Premiere 2022

So modern wird das Musical „Robin Hood“ in Fulda: Dennis Martin und Chris de Burgh verraten Details

  • Anke Zimmer
    VonAnke Zimmer
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Dreamteam im Namen der Gerechtigkeit: Dennis Martin (46) und Chris de Burgh (72) haben gemeinsam das neue spotlight-Musical „Robin Hood“ komponiert und geschrieben. Am Rande des Live-Streaming-Konzertes standen sie unserer Zeitung Rede und Antwort.

Fulda - Dennis Martin und Chris de Burgh sprechen im Interview mit unserer Zeitung über die Arbeit am Musical „Robin Hood“, das in Fulda aufgeführt wird, neue Erzählstränge und die Frage nach Helden.

Eigentlich wäre das Musical längst in der Welt...
Chris de Burgh: Deswegen war der Live-Stream auch ein so emotionaler Moment. Es war das erste Mal, dass wir die Reaktionen des Publikums erleben konnten, sehen konnten, wie die Songs wirken.
Dennis Martin: Der Stream war wie eine kleine Premiere. Wir haben daraus viele positive Erkenntnisse gezogen. Zum Beispiel haben wir gesehen und gehört, dass es musikalisch eine große Bandbreite gibt, dass aber alles homogen zusammenpasst.

Fulda: Chris de Burgh und Dennis Martin verraten Details zum Musical „Robin Hood“

Wie intensiv arbeiten Sie denn derzeit noch an dem Musical? Oder haben Sie inzwischen den Punkt erreicht, an dem Sie sagen: Stop, genug jetzt.
Martin: Seit etwa einem halben Jahr ist das Buch fertig, die Musik auch, die Arrangements stehen. Es ist nicht mehr so viel zu tun ... aber (beide lachen) ... wer weiß?
Der „Robin Hood“, den wir 2022 auf der Bühne sehen werden, wird ein anderer sein als der, den wir 2020 gesehen hätten, oder?
De Burgh: Ich habe mal einen interessanten Satz gehört: Musicals werden nicht geschrieben, sie werden umgeschrieben. Das ist eine konstante Entwicklung. Was wir nun tun: Wir optimieren das Stück, machen das Bestmögliche daraus.
Martin: Wenn der Regisseur hinzu kommt, wird sich mit Sicherheit auch noch Vieles ändern. Die Musik muss ja zusammenpassen mit dem, was auf der Bühne passiert. Vielleicht, Chris, muss ich dich anrufen und sagen: Bis Donnerstag brauchen wir noch einen Song.
De Burgh (lacht): Dann sage ich: Geh doch mal auf die Toilette. (Beim Stream erzählten beide, dass Chris de Burgh das Lied „Wir haben die Kohle“ in der Zeit schrieb, in der Dennis Martin mal eben verschwinden musste, Anm. d. Red.)
Gab es Konflikte beim gemeinsamen Komponieren?
Martin: Am Anfang haben wir ein bisschen gebraucht, bis wir in unseren Arbeitsmodus kamen, doch das ist ganz normal. Schnell entstand aber eine wunderbare, harmonische Stimmung zwischen uns.
De Burgh: Es ist auch enorm, was Dennis als Arrangeur, als Pianospieler und Komponist kann. Ich habe so viel von ihm gelernt.

Musical „Robin Hood“ in Fulda: „Das ist eine konstante Entwicklung“

Dennis Martin

Der Komponist Dennis Martin wurde 1974 in Fulda geboren. Seit 1994 ist er als professioneller Musiker tätig, arbeitete unter anderem mit Richie Blackmore, Meat Loaf und Howard Jones zusammen.

2003 wurde die in Fulda ansässige Musicalschmiede spotlightgegründet, deren Geschäftsführer Dennis Martin und Peter Scholz sind. Mit „Bonifatius - Das Musical“ startete das Unternehmen mit seinen Bühnenshows, zu denen auch „Elisabeth – Legende einer Heiligen“, „Die Päpstin“, „Friedrich – Mythos und Tragödie“, „Kolpings Traum“, „Die Schatzinsel“ und „Der Medicus“ gehören. Für alle Stücke hat Dennis Martin die Musik geschrieben.

Chris de Burgh

Der Singer-Songwriter Chris de Burgh wurde 1948 als Christopher John Davison, Sohn eines Diplomaten, in Argentinien geboren. Ab seinem zwölften Lebensjahr lebte er dann in Irland. 1972 erhielt er seinen ersten Plattenvertrag und nahm als Künstlernamen den Familiennamen seiner Mutter – de Burgh – an.

In den 1980er Jahren nahm seine Karriere richtig Fahrt auf. Mit Songs wie „Don’t Pay The Ferryman“, „High On Emotion“ und „The Lady In Red“ eroberte er ein Millionenpublikum. Zahlreiche Auszeichnungen kamen hinzu.

In den oberen Rängen der Charts mag de Burgh schon länger nicht mehr aufgetaucht sein, seine Konzerte aber sind nach wie vor bestens besucht. Seine beiden Auftritte in Fulda am 23. und am 24. August bei „Kultur. Findet. Stadt.“ sind schon lange ausverkauft.

