Blick in einen Raum der Fuldaer Franziskaner-Bibliothek. Unser Fotograf Rolf Herchen veröffentlichte die Aufnahme im Jahr 2001 in seiner Bilderserie „Ansichten“.
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Blick in einen Raum der Fuldaer Franziskaner-Bibliothek. Unser Fotograf Rolf Herchen veröffentlichte die Aufnahme im Jahr 2001 in seiner Bilderserie „Ansichten“.

Historische Werke

Franziskaner-Bibliothek: bookfarm stoppt Verkauf der Altbestände - Zusammenarbeit mit Arbeitskreis in Fulda

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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„Wir arbeiten proaktiv mit der Arbeitsgruppe zusammen, die in Fulda nach dem Verkauf der Franziskaner-Bibliothek gebildet wurde.“ So beschreibt Sebastian Seckfort (39), Inhaber des Antiquariats bookfarm in Löbnitz, die Situation.

Fulda/Löbnitz - bookfarm hatte im Frühjahr 2020 die rund 150.000 Bände umfassende Bibliothek der früheren thüringischen Franziskanerprovinz gekauft. Das Bekanntwerden dieser Aktion Ende Dezember 2020 hatte in der Region Aufsehen erregt. Seitens der Stadt Fulda, die von dem Schritt keine Kenntnis hatte, wurde ein Arbeitskreis gebildet, der sich um zu klären, ob für Fulda wichtige Bücher mit verkauft wurden und gegebenenfalls wieder erworben werden können. Die Leitung des Gremiums liegt beim Chef des Kulturamts, Dr. Thomas Heiler. Zum Gerüchten nach bei 30.000 Euro liegenden Kaufpreis wollte Seckfort nicht Stellung nehmen.

Er habe mit Heiler bereits Kontakt gehabt, berichtet Seckfort. Angesichts der Bemühungen aus Fulda, zumindest Teile des Bestands wieder in die Region zu holen, habe bookfarm den Verkauf der Altbestände das sind vor 1850 erschienene Werke – gestoppt.

Fulda: bookfarm stoppt Verkauf der Altbestände der Franziskaner-Bibliothek

Von den wertvollen historischen Werken aus der Franziskanerbibliothek sei noch nicht viel verkauft, so der Antiquar. „Es ist durchaus nicht so, dass die Werke in alle vier Himmelsrichtungen verstreut wären“, betont er. Vor allem Werke aus dem 20. Jahrhundert seien bislang in den Verkauf gegangen. (Lesen Sie hier: Bibliotheksverkauf: Franziskaner Orden weist Kritik zurück - „Nur 14 Prozent der Bestände waren historische“).

Um ein Prüfen und Bewerten des Bestands auch in Corona-Zeiten zu ermöglichen, sei man bei bookfarm derzeit dabei, sämtliche Bücher des Altbestands zu fotografieren und diese Bilder jeweils Buchrücken und Titelblatt – der Fuldaer Arbeitsgruppe zur Verfügung zustellen. So könne man gegebenenfalls wichtige Titel und Bücher mit für Fulda wichtiger Herkunft identifizieren. Dies tue man „exklusiv für Fulda“. Die Arbeitsgruppe sei über diese Schritte unterrichtet.

bookfarm-Chef Sebastian Seckfort.

Franziskaner-Bibliothek: Um die 20.000 Bände des historischen Bestands könnten relevant sein

Seckfort betont, bookfarm für in das „Aufschließen“ des Bestands eine Menge an Aufwand betrieben und rund 100.000 Euro investiert. Dazu habe beispielsweise gehört, den Zettelkatalog zunächst zu scannen und dann mehreren Schritten unter Nutzung von Spezial-Software in mehreren Schritten zu digitalisieren, um ihn schließlich in eine Excel-Liste zu übertragen.

bookfarm arbeite nahezu ausschließlich mit Bibliotheken in Deutschland, der Schweiz und Österreich zusammen. Das Unternehmen verstehe sich als Dienstleister und unterstützte die Einrichtungen insbesondere beim Aussondern und Aktualisieren, aber auch beim Auflösen ihrer Bestände. So sei auch der Kontakt zu den Franziskanern zustande gekommen.

Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld dankt Bürger, die Werke erwerben wollten

Der Verkauf war auch Thema im Kulturausschuss der Stadt Fulda. Dort sprach Kulturamtschef Heiler davon, dass um die 20.000 Bände des historischen Bestands relevant sein könnten. Etwa 100.000 Bücher seien „normale Gebrauchsliteratur“. Die Vorsichtungen anhand der Excel-Tabellen seien aber schwierig: So könnten beispielsweise Bücher wichtige Schenkungen sein oder Widmungen von prominenten Personen enthalten. Er unterstrich, dass eine Bibliothek mehr sei als seine Einzelteile. Daher soll der gesamte Bestand für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden, indem sie digitalisiert wird.

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) betonte erneut, dass die Stadt von dem Verkauf nichts gewusst habe. Er bedankte sich bei Bürgern, die sich zahlreich gemeldet hätten, um selbst Werke zu erwerben. Nun sei es sinnvoll, dieses Engagement „zu bündeln“, um „unkoordinierte Anfragen“ an das Antiquariat zu vermeiden.

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