Der Chefsessel hinter dem Schreibtisch ist noch der alte, der Bürgermeister darauf aber seit 100 Tagen mit Florian Fritzsch ein neuer.
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Der Chefsessel hinter dem Schreibtisch ist noch der alte, der Bürgermeister darauf aber seit 100 Tagen mit Florian Fritzsch ein neuer.

Wichtige Lektion in Sachen Geduld

Bilanz nach 100 Tagen: Großenlüders Bürgermeister Florian Fritzsch spricht über seine Arbeit

  • Marcus Lotz
    VonMarcus Lotz
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Florian Fritzsch (SPD) hat nach seinen ersten 100 als Großenlüders Bürgermeister Bilanz gezogen. Im Interview sprach der Großenlüderer über eine hohe Schlagzahl, seinen eigenen Chefsessel und eine wichtige Lektion in Sachen Geduld.

Großenlüder - Am Mittwoch war es genau 100 Tage her, als Amtsvorgänger Werner Dietrich Platz für seinen Nachfolger Platz gemacht hatte. Ein Relikt hat er Fritzsch jedoch hinterlassen. „Ich habe mir zwar inzwischen einen neuen gekauft, sitze aber immer noch auf dem Chefsessel meines Vorgängers.“

Nicht nur der Sessel, auch die Rolle des Bürgermeisters in Großenlüder (Fulda) scheint gut zu Fritzsch zu passen: „Während viele sagen: ,Gott sei Dank, endlich Wochenende, die Arbeit ist vorbei‘, sage ich: Ein Glück, das Wochenende ist vorbei, morgen ist wieder Arbeit.‘“ Bereits um 6.15 Uhr ist Fritzsch für gewöhnlich im Büro. „Ich arbeite dann erst einmal ab, was an Mails über das Wochenende liegen geblieben ist.“ Der Job mache ihm nach wie vor „unheimlich Spaß“, vor allem, weil er „enorm abwechslungsreich“ sei. „Jeder Tag bringt neue Herausforderungen, neue Begegnungen und Thematiken mit sich.“

Fulda: Bürgermeister Florian Fritzsch spricht über seine Amtszeit in Großenlüder

Ein großes Lob richtet Fritzsch an das Team im Rathaus: „Die Menschen hier sind sehr entgegenkommend und haben mich herzlich empfangen.Wir haben, glaube ich, eine sehr gute Arbeitsgrundlage, die mir jede Menge Spaß bereitet und die viele konstruktive Lösungen ermöglicht.“

Seinen typischen Arbeitstag beschreibt der Rathauschef mit den Worten: „Relativ vollgepackt, von früh bis spät.“ Insbesondere jetzt, da viele Vereine und Institutionen nach dem Wegfall vieler Corona-Maßnahmen in den Sommer starten, fallen viele Termine an. Auch die Organisation des 1200-jährigen Ortsjubiläums nehmen den Bürgermeister in Beschlag. „Dazu planen wir ein großes Bürgerfest mit vielen thematischen Veranstaltungen.“

Dass der Job immens anstrengend ist, darauf war Fritzsch vorbereitet: „Dadurch, dass mein Vater 24 Jahre lang Bürgermeister war, wusste ich, dass das Amt anstrengend ist und man es sicherlich nicht immer allen recht machen kann.“ Überrascht habe ihn trotzdem, „dass die Schlagzahl doch sehr hoch ist und mir manchmal die Zeit fehlt, mich adäquat nach- und vorzubereiten. Wenn zum Beispiel jemand verabschiedet wird, bin ich niemand, der dann ad hoc eine Rede halten kann. Da brauche ich schon etwas Vorbereitungszeit.“ (Lesen Sie hier: So lief der erste Arbeitstag für Florian Fritzsch)

Seit 100 Tagen Bürgermeister in Großenlüder - Fritzsch lernt wichtige Lektion in Sachen Geduld

Besonders wichtig war Fritzsch, dass er gleich zu Beginn ein gutes Verhältnis zu den politischen Gremien etablieren konnte. „Das hat gut geklappt, wir haben in der Gemeindevertretung ein sehr konstruktives Arbeitsklima.“ Besonders herausfordernd sei das Einarbeiten in das Feuerwehrwesen gewesen: „Ich habe mittlerweile alle Ortswehren besucht, aber da gibt es viele Abkürzungen und technische Details, die es einem Laien extrem schwer machen. Aber ich arbeite mich auch da ein.“

Gut Ding braucht Weile – diese wichtige Lektion habe Fritzsch während der letzten 100 Tage gelernt. „Manche Prozesse lassen sich nicht von heute auf morgen lösen, auch wenn man das vielleicht gerne hätte. Beispiel E-Akte: Deren Einführung verzögert sich, weil etwa neue Schulungen und Vorbereitungen nötig sind.“

Für die nächsten 100 Tage wünscht sich Fritzsch für sich selbst „ein Stück weit mehr Routine und die nötige Gelassenheit“. Für die Gemeinde hegt Fritzsch die Hoffnung, dass bald wieder mehr kulturelle Veranstaltungen unter Einbindung der Vereine möglich sein werden.

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