Ein 28-Jähriger muss sich wegen Brandstiftung und versuchten Mords vor dem Landgericht Fulda verantworten. Er soll 2016 auf dem Campingplatz in Hosenfeld zwei Wohnwagen angezündet haben.
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Ein 28-Jähriger muss sich wegen Brandstiftung und versuchten Mords vor dem Landgericht Fulda verantworten. Er soll 2016 auf dem Campingplatz in Hosenfeld zwei Wohnwagen angezündet haben.

Feuer auf Campingplatz

Prozess wegen Brandstiftung und versuchten Mords - Landgericht Fulda hört zwei Polizisten als Zeugen

  • Hanna Wiehe
    vonHanna Wiehe
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Ein 28-Jähriger soll im Mai und Juni 2016 Feuer auf dem Campingplatz in Hosenfeld gelegt haben. Der Mann ist wegen Brandstiftung und versuchten Mordes angeklagt. Vor dem Landgericht Fulda sind am Montag zwei weitere Polizisten als Zeugen in dem Fall gehört worden.

Fulda/Hosenfeld - Auch am dritten Verhandlungstag versuchte sich die Kammer am Landgericht Fulda unter Vorsitz von Richter Josef Richter ein Bild davon zu machen, wie es zu den beiden Bränden gekommen war. Das erste Feuer war in der Nacht auf den 20. Mai 2016 auf dem Campingplatz in Hosenfeld ausgebrochen – an einem Wohnwagen, in dem ein Mann schlief. Der Besitzer wurde von einem anderen Camper geweckt, das Feuer konnte gelöscht werden. Der zweite Brand brach in der Nacht auf den 10. Juni aus. Niemand wurde verletzt, es blieb bei Sachschäden im Wert von etwa 50.000 Euro. Der 28-Jährige ist wegen Brandstiftung und versuchtem Mord angeklagt.

Einer der Polizeibeamten, die gestern befragt wurden, hatte nach dem zweiten Brand den Wohnwagen des Angeklagten durchsucht – was er nicht gedurft hätte, wie sich später herausstellte. Denn ein richterlicher Beschluss lag nicht vor. Er habe angenommen, dass der Angeklagte den Wohnwagen aufgegeben habe, erklärte der Polizist. Das sei ihm vom Campingplatz-Besitzer bestätigt worden, der bei der Durchsuchung dabei gewesen sei. Der Wagen habe vermüllt ausgesehen, sei unverschlossen gewesen, persönliche Gegenstände hätten gefehlt.

Polizist: Suizidgefahr stand im Raum - Angeklagter im Klinikum Fulda untersucht

Der Polizist berichtete auch davon, den Angeklagten nach den Taten befragt und mit ihm in regelmäßigem Kontakt gestanden zu haben. Etwa eine Woche nach dem Brand im Juni sei er mit dem 28-Jährigen im Klinikum Fulda gewesen, damit dieser sich dort beim Psychiatrischen Dienst untersuchen ließ. Denn eine Suizidgefahr habe im Raum gestanden.

Hintergrund für den Termin im Klinikum war ein „Brandplan“, den der Sohn des Campingplatz-Besitzers bei dem 28-Jährigen gefunden hatte. Darauf sind Aufgaben vermerkt und Daten, wann diese zu erledigen sind. Der Plan lese sich wie ein Einkaufszettel, berichtete der Polizist gestern – es könne aber auch ein Hinweis auf eine Suizidgefahr sein.

Der Angeklagte habe der Untersuchung am Klinikum zugestimmt, berichtete der Zeuge. Die Ärztin habe den 28-Jährigen begutachtet, eine Behandlung aber abgelehnt. Weil die Untersuchung unter vier Augen stattfand und der Angeklagte die Medizinerin nicht von ihrer Schweigepflicht entband, konnte der Zeuge gestern keine weitergehenden Angaben dazu machen. Aber: Als die Ärztin ihn nach den Feuern befragte, habe der Angeklagte die Taten weder bestätigt noch bestritten. Sie habe im Gespräch mit dem Polizisten erklärt: Wenn der Angeklagte es nicht gewesen wäre, hätte er sich anders verhalten.

Prozess wegen Brandstiftung und versuchten Mords - Angeklagter wohl in Therapie

Dass die Ärztin seine Behandlung abgelehnt habe, habe der 28-Jährige „nicht gut“ gefunden, berichtete der Zeuge. Der Angeklagte habe nicht gewusst, wie es weitergehen solle; eine Behandlung habe er für dringend nötig gehalten. Der Zeuge erklärte, sein letzter Stand sei jedoch gewesen, dass er einen Therapieplatz im Vogelsberg bekommen habe.

Da der Polizist das Opfer im ersten Brandfall vernommen hatte, ging es bei seiner Befragung auch um diese Tat – und darum, wo genau Grillanzünder gefunden worden waren. Das Opfer hatte am ersten Verhandlungstag angegeben, der Angeklagte habe Grillanzünder an mehreren Ecken angezündet und einen davon durch ein gekipptes Fenster des Wohnwagens geworfen. Weil unter diesem Fenster eine Wasserkiste stand, habe sich der Schaden in Grenzen gehalten.

Das Gericht möchte am nächsten Verhandlungstag einen Brandsachverständigen hören. Verteidiger Knut Hillebrand hat überdies angekündigt, dass es eine Einlassung seines Mandanten geben werde. Bislang hatte der Mann zu der Anklage wegen Brandstiftung und versuchten Mordes geschwiegen. Mit Psychiater Dr. Helge Laubinger, der das Verfahren als Gutachter begleitet, will dieser jedoch nicht sprechen. Der Prozess wird am Mittwoch, 24. März, um 10 Uhr fortgesetzt.

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