Abfalldeponie südlich von Bronnzell
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Wenn die Abfalldeponie südlich von Bronnzell saniert wird, wie von der Stadt Fulda beabsichtigt (linker Plan), befürchten Andrea Breitenbach (von links) und Ulrich Jehn sowie Alice, Alexandra und Matthias Klemens Auswirkungen für den Stadtteil – sie bevorzugen eine zweite, ebenfalls genehmigte Variante (rechter Plan).

Alternative Planung

Sanierung der Abfalldeponie in Bronnzell: Anwohner befürchten langfristige Folgen

  • Andreas Ungermann
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Die geplante Sanierung der ehemaligen Abfalldeponie bei Bronnzell sorgt weiterhin für Unmut. Richtete sich eine Unterschriftenaktion zunächst gegen das Abkippen von belastetem Erdmaterial, so befürchten direkte Anwohner langfristige Folgen der Sanierung für den Ort.

Bronnzell - 9 bis 13 Meter, je nach Standort, soll der Erdhügel hoch werden, mit dem die einstige Abfalldeponie am Südrand von Bronnzell (Kreis Fulda) versiegelt werden soll. Auf dem dortigen Lagerplatz der Firma Wende Erdbau hat deren Geschäftsführer Matthias Klemens ein Gerüst errichtet, das diese Höhe symbolisieren soll. Würde die Deponiesanierung so umgesetzt, wie die Stadt Fulda sie plant, würden er und seine Nachbarn künftig gegen einen Erdwall schauen. „In den ersten Darstellungen sah das noch harmlos aus, aber das wird ein riesiger Haufen“, sagt der Bronnzeller.

Klemens und seine Nachbarn fürchten jedoch nicht allein den Anblick des Hügels, sondern auch, dass von diesem langfristig eine Gefahr ausgeht. „Das Hauptproblem sind die Erdmassen von 20.000 bis 30.000 Kubikmetern beziehungsweise rund 50.000 Tonnen Fremdmaterial, die angekarrt werden müssten“, schätzt der Bauingenieur. (Lesen Sie hier: 400 Unterschriften gesammelt: Sanierung der Abfalldeponie sorgt für Unmut)

Fulda: Deponie-Sanierung - Anwohner befürchten langfristige Folgen

Er fügt hinzu: „Für die von der Stadt geplante Erdaufschüttung reicht nämlich der Aushub aus dem circa drei Meter tiefen Graben, mit dem der Hügel an das Gelände angeschlossen werden soll, nicht aus.“ Aber die Aufschüttung mit kontaminiertem Erdaushub – sogenanntem Z1- und Z2-Material – sei wohl lukrativ für die Stadt Fulda, vermuten die Anwohner.

Weil die etwa 1,5 Meter hohe oberste Deckschicht des Hügels aber aus losem Boden bestehe, befürchten sie, dass dieser bei immer häufiger auftretendem Starkregen durch die Eichenzeller-, die Gottfried-Langenscheidt- und die Fasaneriestraße ins Ortsinnere gespült werden könnte. Denn der 30 Zentimeter tiefe und einen Meter breite Entwässerungsgraben, der sich um den Hügel ziehen soll, fange das Regenwasser nicht allein auf.

Klemens und seine Nachbarn bevorzugen deshalb eine andere Sanierungsvariante, die auch schon diskutiert worden und sogar ebenfalls genehmigt sei. Der Hügel fiele dabei niedriger aus, und der Anstieg beginne weiter im Feld – sprich: weiter entfernt von der Wohnbebauung. Bei dieser Lösung könnte die Firma Wende zudem ihren Lagerplatz am Ortsrand weiterbetreiben, den sie bei der von der Stadt präferierten Lösung aufgeben müsste.

Eine Duldungserklärung habe die Familie Klemens deshalb nicht unterschrieben. Nach langem, nervenaufreibendem Rechtsstreit flatterte jetzt vom RP die Duldungsverfügung ins Haus, was grünes Licht für die Pläne der Stadt bedeutet. „Das heißt praktisch: Wir dürfen unseren Platz zwar behalten, aber bekommen ihn kaputt gemacht“, beklagt Klemens.

