Bei der DRK-Schulung lernen die Teilnehmer, wie Schnelltest korrekt angewendet werden. Anschließend testen sie die Entnahme der Probe an sich selbst.
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Bei der DRK-Schulung lernen die Teilnehmer, wie Schnelltest korrekt angewendet werden. Anschließend testen sie die Entnahme der Probe an sich selbst.

Normalität mit Abstrichen

So funktioniert der Corona-Schnelltest: Wir machen eine Ausbildung beim DRK Fulda

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Lockerungsschritte gehen in Hessen nur mit einer Teststrategie einher. Pro Woche hat jeder Bürger einen Schnelltest frei, zudem können Selbsttests erworben werden. Wir haben beim DRK Fulda eine Fortbildung besucht, wie Proben richtig entnommen werden. Volontär Michel Ickler hat sich getraut.

Fulda - Die Tränen stehen mir in den Augen. Nicht vor Freude. Nicht aus Trauer. Nicht aus Mitgefühl. Noch zwei Mal drehen. Geschafft. Nach wenigen Sekunden ziehe ich den weißen Stab, an dessen Spitze sich ein weißer Tupfer befindet, aus meiner Nase. „Während des Testverfahrens brauchen Sie Fingerspitzengefühl. Wir sind nicht bei der Darts-WM“, sagt Phlipp Adamietz vom DRK Fulda. Der 35-Jährige schult Personen für die Anwendung von Corona-Schnelltests.

Vornehmen dürfen Corona-Schnelltests nur Personen, die eine dafür erforderliche Ausbildung erworben haben. Das DRK Fulda schult Mitarbeiter für Einrichtungen und Unternehmen. Immer mehr Rufe werden laut, dass auch Unternehmen seine Mitarbeiter testen sollen. Das Engagement der Firmen bleibt aber freiwillig. (Lesen Sie hier: Hausärzte sollen gegen Corona impfen - Wie gut sind die Praxen in Fulda vorbereitet?)

So funktioniert der Corona-Schnelltests: Wir machen eine Ausbildung beim DRK Fulda

„Die Teilnehmer kommen aus allen Bereichen: Senioreneinrichtungen, Schulen, Kitas, Handel oder aus dem Sektor der Dienstleistung“, sagt Peter Becker, der für die Aus-, Fort- und Weiterbildung beim DRK Fulda zuständig ist. Die Teilnehmer lernen in einer einstündigen Schulung, Proben aus Nase und Rachen fachgerecht zu entnehmen und die Testkasette anzuwenden. (Bleiben Sie mit dem News-Ticker zur Corona-Lage in Fulda auf dem Laufenden.)

Bewaffnet mit Teststäbchen, Teströhrchen, der Testflüssigkeit und der Testkassette beginnt das Abenteuer Corona-Schnelltest. Prinzipiell lässt sich sagen, dass sich der Schnell- und Selbsttest im Aufbau und in der Ausführung ähneln. Der Unterschied: Beim Schnelltest wird das Stäbchen weiter in die Nase eingeführt, den Selbsttest darf jeder durchführen.

Nachdem ich das Röhrchen mit der Flüssigkeit befüllt habe, nehme ich das Teststäbchen aus der Verpackung. Meine Hände zittern leicht. Es kostet mich viel Überwindung. Wie soll ich das Stäbchen so weit in meine Nase stecken? Den ersten Versuch führe ich an mir selbst durch, die Einführtiefe variiert von Test zu Test. (Lesen Sie hier: Flughafen Dortmund bietet ab sofort kostenlose Corona-Tests* an - Anbieter hat wichtigen Tipp)

Während des Testverfahrens brauchen Sie Fingerspitzengefühl. Wir sind nicht bei der Darts-WM.

