Die Basis hat entschieden

62,1 Prozent wollen Merz - Das sagen Politiker aus der Region zur Abstimmung über den CDU-Vorsitz

Der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz soll neuer CDU-Vorsitzender werden und die Partei nach ihrem Debakel bei der Bundestagswahl in die Erneuerung führen. Was halten die CDU-Politiker aus der Region von dem Ergebnis?

Berlin/Fulda - Der 66-Jährige erhielt darin mit 62,1 Prozent der Stimmen die notwendige absolute Mehrheit, wie Generalsekretär Paul Ziemiak am Freitag in Berlin mitteilte. Auf den Außenpolitiker Norbert Röttgen entfielen 25,8 Prozent der Stimmen, auf den früheren Kanzleramtschef Helge Braun 12,1 Prozent. Die Beteiligung an der ersten Mitgliederbefragung in der Geschichte der CDU lag bei 66,02 Prozent. (Lesen Sie hier: Helge Braun will CDU-Vorsitzender werden - „Ziel ist die Erneuerung“)

Michael Brand sieht das Ergebnis für Friedrich Merz als ein starkes Zeichen.

Michael Brand

Bundestagsabgeordneter für den Fuldaer Wahlkreis: „Die Wahl von Friedrich Merz freut mich sehr und seine überzeugende Mehrheit, bei einer enormen Wahlbeteiligung, ist ein starkes Zeichen für innerparteiliche Demokratie und für einen entschlossenen und argumentativ starken Kurs der CDU. Die klare Entscheidung bringt die klare Sicht, die wir wollten. Die Eindeutigkeit wird Mitglieder und Wähler der CDU motivieren, nach der Wahlniederlage unsere Kräfte zu mobilisieren, um verlorene Wähler und auch neue Anhänger zu gewinnen. Für die Union insgesamt kommt es darauf an, nicht länger darauf zu starren, was wer zum Sieger dieser Wahl zu meckern hätte. Es kommt jetzt darauf an, diese große Volkspartei mit ihren konservativen, liberalen und sozialen Wurzeln wieder stärker in der Bevölkerung zu verankern und im Wettbewerb mit der Koalition für unsere deutlich besseren Konzepte für Wachstum, Beschäftigung, Klimaschutz und soziale Sicherung zu werben. Das werden wir tun, und das wird uns selbst als Christdemokraten und vor allem dem Land gut tun.“

Merz dankte seinen unterlegenen Mitbewerbern Röttgen und Braun. Das „gute Miteinander“ in den vergangenen Wochen habe der Partei gut getan. Merz ließ weiter offen, ob er als Parteichef auch den Fraktionsvorsitz im Bundestag für sich beanspruchen wird. „Das Thema seht zur Zeit nicht auf der Tagesordnung.“ Er machte auch deutlich, dass es sich beim Mitgliedervotum für ihn um „keine Vorentscheidung“ über die nächste Kanzlerkandidatur der Union handelt. (Lesen Sie hier: Bundestagswahl 2021 - Herbe Verluste für CDU in Fulda)

Friedrich Merz wird neuer Parteivorsitzender der Christdemokraten.

Fulda: Das sagen CDU-Politiker zum Abstimmungs-Erfolg von Friedrich Merz

Merz beschwor die Gemeinsamkeit in der CDU. Er freue sich „auf gute Zusammenarbeit mit wirklich allen“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Vorbehaltlich der Zustimmung des Parteitags im Januar wolle er sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, zu zeigen, dass die CDU eine lebendige Partei sei, die auch als Volkspartei im 21. Jahrhundert ihren Platz habe. Die CDU habe auch als Opposition eine Aufgabe zu erfüllen.

Jens Mischak hatte nicht mit einem so deutlichen Ergebnis für Friedrich Merz gerechnet.

Jens Mischak

Kreisverbandsvorsitzender Vogelsberg: „Ich freue mich über das eindeutige Ergebnis, weil die CDU dadurch in einer schwierigen Phase Klarheit bekommt. Dass zwei Drittel der Mitglieder abgestimmt haben und Friedrich Merz davon fast zwei Drittel der Stimmen bekommen hat, ist ein wirklich starkes Signal, mit dem ich selbst in dieser Eindeutigkeit nicht gerechnet habe. Wir in Osthessen haben uns mit der ,Lauterbacher Erklärung’ für eine Entscheidung durch die Mitglieder stark gemacht, die Kreisvorsitzenden bundesweit haben das alle so gesehen. Das Ergebnis zeigt, dass diese Forderung richtig war und das Vertrauen in unsere Mitglieder ist nicht enttäuscht worden. Die hohe Beteiligung ist eine starke Legitimation für Merz und sein Team. Friedrich Merz hat den Mitgliedern den von allen drei Kandidaten am klarsten erscheinenden Kurs präsentiert und auch die klarste Sprache gesprochen. Das hat den Mitgliedern gefehlt. Deswegen war er so erfolgreich. Wir brauchen nun Ruhe im Hinblick auf Personaldiskussionen.“

Der CDU-Politiker rief dazu auf, „dieses Momentum, das wir jetzt haben durch diese Mitgliederbeteiligung und auch die Entscheidung der Mitglieder weit in das Jahr 2022 und darüber hinaus“ zu tragen. Die CDU könne die anstehenden Landtagswahlen nur erfolgreich bestehen, „wenn wir auch gemeinsam gute Arbeit machen“. Im kommenden Jahr gebe es vier Landtagswahlen, davon drei im ersten Halbjahr in Ländern, in denen die CDU den Ministerpräsidenten stelle.