Dennis Martin (links) und Chris de Burgh haben gemeinsam das Musical „Robin Hood“ komponiert.
Was genau?
De Burgh: Dass Musical ein komplett eigenes Genre ist. Dabei geht es nicht um drei- bis fünfminütige Popsongs. Und einzelne Motive tauchen immer wieder auf. Es gibt ein Buch von einem sehr berühmten Autor, er hieß James Joyce.
Von dem hab ich schon mal gehört.
De Burgh (lacht): Der Titel des Buch lautet „Ein Porträt des Künstlers als junger Mann“. Es ist in fünf Kapitel aufgeteilt, also geradezu klassisch. Und faszinierend, denn Joyce nutzte kleine Motive, die in der Geschichte immer wieder auftauchen. Der Klang eines Kricketballs, der abgeschlagen wird... Ich weiß nun, dass man bei einem Musical auch so vorgeht, mit kleinen Wiederholungen arbeitet. Und man braucht natürlich ein Lied, das die Menschen sofort im Ohr haben, wenn es um das Bühnenstück geht. Wenn wir den Namen Evita hören, denken wir alle an „Don’t Cry For Me Argentina“.
Das könnte bei „Robin Hood“ mit „Freiheit für Nottingham“ funktionieren, der Bearbeitung von „Don‘t Pay The Ferryman“. Kann ich als normale Hörerin denn erkennen, welcher Song von wem stammt?
De Burgh: Warten Sie es ab, wenn Sie das Musical hören!
Martin: Es gibt innerhalb der einzelnen Songs Parts, bei denen man das vielleicht hört. Aber alles in allem haben wir die Arbeit paritätisch geteilt. Das Musical ist halb ich, halb Chris. Es war eine gute Zusammenarbeit.
Hundert Prozent de Burgh ist Ihr im September erscheinendes neues Album „The Legend of Robin Hood“. Wie unterscheidet es sich von dem Musical?
De Burgh: Ich hatte sieben oder acht Lieder geschrieben...
Martin: Acht.
De Burgh: Acht. Und als ich sie fertig hatte, dachte ich mir: Warum nicht ein eigenes Album dafür? Zumal es eine andere Geschichte erzählt als das Musical.
Wie sind Sie vorgegangen?
De Burgh: Wie alle Songwriter: Ich habe erst eine Geschichte geschrieben mit verschiedenen Charakteren, die dann ihre eigenen Stimmen bekamen. Aber diese Album-Story unterscheidet sich vom Musical.
Martin: Nichtsdestotrotz basiert das Album im Wesentlichen auf „unserer“ Story, und natürlich gibt es Überschneidungen. Aber auch viele Unterschiede.

Das Musical

„Robin Hood – das Musical“: 60.000 Tickets wurden bereits für das neue spotlight-Stück verkauft, das vom 25. Mai 2022, wenn die Previews starten, bis zum 16. Oktober 2022 im Fuldaer Schlosstheater auf dem Programm steht. Die Premiere ist für den 3. Juni 2022 angesetzt. Aktuell sind 177 Vorstellungen vorgesehen. Eigentlich hätte die Uraufführung des Musicals mit der Musik von Dennis Martin und Chris de Burgh bereits 2020 stattgefunden, zweimal musste sie wegen der Pandemie verschoben werden.

