350 Menschen mussten wegen der Bombenentschärfung am Rauschenberg evakuiert werden. Nur die wenigsten nahmen das Angebot wahr, im Gemeindezentrum Künzell unterzukommen.
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350 Menschen mussten wegen der Bombenentschärfung am Rauschenberg evakuiert werden. Nur die wenigsten nahmen das Angebot wahr, im Gemeindezentrum Künzell unterzukommen.

Zehn Stunden ausgesperrt

„Im ersten Moment schockiert“ - Rauschenberg-Evakuierte schildert ihren Tag der Bombenentschärfung

  • Sarah Malkmus
    VonSarah Malkmus
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  • Jana Albrecht
    Jana Albrecht
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350 Leute aus Petersberg mussten am Donnerstag wegen der Entschärfung zweier Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg ihr Zuhause verlassen. Zwei Petersbergerinnen – direkt und indirekt betroffen – berichten von ihren Emotionen an diesem Tag.

Künzell/Petersberg - Mehr als 70 Jahre lang lagen sie unter der Erde des Rauschenbergs aber erst kürzlich hatte man sie im Zuge von Sondierungsarbeiten entdeckt: zwei amerikanische Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Plan war, die Bomben am 1. Dezember, also in knapp drei Wochen, zu entschärfen.

Der Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt hatte die Lage am Mittwochabend jedoch neu bewertet. Das Ergebnis: Wegen „Gefahr im Verzug“ müssen die Bomben sofort entschärft werden. In einem Live-Ticker hatte unsere Zeitung die Maßnahmen am Rauschenberg begleitet.

Fulda: Bombensprengung am Rauschenberg - Evakuierte berichtet

„Beim Thema Kampfmittel bewegen wir uns immer in einem Bereich, der jederzeit überwacht werden muss“, erklärte Sebastian Kircher, Pressesprecher der Gemeinde Petersberg. Änderungen könnten sich zu jeder Zeit ergeben. Daher habe man die Bomben freigelegt. „Und wenn Bomben freigelegt sind, dann müssen sie auch umgehend entschärft werden.“

Den ursprünglichen Planungen für den 1. Dezember zufolge hätten die Menschen, die in einem Radius von 750 Metern um die Bomben herum leben, ihre Wohnungen für die Zeit der Entschärfung verlassen müssen. 1200 Menschen wären betroffen gewesen. Die Freilegung der Bomben habe jedoch ergeben, dass ein Sperrradius von 750 Metern nicht nötig ist. „Erfahrungswerte zeigen, dass die Evakuierung in einem Radius von 600 Metern reicht“, sagte Kircher. Somit reduzierte sich die Zahl der Betroffenen auf 350.

Maria Schneider musste ihr Haus am Rauschenberg verlassen

Eine davon war Maria Schneider. Sie wohnt mit ihrer Familie unterhalb des Rauschenbergs im Buchenweg – und damit im Sperrgebiet. „Am Mittwochabend um neun Uhr hat mein Sohn meinem Mann und mir gesagt, dass die Fliegerbomben schon am Donnerstag entschärft werden sollen“, berichtete die 72-Jährige am Donnerstagvormittag.

Maria Schneider (links) und Hannah Schmitt haben gegenüber unserer Zeitung berichtet, wie sie den Tag der Bombenentschärfung erlebt haben.

Um 9 Uhr mussten die Rentnerin und ihr Mann das Haus verlassen. Auch Maria Schneiders Schwiegertochter, die einen Friseursalon im Erdgeschoss ihres Hauses hat, konnte an diesem Tag nicht öffnen.

„Klar ist man im ersten Moment schockiert, wenn man plötzlich sein Haus verlassen muss“, sagte Schneider, während die Arbeiten am Rauschenberg in vollem Gange waren. Sie fügte hinzu: „Man weiß ja auch nicht, was bei so einer Aktion alles passieren kann.“ Trotz ihrer Sorge war sie optimistisch: „Im Frankfurter Raum wurden ja auch schon einige Bomben entschärft – ich denke, die Experten wissen, was sie tun. Ich hoffe das Beste“.

Anwohnerin hat „mulmiges Gefühl“ - „Als Kind durch diese Wälder gerannt“

Hannah Schmitt war von den Maßnahmen nur indirekt betroffen, da sie an der Grenze zum Sperrgebiet wohnt. Die Entschärfung der Fliegerbomben bereitete der 23-Jährigen dennoch Sorge: „Man hat schon ein mulmiges Gefühl, vor allem weil man als Kind auch durch diese Wälder gerannt ist – und das auch abseits der Wege“, sagte sie am Donnerstagvormittag.

Anders als Schmitt hatte Schneider ihr Haus verlassen müssen. Das Angebot der Gemeinde Künzell nahm sie jedoch nicht an. Denn, so berichtete die Rentnerin am Donnerstagvormittag: „Ich hatte mir vorgenommen, den Tag mit Einkaufen zu verbringen, später wollte ich zu Freunden gehen.“

Bomben-Einsatz am Rauschenberg: Evakuierte konnten nach zehn Stunden wieder nach Hause

Wenn die 72-Jährige am Abend immer noch nicht nach Hause hätte gehen können, wären sie und ihr Mann bei Verwandten untergekommen. Offenbar hatten die meisten der Evakuierten ähnliche Möglichkeiten. Denn im Gemeindezentrum Künzell, das auf eine dreistellige Zahl an Menschen vorbereitet war, befanden sich nach Angaben der Gemeinde Petersberg am Vormittag lediglich sechs Personen.

Mehr als zehn Stunden später war die Erleichterung groß: „Wir haben es geschafft“, verkündete Kircher gegen 19.30 Uhr erfreut. „Die zweite Bombe ist erfolgreich gesprengt.“ Weniger später konnten Schneider und die anderen rund 350 Evakuierten wieder nach Hause.

Auch Landrat Bernd Woide (CDU) zeigte sich glücklich, die jahrelange Gefahr nun gebannt zu wissen. Er betonte, dass es nun wichtig sei, abzuwarten, bis das Waldstück freigegeben ist.

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