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Mitgliederzahlen der Parteien in Fulda: FDP und Grüne legen zu, CDU und AfD verlieren

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Von: Volker Nies

Bei der Mitgliederentwicklung der Parteien im Kreis Fulda gab es Gewinner und Verlierer.
Bei der Mitgliederentwicklung der Parteien im Kreis Fulda gab es Gewinner und Verlierer. © fotomek/stock.adobe.com

Die CDU ist der große Verlierer bei der Mitgliederentwicklung der Parteien im Kreis Fulda. Aber noch immer verfügt die CDU hier über mehr Mitglieder als alle anderen Parteien zusammen. FDP und Grüne haben 2021 stark zugelegt.

Fulda - Das vergangene Jahr bot den Parteien in Hessen gleich zwei große Gelegenheiten, für sich zu werben und Mitglieder zu gewinnen: Vor der Kommunalwahl im März und der Bundestagswahl im September war die politische Aufmerksamkeit in der Bevölkerung besonders hoch. Bei der CDU sorgte der Bundestagswahlkampf aber eher für Turbulenzen als für Rückenwind. Grund waren die Debatten um den Spitzenkandidaten Armin Laschet.

„Der CDU-Kreisverband Fulda hat im Laufe des Jahres 4,8 Prozent seiner Mitglieder verloren. Der größte Teil der Verluste lag, wie in den Vorjahren, leider daran, dass ältere Mitglieder verstorben sind. Wir haben aber auch 60 neue Mitglieder aus allen Altersgruppen und mit unterschiedlichen Hintergründen gewonnen. Das macht Mut“, berichtet CDU-Kreisvorsitzender Markus Meysner.

Der Mitgliederverlust des Fuldaer Kreisverbands liegt deutlich über dem Landesschnitt: Die hessische CDU verlor im vergangenen Jahr 2,7 Prozent ihrer Mitglieder. „Das Gros der Austritte lag in der Zeit um oder kurz nach der unglücklich abgelaufenen Kanzlerkandidatenfindung. Darin sehe ich den Grund für den leicht erhöhten Mitgliederrückgang“, sagt Meysner. (Lesen Sie hier: Friedrich Merz als Hoffnungsträger: Was sich CDU-Politiker aus der Region von ihm wünschen)

Fulda: CDU und AfD verlieren Mitglieder - FDP und Grüne legen zu

Die allgemeine Tendenz sehe bei der CDU in den vergangenen Jahren aus wie bei vielen anderen Institutionen: „Viele Vereine, die Kirche und auch Parteien verlieren Mitglieder. Dabei ist ein starkes Engagement für die eigene Region und die eigenen Überzeugungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Spannungen so wichtig wie selten zuvor“, erklärt Meysner. In Hessen ist Fulda aber unverändert der stärkste CDU-Kreisverband.

Prozentual und in absoluten Zahlen den größten Sprung nach oben machen indes die Liberalen. Der Kreisverband gewann 60 neue Mitglieder – das ist ein Plus von 42,9 Prozent. Die Steigerung ist doppelt so stark wie im Hessentrend: Landesweit legte die Mitgliederzahl der FDP um 17,0 Prozent zu. „60 Neumitglieder sind ein absoluter Rekord für unseren Kreisverband. Schon die 30 Neumitglieder im Jahr 2020 waren ein historischer Rekord. Das haben wir jetzt deutlich übertroffen“, berichtet FDP-Kreisvorsitzender Mario Klotzsche.

Video: Laschet: Niederlage bei der Bundestagswahl ist „offene Wunde“

„Dazu hatten unsere Wahlkampagne Fulda21 mit den 21 Fulda21-Botschaftern und die Kommunalwahl im März viel beigetragen. Auch die Bundestagswahl im September hat das politische Interesse und die Bereitschaft, sich politisch zu engagieren, enorm erhöht“, erklärt der FDP-Kreischef. Für zusätzliche Mitglieder hätten auch die beiden neuen Ortsverbände Dipperz und Eichenzell gesorgt. „Aktuell planen wir die Gründung eines neuen Ortsverbandes in Neuhof und Kalbach. Leider ist das aufgrund der Pandemie schwierig. Auch in Großenlüder, Hosenfeld und Bad Salzschlirf wollen wir künftig stärker vor Ort aktiv werden“, kündigt Klotzsche an.