Chris de Burgh bringt Album „The Legend of Robin Hood“ im September

Musste „spotlight“ für einen Moment schlucken, als bekannt wurde, dass es das Album gibt?
Martin: Wir haben darüber geredet. Das war in München, oder?
De Burgh: Ich glaube ja.
Martin: Wir hatten dort eine Aufführung von „Der Medicus“ gesehen, viel geredet und dann gesagt: Warum nicht? Letztlich entsteht dadurch eine gute Synergie. Das Album ist ein Konzeptalbum. Sagen wir es so: Es sind zwei verschiedene Produkte mit einer engen Verbindung.
In weitesten Sinne ist „Robin Hood“ nicht das erste de-Burgh-Musical...
De Burgh: Vor zehn Jahren schrieb ich ein Album, das „Moonfleet“ hieß, es basiert auf einer Erzählung von John Meade Falkner. Eine tolle Geschichte mit Schmugglern, verborgenen Schätzen und dem Geist von Blackbeard. Ich schrieb ein ganzes Album mit Songs dazu. Aber es gibt einen riesigen Unterschied zu dem „Robin Hood“, den wir auf die Bühne bringen: Wir hatten diesmal keine Geschichte, mussten uns selbst überlegen, wer unser Robin Hood sein soll.
Martin: Es wäre ein Leichtes gewesen, einen der vielen Filme, etwa mit Erol Flynn oder Kevin Costner, zu adaptieren. Und natürlich spielt unser Stück zur gleichen Zeit, der Kontext ist geblieben: das Mittelalter, die Kreuzzüge, Richard Löwenherz. Die Handlung ist jedoch eine ganz neue.
De Burgh: Zwar gehen viele Menschen in ein Musical, wenn sie einen Film oder ein Buch kennen, auf dem es basiert. Wir haben uns dennoch für einen ganz anderen Weg entschieden. Das Publikum wird überrascht sein!
Inwiefern?
De Burgh: Gehen Sie mal auf die Straße und fragen Sie die Menschen, wer Robin Hood ist. Sie werden hören: Es ist der, der die Reichen bestohlen hat. Und alle sagen: Robin ist ein Held. Wir aber sagen: Niemand wird als Held geboren. Ein Held ist für mich der Mann, der vor zwei Monaten in die Themse gesprungen ist, um ein Kind zu retten, das dort reingefallen war. Und ein zweiter Mann half ihm, ohne nachzudenken. Einer der beiden ertrank, der andere rettete das Kind. Das sind Helden. Aber wir? Wir wissen nicht, wie wir bei Gefahr reagieren. Wenn jetzt jemand mit einer Waffe hier reinkäme, dann würden wir uns ihm nicht entgegenstellen, sondern wir säßen ganz schnell unter dem Tisch.
Der spotlight-Robin ist kein Held?
De Burgh: Er ist ein Mensch, der im Laufe seines Lebens an einen Punkt kommt, an dem er handeln muss. Und so findet er seinen Platz in der Geschichte.
Der junge Robin ist zudem alles andere als nett.
De Burgh: Er ist zu Beginn des Stücks ein Teenager, dessen Charakter sich erst entwickeln muss.
Martin: Um diese Entwicklung geht es im ganzen ersten Akt. Und darum, wie Robin seine Erfahrungen verarbeitet. Er hat Macht und Machtmissbrauch erlebt, einmal im Zusammenleben mit seinem despotischen Vater, und zum anderen im Krieg. Der erste Teil des Stücks endet in dem Moment, an dem er sich entscheidet, was er will. Aber er schafft diese Entwicklung nicht von alleine, Robin braucht jemanden, der ihn darauf hinweist, was um ihn herum passiert. Da kommt Marian ins Spiel. Aber unabhängig von den Neuerungen nutzen wir selbstverständlich die Archetypen des Robin-Hood-Kosmos’: Little John, Bruder Tuck, Will Scarlett... Doch auch dabei erzählen wir die Geschichte anders. Der Sheriff von Nottingham zum Beispiel, bei uns ist er Marians Vater, und er ist nicht von Anfang an ein schlechter Mensch.
De Burgh: Wir haben außerdem moderne Charaktere geschaffen, damit sich die Menschen mit ihnen identifizieren können. Und die Themen sind aktuell. Es geht unter anderem um das Trauma von Robins Kriegserfahrung. Er kehrt von den Kreuzzügen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zurück, mit Depressionen. Marian erkennt das. Diese Themen beschäftigen uns auch in der Gegenwart. Man kann es so sagen: Wir verbinden moderne Themen mit alten Charakteren.
Mister de Burgh, Sie geben im August zwei inzwischen ausverkaufte Konzerte im Museumshof Fulda. Werden Sie dabei Songs aus dem Album und aus dem Musical spielen?
De Burgh: Das Problem ist: Wenn man Songs, die noch nicht veröffentlicht wurden, bei einem Konzert spielt, gibt es immer jemanden, der sie aufnimmt, und dann tauchen sie im Internet auf. Deswegen: Es geht nicht. Mein Album „The Legend of Robin Hood“ erscheint im September, daraus werde ich vielleicht ein oder zwei Lieder spielen. Aber aus dem Musical? Nein. Übrigens freue ich mich sehr auf die Konzerte. So viele Termine mussten wegen Corona abgesagt werden. Und wir wissen ja nicht, wie die Pandemie sich entwickelt. Ich sehe in der Delta-Variante eine große Gefahr. Deswegen können wir nicht wirklich planen. Der Mensch macht aber so gerne Pläne. Nun, wir werden sehen, auch was das Musical betrifft.
Martin: Ich bin überzeugt, dass wir 2022 die Premiere erleben werden.
De Burgh: Eines steht jedenfalls fest: Ich werde definitiv nach Fulda kommen, und wenn es „nur“ ist, um meine Freunde Dennis und Peter (gemeint ist Peter Scholz, der spotlight-Produzent, Anm. d.Red.) zu sehen.
Letzte Frage: Wird es nach „Robin Hood“ ein weiteres gemeinsames Musical von Ihnen beiden geben?
Martin: Genau darüber haben wir vor drei Tagen gesprochen: Was kommt als nächstes? Doch bevor wir solche Pläne schmieden, müssen wir „Robin Hood“ in andere Länder bringen. Das Stück wird nun in die Spur gebracht und seinen Weg gehen. Ein erster Entwurf für eine englische Übersetzung liegt übrigens vor. Denn Chris ist ein internationaler Star, deswegen werden wir uns nicht nur auf den deutschsprachigen Musicalmarkt beschränken.
De Burgh: Aus diesem Grund war der Stream auch eine große Chance, die Idee des Musicals in die Welt zu tragen. Nach Afrika, Kanada, wohin auch immer.
Martin: Das heißt nicht, dass das passieren wird. Aber wir werden alles dafür tun, dies zu erreichen. Denn wir glauben an das Stück.

Rubriklistenbild: © Charlie Rolff

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