Um die Schülerzahl in den Bussen zu verringern, könnte der Unterricht an einigen Schulen später beginnen. (Symbolfoto)
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Um die Schülerzahl in den Bussen zu verringern, könnte der Unterricht an einigen Schulen später beginnen. (Symbolfoto)

Debatte im Fuldaer Kreistag

Volle Busse in Corona-Zeiten: Schulbeginn zur dritten Stunde?

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Das beste Hygienekonzept für Schulen bringt nichts, wenn die Schüler in den Bussen und an den Haltestellen dicht gedrängt stehen. Darüber debattierte nun auch der Fuldaer Kreistag. Mehrere Ideen für Verbesserungen gibt es – insbesondere könnte künftig der Unterrichtsbeginn entzerrt werden.

Fulda - „Überall ist von den AHA-Hygieneregeln die Rede, nur in einem Bereich wenden wir sie nicht an: bei der Schülerbeförderung“, sagte Landrat Bernd Woide (CDU), nachdem drei Anträge zum Thema vorgestellt wurden. Die CDU plädierte dafür, die Schulanfangszeiten anzupassen, um die Auslastung der Schulbusse zu verringern. Die FDP-Forderung lautete ähnlich: Eltern sollen sogar ein Wahlrecht bekommen, wann ihr Kind regulär den Unterricht beginnt. Und die Fraktion Linke.Offene Liste forderte dazu auf, zusätzliche Busse bereitzustellen und dafür Reisebusunternehmen anzufragen.

Der Landrat dröselte auf, was möglich sein könnte. Zusätzliche Buskapazitäten zur Verfügung zu stellen, höre sich einfach an – sei es aber nicht. Derzeit seien im Bereich des Landkreises Fulda als Schulträger 90 Busse im Einsatz, in denen Sitz- und Stehplätze genutzt werden. „Wollten wir jedem Schüler einen Sitzplatz zur Verfügung stellen, brauchten wir 280 Busse. Und wollten wir auch noch die Abstandsregeln beachten, hätten wir einen Bedarf von 327 Bussen.“

Fuldaer Kreistag diskutiert: Unterrichtsbeginn entzerren für leerere Schulbusse?

Regionale Reiseunternehmen, deren Busse zurzeit zu einem großen Teil nicht genutzt werden, seien bereits angefragt worden: „Sie könnten zwischen 10 und 15 Busse bereitstellen“, so der Landrat, der auch auf die möglichen Kosten einging: „Im Rhein-Main-Gebiet verlangen Unternehmen 750 Euro pro Bus und Tag.“ Sein Fazit daher: „Wir haben nur eine Chance: den Schulbeginn zu entzerren.“

Momentan beginne der Unterricht an den meisten Schulen zwischen 7.45 Uhr und 8.15 Uhr. Nun sollen Schulen angefragt werden, ob sie später starten können, zum Beispiel zur dritten Stunde. Dann nämlich könnten die Schulbusse zwei Runden fahren. Woide gab ein Beispiel: „Ein Bus, der morgens von Tann in die Stadt fährt, soll die Chance erhalten, später zum zweiten Mal nach Tann und zur Schule zu fahren.“ Damit werde es nötig, dass zwischen den unterschiedlichen Anfangszeiten mindestens eineinhalb bis zwei Stunden liegen müssten.

Dass die Umsetzung herausfordernd ist und auf den Landkreis bei einer solchen Regelung möglicherweise viel Ärger zukommen könnte, sei ihm bewusst. „Aber ich kann nur einen Tod sterben“, so der Landrat.

Landkreis Fulda braucht mehr Busse für Schüler: Reisebusunternehmer bietet Hilfe an

Winfried Happ, CDU-Kreisbeigeordneter und auch Reisebusunternehmer, unterstrich: „Wir wären bereit, über einen gewissen Zeitraum zu helfen.“ Er versprach: „Wir werden sicher keine Frankfurter Preise nehmen.“ Außerdem tauchten während der Debatte zwei weitere Vorschläge auf. Birgit Kömpel von der SPD regte an, ältere Schüler an einzelnen Tagen online zu Hause zu unterrichten. Helmut Schönberger (Grüne) empfahl, auch Kleinbusse, zum Beispiel von der Caritas, einzusetzen.

Alle drei Anträge wurden zur weiteren Beratung in den Kreisausschuss verwiesen. Woide wies darauf hin, dass die Vorschläge nur in Abstimmung mit dem Schulamt, der RhönEnergie, der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft und den Schulen umgesetzt werden könnten. Angestrebt werde eine Lösung bis zum Ende der Herbstferien. Denn dann beginnt auch die Erkältungszeit – und die Situation in den oft überfüllten Bussen würde nicht besser werden.

Lesen Sie hier: Streit um Corona-Abstand in Schulbussen: Fuldaer Eltern beschweren sich. Und: Volle Schulbusse in Corona-Krise: Schulleitungen sprechen mit Stadt Fulda.

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