Briefkasten Künzell
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Der Briefkasten am Rathaus von Künzell ist aufgebrochen worden. Darin waren erste Wahlunterlagen. Zwei Briefe waren aufgerissen worden.

Noch keine Hinweise

Stimmzettel geklaut? Briefkasten am Rathaus in Künzell aufgebrochen

  • Leon Weiser
    VonLeon Weiser
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Der Briefkasten am Rathaus in Künzell ist in der Nacht von Freitag auf Samstag aufgebrochen worden. Darin haben sich bereits erste Briefwahl-Stimmzettel für die Bundestagswahl befunden. Nun wird geprüft, ob Briefe entwendet worden sind.

Künzell - „Ich bin schockiert und mehr als traurig“, sagt Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos). In dem aufgebrochenen Briefkasten haben einige Bürgerinnen und Bürger bereits ihre Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl eingeworfen. Zentgraf nennt keine konkreten Zahlen, die Menge der Stimmzettel sei seiner Meinung nach jedoch „überschaubar“. Überrascht zeigte er sich, dass nur wenige Briefe aus dem Kasten aufgerissen wurden. „Ich hätte das vermutet, wenn man den Briefkasten schon aufbricht. Aber die meisten Briefe waren noch verschlossen.“

Zentgraf richtet sich daher an die Künzeller: „Wir bitten darum, dass sich alle melden, die zwischen Freitag und Samstag ihre Wahlunterlagen bei der Gemeinde eingeworfen haben. Dann können wir nachverfolgen, ob die Anzahl der Stimmzettel stimmt oder ob welche entwendet wurden.“ Je nach Anzahl der Personen, die sich bei der Gemeinde im Kreis Fulda melden, müsse überprüft werden, wie weiter mit den Unterlagen verfahren wird.

Fulda: Stimmzettel aus Briefkasten am Rathaus entwendet?

„Wenn sich mehr Menschen melden, als wir Briefe haben, müssen wir die Briefe öffnen, um zu überprüfen, wessen Unterlagen da sind und wessen nicht“, erläutert der Bürgermeister. „Dann gleichen wir die Namen aller Anrufer ab und sagen denjenigen Bescheid, deren Stimmzettel nicht unter den Briefen liegen.“ (Lesen Sie hier: Antrag, Wahlschein, Umschläge und Unterschriften - das müssen Sie bei der Briefwahl beachten)

Die Hoffnung liege darin, dass sich weniger Menschen melden, als es Unterlagen gibt. Dann könnten die Briefe unberührt in die Wahlurne gelegt werden, sagt Zentgraf. Man würde dann davon ausgehen, dass sich die restlichen Betroffenen nicht bei der Gemeinde gemeldet haben. Rufen mehr Menschen an, müsste beim Landeswahlleiter für Hessen abgestimmt werden, ob die Personen entsprechend noch einmal wählen dürften, weil ihr Stimmzettel nicht mehr vorhanden wäre. „Wir sind in Kontakt, aber hoffen natürlich, dass es nicht dazu kommt“, meint der Künzeller Bürgermeister.

Der Briefkasten wurde inzwischen repariert. Daher werde es keine Änderungen geben und die Künzeller könnten nach wie vor ihre Stimmzettel im Rathaus einwerfen. „Es werfen sowieso nur 10 bis 20 Prozent der Wähler ihre Unterlagen am Rathaus ein. Die meisten Briefwähler nutzen dafür die Post“, erklärt Zentgraf.

Video: Alles Wichtige zur Bundestagswahl 2021

Dennoch hat die Gemeinde laut Polizei Anzeige zu dem Vorfall am Samstagvormittag erstattet. „Derzeit liegen uns noch keine Erkenntnisse zu möglichen Tatverdächtigen vor“, erklärt Sandra Hanke, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Osthessen auf Nachfrage unserer Zeitung. Laut Polizei entstand durch den Aufbruch ein Sachschaden in Höhe von 300 Euro. Wer Hinweise zu den Tätern geben kann, soll sich am besten beim Polizeipräsidium Osthessen unter Telefon (0661) 1050 melden. Weder die Polizei noch die Gemeinde Künzell haben aufgebrochene Briefkästen vor Wahlen erlebt. „Künzell war der erste Fall“, sagt Hanke.

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