Die SPD im Landkreis Fulda hat ihren Mitgliederstand fast gehalten. Die zehn verlorenen Mitglieder entsprechen einem Verlust von 1,3 Prozent. In der Mitgliederzahl von 770 sind die Jusos nicht enthalten. Mit den Jungsozialisten meldet der Verband 810 Mitglieder – 20 weniger als ein Jahr zuvor. (Lesen Sie auch: Schock für SPD-Bürgermeisterkandidat Zeynel Can: Wahlplakate in Schlitz beschmiert)

„Insgesamt resultiert der Rückgang – wie in den Vorjahren – aus der hohen Zahl verstorbener Mitglieder. In der Gegenüberstellung von Austritten und Neuzugängen, also ohne die Verstorbenen, liegt die Anzahl der Neueintritte auch dieses Jahr über den Austritten“, erklärt SPD-Unterbezirksgeschäftsführer Jochen Hammerschick. Die Zahlen der Genossen im Landkreis Fulda haben sich besser entwickelt als in ganz Hessen: Landesweit verlor die SPD 2,8 Prozent ihrer Mitglieder. Sie ist in Hessen weiter die mitgliederstärkste Partei.

Fuldaer CDU bleibt stärkster Kreisverband in Hessen

Die Partei mit der dritthöchsten Mitgliederzahl ist die Christliche Wähler-Einheit (CWE) – eine Wählergruppe, die es allein im Landkreis Fulda gibt. „Die Mitgliederzahl bewegt sich seit längerem konstant um 270. Durch Listenaufstellungen bei der Kommunalwahl im März gab es einige Eintritte, überwiegend junge Leute. Auf der anderen Seite verstarben ältere Mitglieder“, berichtet CWE-Kreisvorsitzender Thomas Grünkorn.

Angesichts des Trends, dass sich viele Menschen nicht mehr so gern durch eine Mitgliedschaft an eine Partei oder Wählergruppe binden wollten wie früher, sei die CWE mit der Entwicklung zufrieden. „Allerdings macht sich auch bei uns, wie bei den meisten Parteien und Wählergruppen, eine gewisse Überalterung bemerkbar“, sagt Grünkorn.

Über 30 zusätzliche Mitglieder im vergangenen Jahr freut sich der Kreisverband von Bündnis90/Die Grünen. Das entspricht einem Zuwachs von 13,4 Prozent. Hessenweit legten die Grünen sogar noch stärker, nämlich um 19,3 Prozent, zu. Im Jahr zuvor hatte der Fuldaer Kreisverband sogar 50 neue Mitglieder gewinnen können.

„Den Grund für die Zunahme sehen wir in der politischen Entwicklung bei den Kommunalwahlen und bei der Bundestagswahl. Wir waren hier auch mit neuen Ortsverbänden präsenter als früher. Zugleich steigt das Interesse der Einwohner an Klimaschutz- und Umweltthemen und ebenso das Interesse, hier mitzugestalten“, erklärt die Co-Kreisvorsitzende Waltraud Seeberger.

Mitgliederentwicklung der Parteien in Fulda: Rekord für Liberale

Hessenweit und auch im Kreis Fulda ist die AfD im Abwärtstrend. In Hessen verlor die Alternative im vergangenen Jahr 7,2 Prozent ihrer Mitglieder, im Kreis Fulda waren es 7,7 Prozent. „Wir hatten im vergangenen Jahr zwölf Neuaufnahmen von überwiegend jungen Mitgliedern. Das war wohl auf unseren Auftritt in den beiden Wahlkämpfen zurückzuführen“, teilt AfD-Kreisvorsitzender Pierre Lamely mit. Dass trotzdem ein Mitgliederverlust eintrat, liege an dem Umstand, dass die hessische AfD beschlossen habe, Mitglieder zu streichen, wenn sie ihre Beiträge nicht zahlen.

Die Linke meldet, sie habe in Hessen 2,7 Prozent Mitglieder hinzugewonnen. Im Landkreis Fulda blieb die Zahl konstant, berichtet Philipp Garrison von der Führung des Kreisverbands. Die Zahl der Austritte und neuen Mitglieder hielt sich die Waage, auch Zuzüge und Wegzüge von Mitglieder waren gleich groß. „Insgesamt lässt sich festhalten, dass zunehmend ein Generationenwechsel in unserem Kreisverband stattfindet und vermehrt jüngere Personen beitreten und bei uns aktiv sind“, erklärt Garrison.

Die Freien Wähler sind in vielen Gemeindevertretungen im Landkreis Fulda eine starke Kraft. Seit der Kommunalwahl sind sie auch wieder im Fuldaer Kreistag vertreten. Der Kreisverband ist aber noch ziemlich jung. „Die meisten Ortsverbände wollen bisher leider nicht im Kreisverband Mitglied werden. Deshalb haben wir im Kreis erst wenige Mitglieder. Deren Wohnorte sind über den ganzen Landkreis verteilt“, erklärt Kreisvorsitzender Peter Klug. Der Landesverband der Freien Wähler berichtet vom erfolgreichsten Jahr seiner Geschichte. 250 zusätzliche Mitglieder bedeuteten einen Zuwachs um 51 Prozent.

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