Seit Sonntag ist der Kreis Fulda Corona-Hotspot. Der Landkreis hat daher eine neue Allgemeinverfügung erlassen, die ein Alkoholverbot und eine Maskenpflicht an bestimmten Plätzen - wie dem Universitätsplatz - vorschreibt.
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Seit Sonntag ist der Kreis Fulda Corona-Hotspot. Der Landkreis hat daher eine neue Allgemeinverfügung erlassen, die ein Alkoholverbot und eine Maskenpflicht an bestimmten Plätzen - wie dem Universitätsplatz - vorschreibt.

Seit Sonntag Hotspot

Rätseln um die Corona-Inzidenz: Warum sind die Fallzahlen im Kreis Fulda so hoch?

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Nirgendwo in Hessen ist die Zahl der Corona-Infektionen so hoch wie im Landkreis Fulda. Das war schon vor Weihnachten so. Auf die Frage nach dem Warum gibt es keine einfachen Antworten. Ein Grund könnte die Omikron-Variante sein.

Fulda - Dienstagmorgen 420,6 Neuinfektionen pro Woche pro 100.000 Einwohner, am Tag zuvor 403,1. Beide Werte sind beinahe doppelt so hoch wie der Hessen-Schnitt der vergangenen Tage. Unter Hessens Kreisen steht Fulda seit dem 21. Dezember fast durchgängig auf Platz 1.

Seit dem 30. Dezember liegen die Fuldaer Corona-Werte über 350 – dem Wert, bei dem das Land seit Mitte Dezember schärfere Maßnahmen fordert. Zwischen 3. und 14. Dezember lagen die Fuldaer Infektionswerte schon einmal durchgängig über 350, an sechs Tagen sogar über 400.

Als die Fuldaer Werte im Hessen-Vergleich vor einem Jahr schon einmal besonders hoch waren, war eine Ursache, dass in Osthessen besonders viel getestet wurde. Ob das auch jetzt wieder ein Grund sein könnte, ist unklar, denn von den Gesundheitsämtern werden in Quarantänefällen jetzt deutlich weniger Tests angeordnet als vor einem Jahr. Die freiwilligen Tests werden aber nicht gezählt.

Fulda als Corona-Hotspot: Woher kommen die hohen Fallzahlen?

Ein möglicher Grund für die hohen Zahlen in Fulda ist die Nähe zu Thüringen – einem Infektions-Hotspot in Deutschland. An jedem Arbeitstag pendeln mehrere Tausend Arbeitnehmer aus Thüringen in den Landkreis Fulda. Aber: Schon im Oktober und November waren die Zahlen in Thüringen sehr hoch, und die Werte im Kreis Fulda lagen im Hessen-Schnitt. Der aktuelle Anstieg in Fulda nach Weihnachten fällt in eine Zeit, in der wegen der Feiertage weniger Thüringer in Fulda arbeiten.

Räumliche Schwerpunkte bei den Infektionen gibt es nicht, meldet der Landkreis. Aber es gibt Schwerpunkte bei den betroffenen Altersgruppen. „Besonders hoch sind die Inzidenzen in der Altersgruppe der 11- bis 30-Jährigen: In der Woche nach Weihnachten lag sie bei rund 635. Die Inzidenzen nach Altersstruktur gliederten sich wie folgt auf: Unter 10-Jährige: 493, 11-bis 20-Jährige: 628, 21- bis 30-Jährige: 639, 31- bis 40-Jährige: 576, 41- bis 50-Jährige: 524, 51- bis 60-Jährige: 354, 61- bis 70-Jährige: 245, 71- bis 80-Jährige: 180, über 80-Jährige 183“, meldet der Landkreis.

Der Landkreis sieht einen Grund für den Anstieg im Auftauchen der Omikron-Variante. „Im Landkreis Fulda liegt der zweite bestätigte Fall der Omikron-Variante vor. Zudem gab es in den vergangenen Tagen 140 weitere Verdachtsfälle auf die Omikron-Variante. Der starke Anstieg der Corona-Zahlen der vergangenen Tage dürfte damit auch auf die Omikron-Variante zurückzuführen sein“, sagte Sprecherin Lisa Laibach am Montag.

Video: Die aktuelle Corona Lage in Hessen (4. Januar 2022)

Als Reaktion auf die hohen Zahlen gilt inzwischen auf vielen Plätzen im Kreis ein Alkoholverbot. In einigen Fußgängerzonen ist die FFP2-Maske Pflicht. Die betroffenen Kommunen unterstützen das: „Das über die Allgemeinverfügung des Landkreises verhängte Verbot des öffentlichen Alkoholkonsums an bestimmten Stellen in der Innenstadt kann ein Baustein sein, um die derzeit hohen Covid-19-Infektionszahlen in der Region zu verringern“, äußert die Stadt Fulda.

Sind zu wenige Impfungen der Grund?

Bundesweit wird darauf verwiesen, dass die Infektionszahlen in den Kreisen in Südbayern und Ostsachsen besonders hoch sind, in denen die Impfquoten niedrig sind. Sind im Landkreis Fulda vielleicht sehr wenige Menschen geimpft?

Genaue Zahlen gibt es nicht. Bei den Meldungen der in Hessen vorgenommenen Corona-Impfungen an das RKI wird nur die Postleitzahl der Impfstelle erfasst, nicht die PLZ des geimpften Bürgers. „Deshalb ist es nicht möglich, wirklich valide Impfquoten auf Stadt- oder Landkreisebene auszuweisen, weil sich ein Großteil der Bürger nicht im Wohnort impfen lässt“, erklärt das Sozialministerium. Diese Aussage dürfte vor allem für die Impfzentren gelten. Viele Vogelsberger ließen und lassen sich in Fuldaer Krankenhäusern impfen.

Allerdings: Die Kassenärztliche Vereinigung erhebt die Zahl der Impfungen durch die niedergelassenen Haus- und Fachärzte. Diese Zahl hat einen stärkeren Bezug zum Wohnort, da die meisten Menschen ihren Hausarzt entweder im eigenen Ort oder einem Nachbarort haben dürften.

Hier zeigt sich: Die Impfquote in Fulda liegt sogar etwas über dem Hessenschnitt. Hessenweit haben die niedergelassenen Ärzte pro 100 Einwohner von April bis Weihnachten 78,8 Impfungen vorgenommen. In Fulda liegt der Wert mit 80,7 etwas über dem Schnitt. Im Vogelsberg (72,4) und Main-Kinzig (71,3) liegt er niedriger, in Hersfeld-Rotenburg (89,2) liegt er höher. Auch in Frankfurt (74,2) und Kassel (56,2) wird durch Hausärzte wenig geimpft. / vn

„Bei der aktuell sehr hohen Inzidenz im Kreis ist eine Reduzierung der Kontakte unbedingt geboten. Jede Maßnahme, die zur Kontaktreduzierung beiträgt, führt dazu, dass sich weniger Infektionen ereignen“, erklärt die Gemeinde Petersberg. Hier gilt das Alkoholverbot unter anderem am Rathausplatz, am Rauschenberg und am Haunestausee.

Großenlüders Bürgermeister Florian Fritzsch (SPD) stimmt zu: „Im Zuge des sehr dynamischen Infektionsgeschehens und der prognostizierten Omikron-Welle sind alle Maßnahmen, die zur Begrenzung von Kontakten und deren Intensität beitragen, willkommen und zu begrüßen.“ Hier gilt das Alkoholverbot auf dem Vorplatz des Stiftskapitularischen Amtshauses.

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