Anton Möller vor der Krippe im Kursana.
+
Anton Möller vor der Krippe im Kursana.

Optimistisch trotz Pandemie

Anton Möller (95) spielt heute an Heiligabend im Seniorenheim ein Jubellied – viel schlimmere Weihnachten erlebt

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
    schließen

Normalerweise hat Anton Möller (95) an Heiligabend volles Haus. Es ist in den Jahren, in denen er nun im Seniorenheim Kursana in Künzell lebt, fast Tradition geworden, dass seine Verwandtschaft ihn an diesem Tag mit rund 30 Leuten besucht. 2020 geht das wegen der Pandemie nicht. Trotzdem bleibt er optimistisch.

Fulda/Künzell - „Ich kann mich nicht beklagen“: Diesen Satz sagt Anton Möller häufig. Corona sei eine Katastrophe, „aber da müssen wir jetzt halt durch“. Der 95-Jährige ist froh, dass es im Kursana Domizil in Künzell noch keinen Corona-Fall gab. Er ist ein sehr positiver Mensch, keiner, der die Situation in der Pandemie beklagt oder gar bejammert. Er hat ganz andere Zeiten erlebt.

Heiligabend im Seniorenheim: Anton Möller (95) spielt Jubellied - schlimmere Weihnachten erlebt

„Wenn ich an Weihnachten denke, dann denke ich vor allem an das Jahr 1944, als ich Heiligabend in Belgien an der Front war und jede Minute mit dem Tod rechnen musste.“ Das sei ein Weihnachten gewesen, das er niemals vergessen könne. Damals war er kaum 19 Jahre alt. 

Jetzt, Jahrzehnte später, ereilt die Welt eine ganz andere Gefahr. Angst vor dem Coronavirus hat Anton Möller nicht – weil er als gläubiger Mensch auch keine Angst vor dem Tod habe. Das bekräftigt er, wie es seine Art ist, mit einem humorigen Gedicht:

„Vor dem Tod sich fürchten hat gar keinen Zweck, man erlebt ihn nicht – denn, wenn er kommt, ist man weg. Doch schließlich kommen einmal alle an die Reih’, und in 50 Jahren ist alles vorbei.“ 

Doch bis es so weit ist, will Anton Möller stets „seinen Beitrag leisten“, wie er es ausdrückt – sei es damals als Organist im Petersberger Ortsteil Steinau, als langjähriges aktives Mitglied der Feuerwehr, jetzt als Teil des Einrichtungsbeirats im Kursana oder auch als Motivator im Pflegeheim.

Dort höre er häufig von Mitbewohnern, dass sie nach Hause möchten. Er frage dann immer: „Was wollt ihr zu Hause? Da seid ihr allein.“ Für einen alleinstehenden Senior sei ein Pflegeheim „nur zu empfehlen“. Und das sagt er, obwohl er eine große Familie hat: vier Kinder, neun Enkel und vier Urenkel.

Sie wollten ihn über Weihnachten nach Hause holen, das lehnte er aber ab. Denn: Wenn er dann wieder zurückkommt, muss er fünf Tage lang in Corona-Quarantäne auf seinem Zimmer bleiben. „Das kam für mich nicht in Frage“, sagt er. Er habe eine tolle Familie, auf die er stolz ist.

„Die letzten drei Jahre sind sie an Heiligabend immer mit Kind und Kegel gekommen und haben mich besucht. Wir haben dann in einem extra Raum gesessen, gesungen und Plätzchen gegessen.“ In diesem Jahr ist das durch Corona undenkbar. Besuch ist im Kursana aber möglich. „Es gibt feste Termine. Meine Kinder kommen abwechselnd, jedes an einem anderen Tag“, sagt Möller.

Weihnachten ist für ihn ein ganz besonderes Fest. Die katholische Kirche bedeutet ihm viel. 78 Jahre lang war er Organist. Jetzt musiziert er im Kursana. Mehrmals in der Woche spielt er für sich und seine Mitbewohner Akkordeon, Klavier und Melodica – seit Corona geht das aber nur noch auf der Station, auf der er selbst wohnt.

Auch an Heiligabend möchte er spielen. Eines seiner liebsten Weihnachtslieder ist „Auf Christen, singt festliche Lieder“. Wenn er das erzählt, breitet er die Hände aus, so als wolle er die Melodie am liebsten gleich anstimmen. Seine Augen leuchten. Es ist ein Lied, das gut zu ihm passt: ein Jubellied, das zuversichtlich stimmt und das Positive betont. Eben genau das, was in der Coronazeit so selten geworden ist und doch so wichtig bleibt. 

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema