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Ein Jahr nach dem Brexit: Diese Folgen spüren regionale Unternehmen

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Von: Daniela Petersen

Brexit
Rund ein Jahr ist der finale Brexit nun schon her. Vor allem Spediteure spüren die Folgen. (Symbolbild) © Olivier Hoslet/dpa

Vor einem Jahr hat Großbritannien die EU-Zollunion und den Binnenmarkt verlassen. Die Befürchtungen waren groß, dass sich der Brexit negativ auf die Wirtschaft in Fulda auswirkt. Vor allem Spediteure spüren die Folgen.

Fulda - „Die Handelsbeziehungen sind zwar nicht schlechter geworden, wurden aber verkompliziert. Ansonsten hat die heimische Wirtschaft nach meinem Empfinden keine wesentlichen Nachteile erlitten“, erklärt Martin Räth, Abteilungsleiter International bei der Industrie- und Handelskammer in Fulda.

Ab und zu würden sich Unternehmen über Verzögerungen bei der Lieferung beklagen. „Es betrifft vor allem Spediteure und Exporteure, weil Abwicklungen erschwert wurden. Ware, die importiert oder exportiert werden soll, muss durch den Zoll“, sagt Räth. (Lesen Sie hier: Arbeitsmarkt im Kreis Fulda profitiert vom milden Winter - Hoher Personalbedarf)

Fulda: Nach dem Brexit - Diese Folgen spüren regionale Unternehmen

Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), verzeichnete bereits im Sommer 2021 einen Rückgang der Geschäftsbeziehungen im Logistikbereich: Wegen der neuen Zollvergaben würden viele Spediteure auf den Handel mit Großbritannien verzichten. „Das betrifft auch einige kleinere und mittlere Unternehmen, die nach England geliefert haben und das nun nicht mehr tun, weil es immer wieder zu Störungen im Lieferprozess kam“, ergänzt Räth.

Mit dem Handels- und Kooperationsabkommen Ende 2020 seien größere Probleme aber abgewendet worden. Nun war beispielsweise klar, dass Deutsche, die vor dem 31. Dezember 2020 in England beschäftigt waren, ihren Arbeitsstatus behalten und im Land bleiben dürfen. Einige Firmen wie die Jumo oder Hubtex hätten auch weiterhin Niederlassungen in Großbritannien, sagt Räth. „Es gibt aber Firmen und Banken, die den Standort aufgegeben und in die EU verlagert haben.“

Das Fuldaer Unternehmen Jumo hat in England eine eigenständige Tochtergesellschaft. „In dieser werden zum einen Temperaturfühler hergestellt und zum anderen Jumo-Produkte aus Fulda vertrieben – beides ausschließlich für den dortigen lokalen Markt“, erklärt Pressesprecher Michael Brosig. Da die Tochtergesellschaft mit rund zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern personell und auch umsatzmäßig zu den kleineren Jumo-Töchtern gehöre, habe der Brexit bislang „keine nennenswerten Auswirkungen in Bezug auf die Logistik, die Kosten oder die Umsatzentwicklung“.

Die Spedition Zufall spürt hingegen die Auswirkungen des Brexit: Bei der Auftragslage habe es leichte Einbußen gegeben. Gravierender seien die Hürden durch den Zoll: „Der schnelle, geräuschlose Warenfluss ist nicht mehr gewährleistet. Waren stehen manchmal wochenlang in unserer Umschlagshalle, weil wir auf Formulare vom Zoll warten“, erklärt Michael Hamperl, Niederlassungsleiter bei Zufall.

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Das stelle Zufall mitunter vor Platzprobleme. Und auch die Kunden müssen länger warten, bis die bestellten Produkte eintreffen. „Das Ganze ist bürokratisch aufgebläht und kostenintensiv.“

Auch Engelbert Strauss spürt die Probleme beim Zoll. Das Unternehmen vertreibt Berufsbekleidung, hat eine Produktionsstätte am Distelrasen (Main-Kinzig-Kreis), beschäftigt rund 1400 Mitarbeiter und ist eines der größten Onlinehändler in Deutschland. Eine Unternehmenssprecherin erklärt zum Thema Brexit: „Strauss exportiert auch künftig nach Großbritannien, hat hierbei aber natürlich höhere bürokratische Hürden zu überwinden, da für den Warenverkehr nun umfangreiche Zollbestimmungen und weitere Formalitäten zu beachten sind. Das kostet uns derzeit vor allem Zeit.“

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