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CDU räumt nach dem Krieg im Kreistag in Fulda bis zu 64 Prozent ab

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Von: Volker Nies

Landrat Heinrich Beck (von links) führte den Kreis Hünfeld von 1946 bis zur Gebietsreform 1972. Georg Stieler war von 1945 bis 1953 Landrat des Kreises Fulda. Eduard Stieler führte den Kreis Fulda von 1953 bis 1972 und den Landkreis bis 1973.
Landrat Heinrich Beck (von links) führte den Kreis Hünfeld von 1946 bis zur Gebietsreform 1972. Georg Stieler war von 1945 bis 1953 Landrat des Kreises Fulda. Eduard Stieler führte den Kreis Fulda von 1953 bis 1972 und den Landkreis bis 1973. © Stadtarchiv

Nach den zwölf Jahren der NS-Diktatur knüpfte die Region Fulda politisch an die Weimarer Republik an: Als führende Kraft wurde das katholische Zentrum durch seine Nachfolgerin, die CDU, abgelöst, in der sich Christen aller Konfessionen organisierten. 

Fulda - Für diese Kontinuität vom Zentrum zur CDU steht Georg Stieler, der erste Fuldaer Landrat der Nachkriegszeit: Stieler, in Setzelbach, heute Ortsteil von Rasdorf, geboren, ging nach der Lehre ins Rheinland und wurde dort für das Zentrum preußischer Landtagsabgeordneter.

Nach dem Krieg kehrte er nach Fulda zurück, wurde Mitgründer der CDU, Fraktionschef der CDU im Landtag und von 1945 bis 1953 Landrat. (Lesen Sie hier auch: Bundestagswahl 2021: Fulda ist Hochburg von CDU und AfD - Lenders nach Wahlnacht „ein bisschen verkatert“)

Fulda: CDU räumt nach dem Krieg im Kreistag bis zu 64 Prozent ab

In Hünfeld wurde das Zentrum nach dem Krieg sogar noch wiedergegründet. Die Zentrumspartei trat 1948 noch einmal an, holte 9,9 Prozent, versank dann aber in der politischen Versenkung. Man könnte annehmen, dass der Rückzug des Zentrums die CDU gestärkt hätte, aber die Ergebnisse der CDU blieben unverändert.

Bei der ersten Wahl nach dem Krieg eroberte die CDU die absolute Mehrheit in den Kreistagen in Fulda und Hünfeld – und gab sie dann nicht mehr ab. Die Wahlergebnisse in den zwei Jahrzehnten waren sehr stabil: Die CDU lag bei den Wahlen zum Fuldaer Kreistag stets zwischen 60 und 64 Prozent, die SPD zwischen 17 und 28 Prozent.

Die FDP schaffte es nach 12,1 Prozent 1948 nur noch knapp (aber immer) über die 5-Prozent-Hürde. Im Kreis Hünfeld waren die CDU-Ergebnisse (und auch die Zahlen für die SPD) etwas niedriger. Ein Grund für diese Schwäche der beiden Volksparteien ist die Stärke von Hünfelder Wählergruppen: 1956 holte die Bürgervereinigung 11,1 Prozent; 1964 trat die Christliche Bürgervereinigung an und bekam 9,2 Prozent der Stimmen.

Aus dieser Wählergruppe ging dann 1967 die CWE hervor. In ihr bündelten viele unabhängige Wählergemeinschaften aus den Gemeinden des Altkreises für die Kreistagswahl 1968 ihre Kräfte. Die CWE holte 16,1 Prozent, die CDU verpasste mit 49,95 Prozent knapp die absolute Mehrheit der Stimmen, behielt aber die Mehrheit der Sitze.

Dennoch bildeten CDU und FDP dann erstmals eine Koalition im Hünfelder Kreistag.  Ihre unangefochtene Dominanz in den Kreisen Hünfeld und Fulda nahm die CDU nach der Gebietsreform 1972 in den neuen Landkreis Fulda mit.

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