Die Unternehmer von „Green Pioneers“ in Fulda wehren sich gegen die Vorwürfe, ihre Produkte verstießen gegen das Betäubungsmittelgesetz. (Symbolfoto)
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Die Unternehmer von „Green Pioneers“ in Fulda wehren sich gegen die Vorwürfe, ihre Produkte verstießen gegen das Betäubungsmittelgesetz. (Symbolfoto)

„Mit Drogen nichts am Hut“

Nach Durchsuchung von einem Cannabis-Shop in Fulda: Nutzhanf-Produzenten sehen sich als Opfer

  • Sabine Kohl
    vonSabine Kohl
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Vor Kurzem erreichte fuldaerzeitung.de die Meldung: Zivilfahnder durchsuchen einen Cannabis-Shop in Fulda. Jetzt haben sich die Besitzer der beschlagnahmten Ware zu Wort gemeldet: Es handelt sich um das Fuldaer Unternehmen „Green Pioneers“, die Produkte aus Nutzhanf herstellen. Sie wehren sich gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

Fulda - „Mit Drogen haben wir nichts am Hut“, stellt Jungunternehmer Philipp Gärtner (28) klar. Mit seinen Partnern Kerim Viebrock (28) und Marc Graf (31) hat er das Unternehmen „Green Pioneers“ 2018 in Fulda gegründet.

Die Unternehmer widmen sich der Produktion und Verarbeitung von Nutzhanf, stellen etwa Hanftee, Speiseöl aus Hanfsamen sowie sogenannte Hanf-Krafttropfen her. Wegen der Krafttropfen und des Tees steht „Green Pioneers“ nun im Fokus der Staatsanwaltschaft Fulda. Die Rechtmäßigkeit der Durchsuchung ihrer Geschäftsräume stellen sie aber infrage.

Nach Durchsuchung von Cannabis-Shop in Fulda: Nutzhanf-Produzenten sehen sich als Opfer

Laut Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes fallen Pflanzen und Pflanzenteile der zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen selbst dann unter das Gesetz, wenn sie kein THC enthalten, also den rauschauslösenden Stoff (siehe Infokasten). „Für das hiesige Ermittlungsverfahren bedeutet das, dass sich zumindest aus dem Verkauf der sog. ,Hanftropfen‘ und des angebotenen Hanftees in beiden Varianten Anhaltspunkte für eine Strafbarkeit nach dem Betäubungmittelgesetz begründen lassen“, heißt es im vom Landgericht Fulda ausgestellten Durchsuchungsbeschluss, der unserer Zeitung als Kopie vorliegt.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet auf Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Dieser wird auf Nachfrage unserer Zeitung von Dr. Christine Seban, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Fulda, bestätigt. Er richte sich gegen unterschiedliche Unternehmen. Die Untersuchung der beschlagnahmten Produkte dauere noch, teilt Seban weiter mit. Weitere Auskünfte zum laufenden Verfahren gibt es vonseiten der Staatsanwaltschaft nicht.

Die Produkte

Der Durchsuchungsbeschluss des Landgerichts Fulda richtet sich gegen die Green-Pioneers-Produkte „Hanf-Krafttropfen“ mit 5 Prozent CBD sowie einen Hanftee.

Die Krafttropfen werden als „Kosmetikprodukt zur Anwendung auf der Mundschleimhaut“ oder zur Anwendung auf der Haut angeboten. Das Landgericht argumentiert jedoch, dass ein Konsum als Lebensmittel nicht ausgeschlossen werden könne.

Philipp Gärtner und seine Geschäftspartner fühlen sich zu Unrecht beschuldigt. „Wir lassen unsere Produkte ständig prüfen und achten darauf, dass wir alle rechtlichen Vorgaben einhalten“, betont Gärtner gegenüber unserer Zeitung. „Wir arbeiten gut mit den zuständigen Behörden zusammen, werden regelmäßig kontrolliert und bisher gab es nie etwas zu beanstanden.“

Unter anderem wird das Unternehmen laut Gärtner regelmäßig von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, dem Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen, dem Regierungspräsidium Kassel sowie dem Landratsamt Fulda geprüft.

Nutzhanf-Unternehmen Green Pioneers: Mit Drogen haben wir nichts am Hut

Der Vertrieb der Produkte falle unter eine Ausnahmeregel des Betäubungsmittelgesetzes, wonach der Verkauf von Cannabis-Pflanzenteilen legal ist, wenn sie aus Anbau in EU-Ländern mit zertifiziertem Saatgut stammen oder ihr THC-Gehalt 0,2 Prozent nicht übersteigt und der Vertrieb ausschließlich gewerblichen oder wissenschaftlichen Zwecken diene. Bei „Green-Pioneers“-Produkten sei dies der Fall, so Gärtner. Schon allein deshalb sei ein Missbrauch zu Rauschzwecken ausgeschlossen.

