der Reformprozess Synodaler Weg berge die Gefahr einer Abspaltung der deutschen Katholiken von der Weltkirche, war wiederholt von dem konservativen Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki erhoben worden. Noch in der vergangenen Woche hatte Woelki gesagt, es wäre das schlimmste Ergebnis des Synodalen Wegs, wenn dieser „in die Spaltung hineinführt“. Dadurch würde „so etwas wie eine deutsche Nationalkirche entstehen“. Bätzing betonte: „Der Synodale Weg geht gut voran. (...) Wir schauen im Synodalen Weg nach vorne, und es geht nach vorne.“

Flüchtlingspolitik und Asyl: Bischof Bätzing fordert „in Europa abgestimmtes System“

Die vier Themenschwerpunkte des Reformprozesses sind die Stellung der Frau in der Kirche, die kirchliche Sexualmoral, der Umgang mit Macht in der Kirche und die vorgeschriebene Ehelosigkeit der Priester, der Zölibat. 

Die Bischöfe haben viel zu besprechen - auch kontrovers. Bätzing: „Ich hab ja nicht gesagt: Die Stimmung ist gut und himmelbettleicht. Die ist schwer, die Situation.“

Infolge der Corona-Pandemie tagen die Bischöfe in diesem Jahr im Fürstensaal des Fuldaer Stadtschlosses.

Beim Thema Flüchtlinge fand der Vorsitzende deutliche Worte: „Wir brauchen ein in Europa abgestimmtes System, um dem Grundrecht von Asyl nachzukommen.“ Es sei gut, dass die Bundesregierung geflüchtete Familien aufnehmen möchte. „Es darf nicht die Tendenz vorherrschen, Menschen abzuwehren, das unterstützen wir nicht”, betonte Bätzing.

Coronavirus: Herbstvollversammlung findet unter besonderen Bedingungen statt

Ursprungsmeldung von 13.45 Uhr: Die Herbstvollversammlung findet derweil in diesem Jahr unter besonderen Bedingungen statt: Mindestabstand, Mund-Nasen-Bedeckungen und eine Verkürzung von vier auf drei Tage prägen die Beratungen ebenso wie ein reduziertes Platzangebot bei den begleitenden Gottesdiensten. Geleitet werden die Beratungen vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, dem Limburger Bischof Georg Bätzing.

Mit Mundschutz: Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, auf dem Weg zu seinem Pressestatement.

Auch auf der Tagesordnung stehen das kirchliche Leben in der Corona-Pandemie, aber auch die zunehmende Zahl der Kirchenaustritte sowie die Instruktion aus dem Vatikan zur Organisation der Gemeinden. Im Fokus dürfte zudem der Reformprozess unter dem Stichwort „Synodaler Weg“ sowie die Debatten um die Rolle der Frau in der katholischen Kirche stehen.

Beraten werden die Bischöfe zudem über weitere Konsequenzen aus der 2018 veröffentlichten sogenannten MHG-Studie zu sexuellem Missbrauch. Die Vollversammlung aller Bischöfe, die jährlich im Frühjahr und im Herbst für mehrere Tage zusammenkommt, ist das oberste Gremium der Deutschen Bischofskonferenz.

Die Beratungen finden in diesem Jahr im Fuldaer Stadtschloss statt. Dienstagmittag wird Bischof Bätzing ein Pressestatement abgeben. (dpa/dan)

Appell von „Wir sind Kirche“

Der weitere Fortgang des Reformprozesses Synodaler Weg ist aus Sicht der Bewegung „Wir sind Kirche“ entscheidend für die Zukunft der katholischen Kirche. „Wir können nur appellieren an die Bischöfe, diesen Weg weiterzugehen, alles andere würde in die Bedeutungslosigkeit führen“, sagte der Sprecher der katholischen Reformbewegung, Christian Weisner, vor Beginn der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am Dienstag in Fulda. Die Tradition, auf die sich die Kirche in ihrem Amtsverständnis berufe, diene dem Machterhalt, so Weisner. „Es muss gelingen, dass die Kirche aus ihrer Traditionsfalle herauskommt.“

Der Reformprozess unter dem Stichwort Synodaler Weg steht auch bei den Beratungen der 69 Bischöfe, die zu der Herbstvollversammlung erwartet werden, im Fokus. Zudem geht es unter anderem um das kirchliche Leben in der Corona-Pandemie und die Welle von Kirchenaustritten.

Diese werde sich noch verstärken, wenn der Prozess nicht vorankomme, sagte Angelika Fromm von der Aktion „Lila Stola“. Das ist eine Arbeitsgruppe von „Wir sind Kirche“, die sich seit 25 Jahren für die Gleichberechtigung von Frauen einsetzt. «Wir fordern den Zugang zu allen Ämtern. Das ist eine Vision, bei der bleiben wir auch“, sagte Fromm. Mit dem Synodalen Weg habe die katholische Kirche in Deutschland wieder eine weltweite Vorreiterrolle eingenommen, der sie gerecht werden müsse. Falls es mit einer Reformation nicht gelinge, sei eine Revolution notwendig in dem Sinne, dass erst etwas kaputtgemacht und dann im biblischen Sinn neu aufgebaut werde, um den heutigen Lebensumständen gerecht zu werden, sagte Fromm.

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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