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Brüdergemeinden in Fulda bieten aktuell Hilfe für 122 Ukraine-Flüchtlinge

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Von: Hartmut Zimmermann

Begegnung am Lagerfeuer: Die Brüdergemeinde vom Aschenberg nutzt private Wohnungen und das Gelände des Richtershofs bei Ebersburg, um dort Ukraine-Flüchtlinge unterzubringen.
Begegnung am Lagerfeuer: Die Brüdergemeinde vom Aschenberg nutzt private Wohnungen und das Gelände des Richtershofs bei Ebersburg, um dort Ukraine-Flüchtlinge unterzubringen. © Brüdergemeinde

Der Krieg in der Ukraine bedeutet für die Mitglieder der Brüdergemeinden in Fulda, in denen viele Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion engagiert sind, eine besondere Herausforderung . „Wir arbeiten in zwei Richtungen: für die Flüchtlinge hier und für die Opfer in Osteuropa“, sagt Johann Ens. 

Fulda - Der 44-Jährige leitet die Christliche Brüdergemeinde am Aschenberg in Fulda. Die freikirchliche Gemeinschaft mit rund 500 Mitgliedern leistet vom ersten Kriegstag an Hilfe – ebenso wie die Gemeinde in Kohlhaus. 

Pastor Ens widerspricht der Vorstellung, dass der Angriff der Regierung Putins auf die Ukraine die Gemeinde vor innere Spannungen stelle, weil dadurch für „die Russen“, als die man von außen noch häufig gesehen werde, ein Identitätskonflikt entstehe. Ens betont vielmehr die religiöse Motivation des Handelns in der Gemeinde.

Fulda: Brüdergemeinden bieten aktuell Hilfe für 122 Ukraine-Flüchtlinge

„Wir haben kein Interesse, politische Fragen zu beantworten“, unterstreicht Ens. „Die Politik ist hier im Bethaus kein Thema“, fügt Johann Boschmann, der sich ehrenamtlich in den Hilfsaktionen der Gemeinde engagiert und auch privat eine Flüchtlingsfamilie aufgenommen hat, hinzu. Man versuche, die Entwicklungen aus der Sicht der Bibel zu sehen und sei überzeugt, dass die Probleme nicht mit Waffen und Gewalt zu lösen seien, sagt der 60-Jährige.

„Es gibt nichts, was einen Krieg rechtfertigt“, pflichtet Ens ihm bei. Aber man nehme die Situation eben an, wie sie sei. „Unser wichtigstes Ziel ist es, den Menschen in ihrer Not zu helfen.“ Dazu gehöre neben dem Tun auch, immer wieder für die bedrängten Menschen um Frieden zu bitten und zu beten – auch für Deutschland und für Fulda.

Neben dem Gottvertrauen geht es aber auch sehr konkret ums Zupacken. Denn die Aschenberg-Gemeinde betreut derzeit insgesamt 122 aus der Ukraine geflüchtete Menschen. „Etwa die Hälfte von ihnen sind Kinder“, berichtet Ens. Um sicherzustellen, dass die Begleitung seitens der staatlichen Stellen gewährleistet sei, stehe man im engen Kontakt mit den zuständigen Stellen der Sozialbehörden und des Schulamts.

Rund 50 der Geflüchteten haben Familien aus der Gemeinde wie die von Johannes Boschmann bei sich zu Hause aufgenommen. Etwa 70 Personen haben ihr Quartier im Richtershof in der Gemeinde Ebersburg aufgeschlagen, der der Brüdergemeinde in normalen Zeiten vor allem als Ort für Jugend- und Familientreffen und Ferienveranstaltungen dient.

Pastor Johann Ens (links) und Johann Boschmann von der Gemeinde am Aschenberg.
Pastor Johann Ens (links) und Johann Boschmann von der Gemeinde am Aschenberg. © Hartmut Zimmermann

Auf ihrer Internetseite gibt es inzwischen einen separaten Reiter zum Stichwort „Ukraine“. Dort findet man einen Flyer, der zu Spenden von Lebensmitteln, Kleidung und dergleichen oder auch von Geld, aber auch zum Gebet für die Menschen aufruft. Dass die Menschen gerade bei der Brüdergemeinde um Hilfe bitten, liegt nicht nur an der dort zu findenden großen Zahl auch Russisch sprechender Menschen.

„Die meisten, die zu uns kommen, stammen aus ähnlichen Gemeinden wie der unseren – und die Verbindungen sind viel älter als der Krieg“, erläutert Boschmann. Man habe schon über Jahre die Kontakte gepflegt und die Glaubensgeschwister in der Ukraine unterstützt.

Daher wüssten Menschen auf der Flucht nun, dass sie beispielsweise in Gummersbach oder eben in Fulda auch eine Anlaufstelle finden könnten. Neben der Hilfe für die Ukrainer hier widmet sich die Brüdergemeinde auch der Unterstützung von Menschen in Osteuropa. Zum einen gibt es immer wieder Transporte mit Hilfsgütern an die polnisch-ukrainische Grenze.

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Zum anderen unterstützt die Fuldaer Gemeinde auch Partner in Moldawien. Johann Boschmann hat bereits einen Transport mit Hilfsgütern in das kleine Land im Süden der Ukraine gefahren. Moldawien ist in diesen Wochen durch die große Flüchtlingszahl außerordentlich belastet, weil viele es als erste Station auf der Flucht nutzen.

Mittelfristig sehen Ens und Boschmann es als wichtig an, den Geflüchteten zu helfen, hier erst einmal anzukommen. Gerade für die Familien sei es entscheidend, Wohnungen zu finden, damit sich ihnen gemeinsam neue Perspektiven eröffnen könnten. 

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