Die drei Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens „Green Pioneers“ in Fulda (von links): Kerim Viebrock, Marc Graf und Philipp Gärtner.

Umso unverständlicher ist den drei Unternehmern nun der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Fulda. Sie verstehen die Begründung der Durchsuchung nicht, werfen dem Landgericht Fulda, das den Durchsuchungsbefehl mit Datum vom 9. März ausgestellt hat, gar vor, sich nicht hinreichend mit der aktuellen Rechtslage beschäftigt zu haben.

Im Durchsuchungsbeschluss heißt es, dass der Vertrieb der Hanftropfen und des Tees nicht „ausschließlich gewerblichen Zwecken“ diene, da dieser gewerbliche Zweck beim Endnutzer - also den Käufern, nicht den Verkäufern - des Cannabis vorliegen müsse. Die Produkte dürften nicht einfach zum privaten Konsum verkauft werden.

Gärtner sowie seine Partner und Anwälte wiederum halten dem entgegen, dass der Bundesgerichtshof am 24. März dieses Jahres ein Urteil gesprochen hat, nachdem der Verkauf an Endnutzer zu Konsumzwecken nicht grundsätzlich ausgeschlossen sei. Einzig der Missbrauch zur Berauschung müssen ausgeschlossen sein, heißt es in einer Pressemitteilung des BGH zum Urteil. Allerdings war laut Christine Seban auch für die Staatsanwaltschaft dieses Urteil Grundlages des Durchsuchungsbeschlusses.

THC und CBD - Wo liegt der Unterschied?

Die Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sind Substanzen der Cannabispflanze. THC führt zur Ausschüttung von Dopamin und ist deshalb für die berauschende Wirkung von etwa Marihuana verantwortlich.

CBD wiederum zeigt keine psychoaktive Wirkung. Laut eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 19. November 2020 gilt es deshalb auch nicht als Betäubungsmittel. CBD wird sogar eine Reihe positiver Eigenschaften zugeschrieben, so wirke es etwa entzündungshemmend und entkrampfend.

Grundsätzlich gelten alle Formen von Cannabis in Deutschland als illegal – eine Ausnahme stellt der sogenannte Nutzhanf dar, welcher mit einer besonderen Lizenz angebaut werden darf. Marihuana und THC fallen jedoch unter das Betäubungsmittelgesetz.

Laut Internetseite des Hessischen Ministeriums für Verbraucherschutz sind in Deutschland auch rein CBD-haltige Nahrungsergänzungsmittel nicht als Lebensmittel zugelassen - Ausnahme sind Produkte aus Hanfsamen. Im Dezember hat die EU-Kommission dies infolge des EuGH-Urteils allerdings anders bewertet. Zulassungen in Deutschland gibt es aber nach wie vor nicht.

Da laut Verbraucherschutzministerium viele CBD-Öle zu hohe THC-Werte (größer 0,2 Prozent) enthalten, rät dieses vom Konsum dringend ab. Die Weltgesundheitsorganisation hingegen stuft CBD als unbedenklich ohne Abhängigkeitspotenzial ein. 

„Wir fühlen uns kriminalisiert, nur weil wir Hanf anbauen“, sagt Philipp Gärtner. Der 28-Jährige und seine Geschäftspartner hätten sowieso bereits mit diesem Stigma zu kämpfen: „Wenn du darüber sprichst, dass du mit Hanf arbeitest, denken immer erst mal alle gleich an Drogen.“ Die Vorurteile seien allgegenwärtig.

Video: CBD - Was du über das Trendprodukt wissen solltest

„Uns ist es aber wichtig zu zeigen, dass Hanf nicht nur Droge ist, sondern auch viele nützliche Eigenschaften etwa als Kosmetikprodukt hat“, erklärt. Weil sie überzeugt sind, dass Hanfprodukte einen Beitrag zur gesunden Ernährung leisten können, stellen die drei Fuldaer seit Ende 2019 Lebens- und Nahrungsergänzungsmittel aus Nutzhanf her.

Durch die Durchsuchung der Kriminalpolizei und die Beschlagnahmung bestimmter Produkte sei ihnen nun ihre Geschäftsgrundlage entzogen, die in der Corona-Pandemie ohnehin angespannt sei. Jetzt hoffen die drei, dass sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als haltlos erweisen und keine Anklage erhoben wird.

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