Trotz der Corona-Pandemie: Nähe ist in einem Hospiz ist wichtig.
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Trotz der Corona-Pandemie: Nähe ist in einem Hospiz ist wichtig. (Symbolfoto)

Nähe in Zeiten der Pandemie

Fulda: Wenn Corona an Bedeutung verliert - Hospizleiterin Dagmar Pfeffermann gibt Einblicke in ihren Beruf

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Seit Beginn des Jahres dreht sich die Welt um Corona. Doch es gibt Orte, an denen es wichtiger ist, jeden Augenblick des Lebens wertvoll zu machen, als sich zu sorgen. Zum Beispiel das Hospiz St. Elisabeth in Fulda. Leiterin Dagmar Pfeffermann gibt Einblicke in ihren Beruf während der Pandemie. 

Fulda - Während Besuche in Krankenhäusern und Pflegeheimen durch die Corona-Pandemie stark eingeschränkt, wenn nicht sogar untersagt waren, stand das Hospiz St. Elisabeth in Fulda für Besucher offen. Und das, obwohl die dort lebenden Menschen zur Risikogruppe gehören. Der Grund dafür liegt in der Besonderheit dieses Ortes: Das Hospiz ist eine Einrichtung, in die Menschen zum Sterben kommen, in der Menschen das Virus, das die Welt derzeit in Atem hält, hinter sich lassen und ihre letzten Tage erleben. Dieser Ort bietet die Möglichkeit, der Pandemie die Stirn zu bieten, ihr zu sagen: Es dreht sich nicht alles nur um dich.

Fulda: Dagmar Pfeffermann berichtet vom Umgang im Hospiz mit Corona

„Bei uns ist alles ein bisschen anders“, sagt Dagmar Pfeffermann. Die Menschen, die hier im Hospiz wohnten, wüssten genau um ihre Krankheit und die damit verbundene Nähe zum Tod. Das verändere die Situation.

Statistisch gesehen lebten Hospizgäste etwa drei Wochen in einer solchen Einrichtung, ehe sie sterben. „Wir sind deswegen nachsichtiger, weil wir wissen, dass unsere Gäste nicht mehr lange Zeit haben.“ Die 59-Jährige leitet aus einem bekannten Leitspruch eine Haltung ab: „Wir wollen dem Leben nicht mehr Tage geben. Wir wollen dem Tag mehr Leben geben – trotz Corona.“

Das bedeutet, dass den Hospizgästen so viel Lebensqualität für die ihnen noch verbleibende Zeit geschenkt werden soll, wie es nur möglich ist. Dazu zählt insbesondere, von geliebten Menschen umgeben zu sein – etwas, das Corona seit Monaten zum Leidwesen aller erschwert. Im Hospiz jedoch sei es möglich, diese Regeln weitestgehend zu brechen. Denn die Nähe zu Vertrauten ist es, die in einer solchen letzten Phase eines Lebens für die Hospizgäste wertvoll ist, die ihnen gut tut, so kurz vor ihrem Tod. Aus diesem Grund, so Pfeffermann, sei es den Gästen möglich, fast uneingeschränkt Besuch zu empfangen.

St. Elisabeth Hospiz in Fulda: Besuchswünsche der Hospizgäste werden respektiert

Die 59-Jährige macht zwar deutlich, dass man auch im Hospiz darauf achte, dass nicht mehr als zwei Personen gleichzeitig bei einem der Gäste zu Besuch sind, dass jedoch jegliche Besuchswünsche des Gastes berücksichtigt und respektiert werden. Die gängigen Corona-Regeln – etwa Maske-Tragen, Hände desinfizieren, Abstand zu anderen Personen halten – würden jedoch trotzdem gelten. Auch ein Kontaktpersonenprotokoll werde geführt.

Hospizleiterin Dagmar Pfeffermann spricht über ihren Beruf in Corona-Zeiten.

Auf das Wort Gast macht die Leiterin besonders aufmerksam. „Wir möchten die Menschen in unserer Einrichtung eben auf ihrem letzten Weg wie Gäste behandeln – und wie behandelt man Gäste?“, fragt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. „Im Hospiz legen wir einfach einen anderen Schwerpunkt.“ Befinde sich eine Person im aktiven Sterbeprozess, würden jedoch selbst die milden Reglementierungen, die derzeit im Hospiz gelten, aufgehoben. Dann dürften etwa auch mehr als zwei Personen gleichzeitig bei dem Gast zu Besuch sein.

All dies bedeute allerdings keineswegs, dass Corona ansonsten kein Thema in der Einrichtung sei. Die Pandemie mache den Alltag aufwendiger, sagt die 59-Jährige. Sie glaubt, dass Menschen, die in der Pflege arbeiteten, vielleicht sogar sensibler im eigenen Umgang mit dem Virus seien, als andere. „Wir haben gegenüber dem Hospiz ja eine Verantwortung“, sagt Pfeffermann. Privat halte sie sich daher stark zurück. Und auch von ihren Mitarbeitern wisse sie, dass sie die Situation im privaten Bereich sehr ernst nehmen.

Pandemie hat Einfluss auf die Arbeit - Maske und Schutzanzug erschweren Kontakt

Während der Arbeit zeigt sich der Einfluss der Pandemie ebenso. Nicht nur, dass die Pflegekräfte stets Maske und einen Schutzanzug im direkten Kontakt tragen müssen, auch das soziale Leben in der Einrichtung leide.„Manches kann man einfach nicht schönreden“, sagt Pfeffermann. (Lesen Sie hier: Die Situation auf den Intensivstationen in Fulda ist angespannt)

Die Mitarbeiter vermissten außerdem die Supervisionen. Vieles, was man als Pflegekraft im Hospiz sehe, sei belastend, sagt Geschäftsführer Ansgar Erb. Ins Gespräch kommen sei daher für viele Mitarbeiter wichtig, momentan jedoch nicht möglich. Online-Konferenzen seien bei Themen wie Leben, Leiden, Sterben und Tod keine Alternative zu Gesprächen von Angesicht zu Angesicht.

Den Hinterbliebenen der Verstorbenen hingegen fehlten vor allem die Erinnerungstreffen und der Austausch mit Menschen, die ebenfalls eine geliebte Person verloren haben. Auch solche Begegnungen seien momentan nicht möglich.

Corona im Hospiz: Bislang noch kein Fall in St. Elisabeth in Fulda

Jene, die sich weitestgehend unberührt vom Thema Corona zeigten, seien die Hospizgäste selbst, hat die Leiterin festgestellt. „Corona interessiert sie eigentlich nur im Hinblick auf die Besuchsregelungen“, sagt Pfeffermann.

Bisher habe es im Hospiz noch keinen Corona-Fall gegeben. Sollte sich dies ändern, sei jedoch auch dort eine Quarantäne unvermeidbar. „Wir sind mit viel Glück durch diese Zeit gegangen.“ Doch trotzdem: Der Blick auf den Tag X, wie Pfeffermann ihn nennt, verbindet sich mit einem Gefühl des Unbehagens. Auf die Grundstimmung wirke sich Corona im Hospiz jedoch nicht aus, betont die 59-Jährige. „Wir können es nicht ändern, also müssen wir uns arrangieren.“

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