Alle Teilnehmer willkommen

„Ninja Warrior“ Samuel Faulstich schraubt Routen - Boulder Bundesliga im „Block Barock“ gestartet

  • Ann-Katrin Hahner
    VonAnn-Katrin Hahner
    schließen

Besucher standen am Freitag bei der Boulder-Halle „Block Barock“ vor verschlossenen Türen. Der Grund für die kurzzeitige Schließung dürfte die Herzen von Kletter-Fans aber höher schlagen lassen: Ab Samstag, 18. Dezember, richtet das Team den sechsten Spieltag der Boulder-Bundesliga aus.

Fulda - „Die könnte ein bisschen zu schwer sein“, sagt Samuel Faulstich. Der Mitgründer der Boulder-Halle „Block Barock“, der Fans der RTL-Sendung „Ninja Warrior“ bekannt sein dürfte, mustert Freitagmittag nachdenklich eine der Hallenwände. Sein Kommentar bezieht sich auf die drei Griffe vor ihm, die am Ende des Tages eine eigene Kletter-Route bilden sollen. Bis auf die drei Griffe ist die Wand bislang komplett leer.

Der Schrauber testet selbst: Samuel Faulstich versucht sich an einer der Bundesliga-Routen im „Block Barock“

Im Kopf geht der 26-Jährige die einzelnen Stationen der noch unfertigen Route durch, überlegt, ob die Abstände passen, ob die ausgewählten Griffe die Bewältigung des Boulders, so nennt man auch eine einzelne Kletter-Route im Wettkampf, für die Kletterer einfacher oder vielleicht zu schwer machen und setzt dann selbst zum Klettern an, um das Niveau des Problems zu bestimmen (lesen Sie auch hier: „Ninja Warrior Allstars“ (RTL): Alexander Wurm wieder fehlerlos? Samuel Faulstich aus Fulda ist zurück).

Boulder-Bundesliga im „Block Barock“ - „Ninja Warrior“ Samuel Faulstich schraubt die Routen

Denn am Samstag muss alles passen. Dann richtet das „Block Barock“ den sechsten Spieltag der Boulder-Bundesliga aus und darf Teilnehmer aus ganz Deutschland begrüßen. „Es hat uns sehr gefreut, dass wir den sechsten Spieltag ausrichten dürfen und es ist auch der erste Wettkampf, der in unserer Halle stattfindet“, sagt Faulstich nicht ohne Vorfreude. Die Boulder-Halle hatte im vergangenen Jahr geöffnet und musste sich inmitten der Corona-Pandemie behaupten.

Etwa 150 einzelne Kletterelemente haben Faulstich und seine Mitstreiter am Donnerstagabend von den Wänden geschraubt, gereinigt und getrocknet. Am Freitag blieb das „Block Barock“ dann den ganzen Tag geschlossen, damit auf den beinahe leeren Wänden die 15 Routen entstehen können, an denen sich die Teilnehmer in der 1., 2. und 3. Boulder-Bundesliga für Herren und Damen versuchen wollen. Die Arbeiten sollten laut Faulstich bis in den späten Abend andauern.

1. bis 3. Bundesliga - Zwei Tage wird im „Block Barock“ geschraubt und gewerkelt

Das Schrauben der Boulder erfordert ein großes Maß an Kreativität, denn eine Art Handbuch gibt es nicht. „Für den Kopf ist es schwierig, denn die Routen werden für die Bundesliga nicht vorgegeben. Man lässt da die Erfahrung einfließen, die wir über Jahre gesammelt haben“, erklärt Faulstich, selbst passionierter Kletterer. „Für mich ist das eine sehr künstlerische Tätigkeit. Die Griffe müssen auch optisch zueinander passen. Das ist fast so, als würde man ein Bild an die Wand bringen.“

Alles muss passen: Das Team vom „Block Barock“ schraubt die 15 Bundesliga-Routen selbst.

Doch nicht nur der Kopf der sieben Schrauber wurde am Freitag gefordert: Jede der neuen Routen wird zwischendurch ausprobiert, immer wieder angepasst und schlussendlich vom Team komplett geklettert. „Deshalb fangen wir morgens mit dem Schrauben der schweren Routen an. Dann ist genügend Kraft da“, so der ehemalige Teilnehmer von „Ninja Warrior“. (Lesen Sie hier: Das große Finale von „Ninja Warrior“ - Verfolgen Sie die Wettkämpfe im Live-Ticker)

Samuel Faulstich: „Für mich ist das eine sehr künstlerische Tätigkeit“

Ein großer Aufwand, der den Teilnehmern - es haben sich bereits Starter aus München, Hamburg und Berlin angekündigt - über sechs Wochen, also bis zum 6. Februar, Freude und Herausforderung zugleich sein soll. In diesem Zeitraum können erfahrene Bundesliga-Kletterer aber auch Amateursportler im „Block Barock“ vorbeischauen und sich an den Kletter-Problemen in Fulda versuchen.

Der ehemalige „Ninja-Warrior“-Teilnehmer Samuel Faulstich und und sein Team testen im Anschluss an die Schraubarbeit alle Routen selbst.

Voraussetzungen für eine Teilnahme an der Bundesliga, wie eine Vereinszugehörigkeit oder einen Platz in der Deutschen Rangliste, gibt es nicht. „Klettern oder Bouldern ist allgemein ein offener Sport. Dadurch gibt es keine Hürden, die eine Teilnahme erschweren würden.“ Andernfalls, so Faulstich, würden wohl viele Amateure eine Teilnahme scheuen - und damit das Bouldern gar nicht erst für sich entdecken.

Die Boulder-Bundesliga

Die Wettkampfzeit der „Techniker Boulder Bundesliga“, welche die 1., 2. und 3. Liga der Männer und Frauen beinhaltet, erstreckt sich über das ganze Jahr und macht während dieser Zeit in zehn Boulder-Hallen in ganz Deutschland Halt. Teilnehmen kann jeder ab 7 Jahren. Um sich für den Endwettkampf, der im Juni 2022 stattfinden soll, zu qualifizieren, müssen sich Teilnehmer unter den besten 100 Startern ihrer Liga platzieren. Dazu müssen sie möglichst viele Punkte sammeln, die sie durch die Bewältigung der einzelnen Routen in den unterschiedlichen Hallen erhalten. Ein Boulder ist dabei jeweils einen Punkt wert. Bewältigt man einen Boulder gleich mit dem Anfangsversuch (sogenannter „Flash“) wird man mit 1,2 Punkten belohnt. Schafft man eine Route nicht, erreicht aber wenigsten den „Zonengriff“, der sich etwa auf der Hälfte der Strecke befindet, erhält man immerhin noch 0,3 Punkte.

Die Bewertung erfolgt übrigens auf Vertrauensbasis: Jeder Teilnehmer trägt seine Ergebnisse nach Bewältigung des Spieltags selbst online auf der Seite der Bundesliga (boulder-bundesliga.de) ein. „By fair means“ ist ein Grundsatz der Kletter-Ethik. Es gehört zum Selbstverständnis der Sportart nicht zu betrügen. Anmeldungen sind unter boulder-bundesliga.de möglich. Alles wichtige über die Hallenregeln ist zudem auf block-barock.de zu finden.

Rubriklistenbild: © Ann-Katrin Hahner

Das könnte Sie auch interessieren