Justitia mit ihrer Waage
+
Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Bewährungs- und einer Geldstrafe. (Symbolbild)

Brandstiftung in Fulda

Vor Gericht: Angeklagter gibt zu, im Keller eines Mehrfamilienhauses Feuer gelegt zu haben

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
    schließen

Erst legte er Feuer, dann legte er sich schlafen: Es hört sich befremdlich an, was ein 27-Jähriger Ende 2018 getan hat. Drei Mal zündelte er im Keller eines Mehrfamilienhauses in Fulda, in dem auch er wohnte. Vor dem Amtsgericht Fulda ist er dafür am Dienstag zu sechs Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 1000 Euro verurteilt worden.

  • Vor dem Fuldaer Amtsgericht wurde heute der Fall eines 27-Jährigen verhandelt
  • Der Angeklagte soll in einem Haus im Horaser Weg mehrfach Brände gelegt haben
  • Das Gericht urteilte mit einer Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe in Höhe von 1000 Euro

Fulda - „Wir hatten wahnsinniges Glück, dass nicht mehr passiert ist. Mehr Glück als Verstand“, fasst der Miteigentümer des Mehrfamilienhauses im Horaser Weg zusammen, der vor Gericht als Zeuge aussagt. In dem Gebäude leben 25 bis 30 Personen in 20 Apartments. Im Keller hat es Ende 2018 – am 4. November sowie am 9. und 22 Dezember – drei Mal gebrannt. Es war Brandstiftung. Der Täter: ein heute 27-jähriger früherer Bewohner des Hauses. Er hat Abitur gemacht und Soziale Arbeit in Fulda studiert, das Studium aber abgebrochen und stattdessen eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann begonnen.

Wer den Mann vor Gericht sieht und hört, wie er sein Verhalten selbst beobachtet und analysiert, dem kommt eine Erkenntnis in den Sinn: Man sieht es den Menschen nicht an, zu was sie fähig sind. Auch der 27-Jährige kann sich nicht erklären, warum er die Brände gelegt hat. „Sämtliche Taten habe ich begangen“, er räuspert sich und ergänzt: „ich weiß wirklich nicht, was mich da geritten hat.“

Brandstifter im Horaser Weg: Den Feuerwehreinsatz bekam er nicht mit

Die Vorfälle passierten immer in den frühen Morgenstunden, nachdem der Beschuldigte zuerst gearbeitet hat und dann mit Freunden feiern war. Immer war auch Alkohol im Spiel, manchmal mehr, manchmal weniger. Aber nie so viel, dass eine verminderte Steuerungsfähigkeit vorliegen würde.

Erst legte er Feuer, dann legte er sich schlafen.

„Ich bin früh morgens nach Hause gelaufen und habe dann immer noch eine Zigarette vor der Hintertür geraucht“, sagt der 27-Jährige. Als er am 4. November 2018 anschließend durch den Keller ins Haus geht, zündet er den Karton an, in dem die Bewohner Papier sammeln und legt sich schlafen. Nur durch Zufall wird der Brand rechtzeitig von zwei Frauen entdeckt, die ebenfalls um die Zeit nach Hause kommen. „Am nächsten Tag sah ich, was ich angerichtet hatte. Dass die Feuerwehr im Einsatz war, habe ich gar nicht gehört.“

Hauseigentümer hätte ihm die Brandstiftung nicht zugetraut

Fünf Wochen später verläuft der Abend ähnlich. Dieses Mal kokelt er am Sitz eines Fahrrads, das im Keller des Hauses abgestellt ist. Auch diesmal wird das Feuer rechtzeitig entdeckt. Wie schon beim ersten Mal entsteht eher geringer Sachschaden. Doch die Polizei ist alarmiert und installiert eine Überwachungskamera.

Als der heute 27-Jährige kurz vor Weihnachten 2018 erneut zündelt, dieses Mal draußen an den Mülltonnen, kommen die Beamten ihm auf die Schliche. Durch den Brand entsteht ein Sachschaden von 1000 Euro.

„Er gehört zu den Letzten, denen ich das zugetraut hätte. Ich kenne ihn jetzt seit sieben Jahren, und es gab nie Probleme“, erklärt der Hauseigentümer. Inzwischen wohnt der Angeklagte nicht mehr im Gebäude, beim Auszug habe er sich aber bei dem Miteigentümer entschuldigt. „Die Worte kamen mir aufrichtig vor“, erinnert sich der Zeuge.

Brandstiftung im Horaser Weg mehr als normale Sachbeschädigung

Auch am Ende der Verhandlung betont der Angeklagte, dass ihm die Taten leidtun. „Wenn ich es ungeschehen machen könnte, würde ich es tun. Ich wollte nie jemandem schaden. Mir war die Tragweite nicht bewusst.“

Richter Ulrich Jahn verurteilt den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 1000 Euro, die an den Kinderschutzbund gezahlt werden muss, und zu sechs Monaten Haft auf Bewährung – und zwar wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung, nicht wegen schwerer Brandstiftung. Der Grund: Es fehlen Hinweise für eine schwere Brandstiftung. Diese liegt zum Beispiel vor, wenn „wesentliche Bestandteile eines Gebäudes“ in Brand gesteckt werden. „Die Versorgungsleitungen, die angekokelt wurden, zählen dabei nicht als wesentlicher Bestandteil des Gebäudes“, erörtert Jahn. Der Forderung des Pflichtverteidigers Knut Hillebrand, der als Strafmaß 90 Tagessätze für ausreichend hält, konnte Jahn nicht nachgeben: „Es ist mehr als eine normale Sachbeschädigung. So eine Tat kann das Sicherheitsgefühl der Bewohner beeinträchtigen. Auch wenn der Schaden immer eher gering war, kann dennoch das Gefühl aufkommen: Der Feuerteufel rückt uns auf den Leib.“

Die Staatsanwaltschaft plädiert auf sieben Monate auf Bewährung und eine Geldstrafe von 1000 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren