In einem Drogeriemarkt in Fulda sind einige Toilettenpapier-Sorten komplett ausverkauft.
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In einem Drogeriemarkt in Fulda sind einige Toilettenpapier-Sorten komplett ausverkauft.

Corona-Hamsterkäufe

Wieder Ansturm auf Toilettenpapier: Supermärkte in Fulda wappnen sich

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Ein Aldi-Markt in Fulda am Dienstagnachmittag. Ein Kunde hat zwei 10er-Pakete Toilettenpapier unter dem Arm. An der Kasse wird er freundlich ermahnt: Er darf nur ein Paket kaufen. Mitarbeiter und Inhaber von Läden wappnen sich gegen Hamsterer.

Fulda - Seit Ende vergangener Woche zieht in vielen Supermärkten, Discountern und Drogeriemärkten in Fulda die Nachfrage nach Produkten stark an, die schon im Frühjahr vorübergehend knapp geworden waren: Dosengerichte, Nudeln, Mehl – und vor allem Toilettenpapier. Damals wie heute beunruhigen die steigenden Corona-Zahlen die Verbraucher (Lesen Sie hier: Corona-Infektionen steigen sprunghaft an).

„Abgabe nur in haushaltsüblichen Mengen“ oder „Pro Person nur zwei Packungen“ – solche Schilder hängen mittlerweile an den Regalen fast aller Drogeriemärkte und vieler Supermärkte und Discounter. Bei einem Discounter in Fulda ist feuchtes Toilettenpapier ausverkauft. Bei dm und Müller in der Bahnhofstraße sind einige Sorten Toilettenpapier vergriffen. Bei Rossmann in der Straße herrscht ohnehin Ausverkauf: Der Markt schließt Ende dieser Woche.

Hamsterkäufe in Fulda gehen wieder los: Ansturm auf Nudeln, Mehl und Toilettenpapier

Sebastian Bayer, als dm-Geschäftsführer verantwortlich für das Ressort Marketing + Beschaffung, berichtet, dass es eine erhöhte Nachfrage nach Toilettenpapier, Desinfektionsmitteln sowie Seife gibt. „Darauf sind wir gut vorbereitet. Die Artikel sind weiter in unseren dm-Märkten verfügbar. Zudem ist in unseren Verteilzentren ausreichend Ware vorhanden, und auch unsere Industriepartner halten weitere Mengen für uns bereit“, sagt Bayer.

Vielen Märkte geben nur begrenzte Mengen Toilettenpapier ab.

Einen „gewissen Herdentrieb“ beobachtet Martin Hartung, Inhaber von Edeka-Hartung in Eichenzell, seit vergangenem Wochenende bei seinen Kunden: „Ein Kunde nimmt zwei Pakete Toilettenpapier. Der zweite Kunde sieht das und packt auch zwei Pakete in den Wagen.“ Auch Mehl werde verstärkt gekauft.

Toilettenpapier in Fuldas Supermärkten vergriffen: Inhaber reagieren mit Regeln

Bei Rewe in Eiterfeld wird viel mehr Toilettenpapier als sonst gekauft, berichtet Marktmanagerin Romina Loewenthal. Gleiches gilt für Edeka-Schwan in der Boyneburgstraße in Fulda:„Die Regale mit Toilettenpapier sind komplett leer“, sagt Azubi Riko Menz. Bei Edeka-Melzer in der Paul-Klee-Straße in Fulda sind einige Regale mit Toilettenpapier leergekauft. „Bei zwei Sorten stockt sogar schon die Nachlieferung. Ansonsten läuft der Nachschub gut“, sagt Patrick Melzer von der Marktleitung.

Von einer verstärkten Nachfrage, die sich aber noch im Rahmen halte, berichtet Dieter Hahner von Edeka-Hahner in Künzell: „Einige Artikel wie Nudelprodukte, Konserven und Toilettenpapier werden mehr gekauft, aber nicht in dem extremen Ausmaß, das wir im April gesehen haben. Der Kunde kauft statt einer Dose zwei Dosen, aber nicht 20.“ Leere Regale gebe es bei ihm nicht, die Vorräte seien groß, sagt Hahner.

Video: Deshalb sollten Sie keine Hamsterkäufe machen

Von einer entspannten Lage berichtet ebenso Kai Grasmück von Rewe-Grasmück in Fulda. „Es gibt keine verstärkte Nachfrage nach bestimmten Produkten, unsere Regale sind alle gut gefüllt.“

Die Tegut-Zentrale teilt mit, es gebe zwar „keine flächendeckende Veränderung des Einkaufsverhaltens der Kunden“, allerdings komme es „vereinzelt in einigen Regionen und bei einigen Warengruppen wie bei Hygieneartikeln oder Nährmitteln zu einer höheren Nachfrage“. Tegut-Sprecher Matthias Pusch beruhigt: „Diese Steigerung wird problemlos von den Lieferketten aufgefangen. Es gibt aus unserer Sicht auch künftig keinen Grund, zusätzliche Vorräte anzulegen. Die Warenversorgung ist stabil. Lagerbestände sind ausreichend vorhanden.“

Hersteller beruhigt

Für Hamsterkäufe von Klopapier und Co. gibt es aus Sicht des Hygienepapierherstellers Fripa aus dem unterfränkischen Miltenberg keinen Grund. „Deutschland ist mit Hygienepapier sehr gut versorgt, die Lieferketten funktionieren“, sagt Verkaufsleiter Jürgen Fischar. Die Verbraucher müssten sich keine Sorgen machen, Produzenten wie Fripa, Essity und Sofidel arbeiteten auch in der Corona-Pandemie. „Es wird keine Unterversorgung geben, solange sich der Verbraucher normal verhält.“ Fripa fahre derzeit mit seinen 450 Mitarbeitern teils Sonderschichten, um den Bedarf zu decken.

Er sehe aber bereits hier und da, dass in den Märkten Hygieneartikel verstärkt gekauft würden, sagt der Verkaufsleiter. „Wir haben eine ähnliche Situation wie im März.“ Zu Beginn der Corona-Krise waren die Umsätze mit Toilettenpapier in Drogerien und größeren Supermärkten rasant in die Höhe geschnellt. Auch bei Fripa sei die Nachfrage gestiegen, um wie viel, sagte Fischar nicht.

Der Einzelhandel gibt erst einmal Entwarnung, auch wenn etwa in Drogerien wieder Schilder hängen, dass pro Haushalt nur noch zwei Packungen Toilettenpapier gekauft werden dürfen. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge will sich rund jeder zehnte Verbraucher in Deutschland in den kommenden Wochen verstärkt mit Toilettenpapier, Nudeln und anderen Waren des täglichen Gebrauchs eindecken. Fast zwei Drittel (64 Prozent) sagten hingegen, sie schlössen derartige Hamsterkäufe ausdrücklich aus.

Von einer erhöhten Nachfrage nach Artikeln aus dem Trockensortiment und dem Hygienebereich berichten auch die Sprecher von Aldi und Lidl. Die Warenversorgung sei aber sichergestellt. „Es besteht keine Notwendigkeit für Hamsterkäufe“, sagt Lidl-Sprecherin Isabel Lehmann. Auch Aldi-Sprecher Tobias Neuhaus versichert: „Für Hamsterkäufe gibt es keinerlei Anlass. Wir sind auf eine steigende Nachfrage vorbereitet und erwarten derzeit keine Einschränkungen bei der Verfügbarkeit.“

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