Über die öffentliche Sicherheit und die Situation haupt- wie ehrenamtlicher Helfer sprachen (von links) Lothar Mim, Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, Michael Brand, Kanzleramtsminister Helge Braun, Constantin von Brandenstein-Zeppelin und Wilhelm Hartmann.
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Über die öffentliche Sicherheit sprachen (von links) Lothar Mim, Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, Michael Brand, Kanzleramtsminister Helge Braun, Constantin von Brandenstein-Zeppelin und Wilhelm Hartmann.

Dialog im Feuerwehrmuseum

Bei Ausstattung noch Luft nach oben: Kanzleramtsminister Braun im Gespräch über Sicherheit

  • Andreas Ungermann
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„Im Einsatz für Schutz und Sicherheit“ – so war eine Dialogveranstaltung mit Vertretern von Feuerwehren und Hilfsorganisationen sowie Kanzleramtsminister Dr. Helge Braun und Bundestagsabgeordnetem Michael Brand (beide CDU) am Freitagabend überschrieben.

Fulda - Die Dialogrunde mit dem Kanzleramtsminister und Minister für besondere Aufgaben, Professor Dr. Helge Braun, im Deutschen Feuerwehrmuseum in Fulda vor der Bundestagswahl im September drehte sich in erster Linie um die Situation der Ehrenamtlichen, die sich in Hilfsorganisationen engagieren. Freilich jedoch stand sie unter den Eindrücken der Flutkatastrophe im Ahr- und Erfttal. Braun, selbst Mediziner, nahm dabei Ideen von Ehrenamtlichen auf, deren Positionen er im Wesentlichen ohnehin teilte.

Einen ganzen Katalog an Anliegen trug Malteser-Ehrenpräsident Dr. Constantin von Brandenstein-Zeppelin an den Gießener heran. So sprach sich der Schlüchterner – nicht als einziger in der Runde – für eine bessere Ausstattung der ehrenamtlichen Helfer aus: „Wir brauchen eine Aufwuchsfähigkeit, die über kurze Einsätze hinausreicht“, betonte er. Sprich: mehr Personal und Material. Zudem regte er ein Konzept an, nachdem Menschen nach einigen Wochen Ausbildung sich vier Jahre verpflichten, um in Hilfsorganisationen tätig zu sein. In dem Kontext erinnerte er eindringlich an die einstigen Schwesternhelferinnen, nach deren Vorbild sich eine personelle Säule in Hilfsdiensten aufbauen lasse.

Fulda: Dialog über Sicherheit mit Kanzleramtsminister Braun vor Bundestagswahl

Lothar Mihm, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Fulda, warb indes für einen Dialog zwischen Politik, Hilfsorganisationen und Arbeitgeberverbänden, um die Freistellung Ehrenamtlicher für Übungen und Einsätze zu erleichtern. Dies sei ebenso wie die Mitgliedergewinnung unerlässlich, um die Tagesalarmbereitschaft gerade auf dem Land aufrechtzuerhalten. Zudem sprach sich der Eiterfelder für eine Sozialabsicherung und Rentenleistungen für Hilfskräfte aus. „Für Kommunen sind Zuwendungen eine freiwillige Leistung. Da brauchte es Unterstützung von oben, denn das Ehrenamt ist ein hohes Gut“, so Mihm.

Wilhelm Hartmann von der Gärtnerei Hartmann engagiert sich im Katastrophengebiet im Ahrtal und schilderte seine Erlebnisse im Westen Deutschlands, wo er an einem Einsatzort mit seinen Helfern allein 22 weggespülte Pkw und 5 Menschen fand. Vier Tage lang hätten sie ohne Internet und Mobilfunknetz agieren müssen, sagte Hartmann und verwies auf die große Hilfe aus der Landwirtschaft: „Ich wünsche mir, dass landwirtschaftliche Strukturen besser bei der Hilfe in Katastrophenfällen eingebunden werden.“ Unter anderem hatte ein Fahrschul-Lkw 120 Heuballen ins Krisengebiet geschickt, um den Landwirten zu helfen.

Braun: „Von solcher Bereitschaft zur Mitmenschlichkeit lebt unser Land“

Braun pflichtete dem Fuldaer Unternehmer bei. „Von solcher Bereitschaft zur Mitmenschlichkeit lebt unser Land“, würdigte er ebenso wie das hohe Maß an Ausbildung und Übung der Ehrenamtlichen: „Das sind Profis und ein unglaublicher Schatz.“ Allerdings sieht Braun auch Defizite, die es zu beheben gelte. „Wir sind ein ressourcenreiches Land, wir müssen unsere Infrastrukturen nur an manchen Stellen verbessern“, so der 48-Jährige. Möglichkeiten sieht er darin, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz in seiner Kompetenz zu stärken.

Zudem müsse ein Warnsystem mit drei Säulen installiert werden: klassische Sirenen, die Auslösung von Warnungen per SMS sowie – noch zu optimierende – Warn-Apps. Braun plädierte dafür, dass nicht nur haupt- und ehrenamtliche Hilfskräfte für den Einsatz geschult sein müssten. „Der Bevölkerung müssen wir klar machen, dass jederzeit etwas passieren kann“, konstatierte Braun, der die Meinung teilte, dass es an Medizinern fehle. Er mahnte zudem an, dass in technischen Infrastrukturen immer ein Mangel auftreten könne.

Video: Hochwasser in Blessm: Gebürtiger Fuldaer ist von Flutschäden betroffen

Gleichwohl ging er mit der Präsidentin des DRK-Kreisverbandes Fulda, Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, konform, die den Wunsch an Braun adressiert hatte, die Läger der Hilfsorganisationen in den Bundesländern müssten in ihren Reserven deutlich aufgestockt werden. „Das DRK ist ein großer Leistungserbringer“, stellte sie fest und forderte eine Gleichstellung bei der Ausstattung und Unterstützung der Hilfsorganisationen sowie der Helfer. Braun indes sieht die Lösung nicht allein im Vorhalten nationaler Reserven durch die Regierung, sondern auch Kliniken und Apotheken in der Pflicht, ihre Lagerhaltung auszuweiten.

Den Austausch zwischen Minister und „geballter Kompetenz im Katastrophenschutz“ wertete Gastgeber Michael Brand, der mit Museumsleiter Rolf Schamberger die rund 50 Gäste begrüßt hatte, als gelungen.

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