Phlipp Adamietz, Leiter des Testzentrums

Nach kurzem Zögern beginne ich, den Stab in meine Nase zu stecken. Den Kopf in den Nacken gelegt und den Mund leicht geöffnet, dass das Stäbchen leichter den Weg gen Schleimhäute findet. Langsam taste ich mich voran. Stück für Stück, bis ich Widerstand spüre. Eins, zwei, drei, vier, fünf. Nach fünf Umdrehungen nehme ich den Stab aus meiner Nase. Geschafft.

Einen Antigen-Schnelltest pro Woche kann jeder Bürger gratis in Apotheken, Arztpraxen oder Testzentren durchführen lassen. Die Kosten dafür übernimmt der Bund. Der Landkreis Fulda hat die Corona-Testverordnung des Landes bereits als dezentrales Konzept realisiert. Generell haben die Länder noch bis Anfang April für die Umsetzung Zeit. „Alles, was das Dunkelfeld aufhellt, hilft bei der Bekämpfung der Pandemie“, sagt Vize-Landrat Frederik Schmitt (CDU).

Video: Gratis Corona-Schnelltests - So funktioniert es bei der Apotheke

Zurück zur Schulung: „Jetzt müssen Sie nur noch der Anleitung folgen“, erklärt Kursleiter Adamietz vom DRK Fulda. Ich gebe den Tupfer in das Teströhrchen. Drehe den Stab fünf Mal in der Flüssigkeit. Breche den Stiel ab. Verschließe das Röhrchen. Der Tupfer befindet sich im Rohr. Wie es in der Anleitung steht, gebe ich fünf Tröpfchen in die Testkassette. Warten. Nach zwei Minuten steht das Ergebnis fest. Negativ. Durchatmen! Der gesamte Prozess rund ums Testen hat 15 Minuten gedauert. Auch Selbsttests sollen nach Angaben der Hersteller zwischen 15 und 30 Minuten in Anspruch nehmen.

Doch ist das Testen – neben den Impfungen – der erhoffte Ausweg aus der Corona-Krise? Darauf setzen zumindest Kanzlerin Angela Merkel, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) und die Regierung in Hessen. Für sie sind die laborunabhängigen Tests ein wichtiges Element in ihrer beschlossenen stufenweisen Strategie, den Lockdown je nach Infektionslage aufzuweichen. Ergo: 15 Minuten Zeitaufwand für mehr Freiheit. *ruhr24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Corona-Testzentrum in Fulda: Leiter Philipp Adamietz im Interview

In drei Fragen erklärt Philipp Adamietz (35), Mitarbeiter des DRK Fulda und Leiter des Testzentrums, was bei den Corona-Schnelltests zu beachten ist.

Wie zuverlässig sind Schnelltests?
Die Zuverlässigkeit ist von Test zu Test unterschiedlich. Bei den Schnelltest liegt die Zuverlässigkeit zwischen 94 und 99 Prozent. Für die Kürze der Zeit ist das ein sehr gutes Ergebnis. Zum Vergleich: Der PCR-Test, der im Labor ausgewertet wird, hat eine Zuverlässigkeit von nahezu 100 Prozent.
Haben Sie Sorge, dass Betroffene bei Selbsttests ein positives Ergebnis verschweigen?
Definitiv. Die Sorge ist groß, dass diese Ergebnisse einfach unter den Tisch fallen und Betroffene noch einmal schnell einkaufen gehen oder das Ergebnis gar nicht melden. Leider können wir dagegen nichts machen, da wir niemanden zwingen können, ein positives Ergebnis zu melden. Wir können lediglich an die Vernunft der Bürger appellieren.
Werden die Fallzahlen durch die Massentests in die Höhe schnellen?
Die Schnelltestvariante ist eine gute Chance, die Pandemie einzudämmen. Es werden frühzeitig positiv getestete Bürger erkannt, die daraufhin keine weiteren Personen anstecken können. Ich bin zwar kein Virologe, aber ich kann mir gut vorstellen, dass wir anfangs mehr Fälle registrieren werden. Langfristig gesehen werden wir aber die Eindämmung besser in den Griff bekommen und die Pandemie schneller beenden können.

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