Pontifikalamt am Domplatz

500 Gläubige feiern Bonifatiusfest in Fulda: Bischof Gerber spricht von doppelter Herausforderung für Kirche

500 Gläubige haben am Sonntag auf dem Domplatz in Fulda das Bonifatiusfest gefeiert. Während des Pontifikalamts sprach Bischof Dr. Michael Gerber über die Neugestaltung der Kirche.

Fulda - „Was hat uns Bonifatius heute zu sagen? Wie entwickelt sich die Kirche nach der Corona-Pandemie weiter und auf welchen Wegen erreicht die Botschaft des Glaubens die Menschen von heute?“ Bischof Dr. Michael Gerber erinnerte zum Bonifatiusfest in Fulda an den apostolischen Auftrag der Kirche, zu dessen Erfüllung von Zeit zu Zeit eine Neugestaltung der Form nötig ist. Das geht aus einer Pressemitteilung des Bistums Fulda hervor.

Die Kirche, sagte Bischof Gerber, sei „die Kammer für das Salz der Erde“: Eine Formulierung aus dem Bonifatius-Musical, das zwei Jahre zuvor an selber Stelle neu aufgeführt wurde. Das Salz der Erde frage nicht primär nach dem Selbsterhalt, betonte er. „Vielmehr muss die Frage sein: Was brauchen Menschen an Inspiration, an Begleitung, an Austausch, an Gebet, um Salz der Erde zu sein?“

Fulda: 500 Gläubige feiern Bonifatiusfest auf dem Domplatz

Der Auftrag der Kirche sei es, Menschen neu mit der Botschaft des Glaubens in Beziehung zu bringen, betonte Gerber. Sie stehe dabei vor einer doppelten Herausforderung: Den furchtbaren Erfahrungen von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt, die es aufzuarbeiten gilt, und einer säkularen Gesellschaft, mit der es weder Bonifatius, noch Paulus oder andere große Gestalten der Kirchengeschichte bisher zu tun hatten. (Lesen Sie auch: Bischof Michael Gerber aus Fulda sieht „Kirche in einem armseligen Zustand“)

Rund 500 Gläubige feierten am Sonntag das Bonifatiusfest auf dem Fuldaer Domplatz.

Die Menschen von heute – selbstbewusst und eigenständig, aufgeklärt und mit einem hohen Empfinden für Gerechtigkeit – erwarten ganz andere Antworten auf ihre Fragen, so der Bischof von Fulda: „Antworten, die noch keiner vor uns geben musste.“

Einschränkungen durch Corona

Wegen der Corona-Pandemie wurde das Bonifatiusfest in anderem Rahmen als üblich geplant: Neben dem Pontifikalamt mit Bischof Dr. Michael Gerber, Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez und Bischof em. Heinz Josef Algermissen standen auch eine Jugendvigil am Vorabend, Wallfahrtsmessen mit Domdechant Prof. Dr. Werner Kathrein und dem Generalvikar des Bistums Fulda, Prälat Christof Steinert, sowie ein Familiengottesdienst mit Domkapitular Thomas Renze und eine Eucharistiefeier für Kommunionkinder mit Bischof Gerber auf dem Programm.

Die Kirche stehe darum vor einer entscheidenden Weichenstellung, betonte Gerber: „Nehmen wir den unbequemen Diskurs mit den Fragen der Menschen unserer Tage an und gehen wir damit das Risiko ein, dass sich die Gestalt unserer Kirche verändert?“

Fuldas Bischof Gerber: Bonifatius verbittert nicht und bleibt offen

Auch Bonifatius stößt seinerzeit – wenn auch unter anderen politischen und gesellschaftlichen Umständen – an Grenzen: „Aber er verbittert nicht und bleibt offen für neue Formen und Wege“, so der Bischof von Fulda: „Es gelingt ihm, immer wieder seinen Auftrag beim Wort zu nehmen und den Glauben kraftvoll zu verkünden.“

Rund 500 Gläubige feierten am Sonntag das Bonifatiusfest auf dem Fuldaer Domplatz.

Dabei gelte es auch, vieles loszulassen, unterstrich Gerber: „So, wie Bonifatius seine englische Heimat, sein Kloster und seine Familie losgelassen hat.“ Er warnte aber vor allzu schnellen und allzu einfachen Antworten: Der Verzicht auf caritatives Engagement etwa könne keine Lösung sein. Dies gehöre schließlich von Anfang an zum Wesen der Kirche. (lio)

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