Hintergrund

Die Stadt Fulda plant die Sanierung der einstigen Hausmülldeponie in Bronnzell. Diese war 1993 vom Regierungspräsidium Kassel zur Altlast und die Stadt zur „Sanierungsverpflichteten“ erklärt worden. Ziel ist es, „den Eintrag von Schadstoffen aus dem Deponiekörper ins Grundwasser zu unterbinden und den Austritt von Deponiegas so zu regulieren, dass keine Gefährdung für Mensch und Tier ausgeht“.

Die vom RP 2014 genehmigte Planung sehe vor, die Deponie mit einer mineralischen Schicht gegen Oberflächenwasser abzudichten und die Ableitung von Deponiegasen durch ein „Gasfenster“ sicherzustellen. Am Ende entstehe über der derzeitig ebenen Deponiefläche ein „moderater Hügel“, dessen Flanken eingegrünt sind.

Die Arbeiten sollen im Frühjahr 2022 beginnen und werden laut Stadt 12 bis 18 Monate dauern. Eine Abweichung von den Plänen sei nicht zu erwarten und die Sanierung mittels Abdichtung und Gasdrainage alternativlos.

Die Stadt rechnet mit einer Erhebung von 9 bis 13 Metern. Für die Anlieferung des Fremdmaterials zur Aufschüttung sei mit 10 bis 15 Lkw-Anfahrten je Arbeitstag zu rechnen. Hinzu kämen Fahrzeugbewegungen auf dem Gelände.

Besonders ärgerlich sei das, weil die von ihm bevorzugte, flachere Alternative vom RP genehmigt und für die Anlieger weniger bedrohlich sei. Die Stadt Fulda hatte gegenüber unserer Zeitung im September erklärt, die gewählte Variante sei erprobt und garantiere einen Erfolg. Zur Abdichtung und Gasdrainage bestehe keine Alternative. Auch mit einer Änderung der Planung sei nicht mehr zu rechnen, hieß es aus der Stadtverwaltung.

Bei der Wahl des Verfahrens sei die Stadt, die dafür zu sorgen habe, dass keine dauerhaften Gefahren, Nachteile oder Belästigungen von den einstigen Deponien für Siedlungs- und Gewerbeabfälle ausgehen, grundsätzlich frei, sagt das RP. Genehmigt ist laut Regierungspräsidium Kassel indes nicht allein das Vorhaben der Stadt, sondern – so bestätigt die Behörde – auch die von den Anwohnern präferierte Variante zur Oberflächenabdeckung dürfte umgesetzt werden.

Video: Müll bis zum Horizont: Schwimmende Deponie im Fluss Iskar

„Die von der Stadt Fulda vorgelegte Sanierungsplanung sieht grundsätzlich eine Sicherung durch Oberflächenabdichtung des ehemaligen Deponiebereichs vor. Im Rahmen dieser Sicherung wurde als Option neben der ausschließlich mineralischen Abdichtung („Erdhügel“) eine weitere Variante betrachtet, die im nördlichen Bereich eine ebene Asphaltdichtung (Lagerplatz) vorsieht, an die sich nach Süden ebenfalls eine mineralische Abdichtung mit entsprechender Geländemodellierung anschließt“, erklärt das RP.

Es merkt allerdings an, dass bei dieser von den Anwohnern vorgezogenen Variante der Hochpunkt der Aufschüttung lediglich nach Süden verschoben und dessen Höhe aufgrund der Topographie sogar rund zwei Meter höher ausfallen würde als im von der Stadt angestrebten Verfahren. Zudem sei in der städtischen Variante nicht mit einer erhöhten Überschwemmungsgefahr zu rechnen, sondern eher mit einer Reduzierung des Abflusses in die öffentliche Kanalisation zu rechnen, so das RP. Grund sei die entstehende Oberfläche mit erhöhter Pufferkapazität. An dieser aber zweifeln die Anwohner.

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