Geschichtsträchtige Entscheidung - CDU-Basis stimmt erstmals über Vorsitz ab

Die rund 400.000 Parteimitglieder konnten erstmals in der Geschichte der CDU eine Vorentscheidung über den Vorsitz treffen. Offiziell muss der neue Parteichef von den 1001 Delegierten bei einem digitalen Parteitag am 21./22. Januar gewählt werden. Es gilt als sicher, dass sich die Delegierten an das Votum der Mitglieder halten. Anschließend muss Merz noch per Briefwahl bestätigt werden.

„Hätte man mal gleich auf Fulda gehört“, befindet Markus Meysner.

Markus Meysner

Kreisverbandsvorsitzender Fulda und Landtagsabgeordneter: „Mit einem Augenzwinkern könnte man ja sagen: Hätte man mal gleich auf Fulda gehört! Deshalb bin ich letztendlich froh, dass Friedrich Merz so deutlich gewinnen konnte und freue mich, wenn die Erwartungen, die wir in seine Arbeit und seine Person stecken, erfüllt werden. Umso wichtiger ist es nun, dass wir Zusammenhalt zeigen, deutlich machen, wofür wir stehen und rüberbringen können, dass die CDU die richtige Partei für die Bewältigung der anstehenden Probleme ist. Ein erster Schritt, sich neu aufzustellen, die Basis zu hören, sich von den anderen Parteien abzugrenzen und die CDU zu alter Stärke zu führen, ist mit der Wahl von Merz getan. Wir in Fulda werden selbstverständlich gerne und engagiert daran mitwirken. Ich freue mich auch darauf und bitte darum, dass sich unsere Mitglieder und die uns Nahestehenden in gewohnter Weise aktiv und motiviert in diesen Prozess einbringen.“

Die Neuwahl der Parteispitze ist die Konsequenz aus dem Desaster der Union bei der Bundestagswahl am 26. September. CDU und CSU hatten damals ihr historisch schlechtestes Ergebnis von 24,1 Prozent geholt und mussten in die Opposition gehen. Der als Kanzlerkandidat gescheiterte CDU-Chef Armin Laschet kündigte daraufhin seinen Rückzug an. Er ist jetzt einfacher Abgeordneter im Bundestag.

Klares Votum für Merz - Meysner: „Hätte man mal gleich auf Fulda gehört“

Röttgen und Braun gratulierten Merz. „Deutschland braucht die CDU. Und darum wünsche ich Dir Erfolg“, sagte Röttgen. Die hohe Teilnahme der Mitglieder an der Befragung sei ein „großes“ Kapital, betonte er. „Das zeigt, die CDU ist eine starke Partei.“ Braun sagte, der „Rückenwind“ von zwei Dritteln der Mitglieder sei ein großartiges Ergebnis für Merz. Die CDU könne jetzt geschlossen aufbrechen. „Ich will meinen Teil dazu tun“, versicherte er.

„Alle Mitglieder sind nun aufgerufen, sich hinter dem neuen Vorstandsteam zu versammeln“, befindet Katja Leikert.

Katja Leikert

Kreisverbandsvorsitzende im Main-Kinzig-Kreis und Bundestagsabgeordnete: „Ich gratuliere Friedrich Merz sehr herzlich zur Wahl zum künftigen CDU-Vorsitzenden und wünsche ihm viel Erfolg in seinem neuen Amt. Das ist ein sehr eindeutiges Ergebnis. Die Basis hat entschieden; alle Mitglieder sind nun aufgerufen, sich hinter dem neuen Vorstandsteam zu versammeln und die CDU gemeinsam für die Herausforderungen der Zukunft gut aufzustellen. Es ist wichtig, dass die Partei jetzt wieder voll handlungsfähig ist. Die Personaldebatten gehören der Vergangenheit an. Nun gilt es, das inhaltliche Profil der CDU zu schärfen und kritisch-konstruktive Oppositionsarbeit zu leisten. Die Mitgliederbefragung an sich bewerte ich als vollen Erfolg. Es ist großartig, wie viele Mitglieder sich beteiligt haben. Ein großer Dank gilt auch Helge Braun und Norbert Röttgen. Es war ein fairer Wettbewerb unter drei sehr guten Kandidaten. Für den Bundesparteitag im Januar ist das Mitgliedervotum für mich als Delegierte eine klare Entscheidungsgrundlage.“

CSU-Chef Markus Söder begrüßte die Entscheidung und war einer der Gratulanten: „Ich glaube, das ist ein wichtiges Signal von neuer Stärke. Und es soll auch ein Signal sein für mehr Zusammenarbeit zwischen CDU und CSU.“

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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