Blutspende lohnt sich aus mehreren Gründen
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Im Zuge der Corona-Lockerungen werden die Vorräte an Blutkonserven knapp.

Trotz Impfung spenden

Bis zum letzten Tropfen: Mit Corona-Lockerungen werden die Blutkonserven knapp

  • Alina Komorek
    VonAlina Komorek
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Die Blut-Spendentermine vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Fulda sind ausgebucht. Trotzdem werden die Vorräte an Konserven mit den Corona-Lockerungen knapp. Urlaubsreisen und nachgeholte Operationen sind Gründe, erklären die Krankenhäuser und das DRK.

Kreis Fulda - Normalerweise soll der Vorrat an Blutkonserven des DRK deutschlandweit für drei Tage reichen, denn diese haben eine begrenzte Haltbarkeit. Rote Blutkörperchen überdauern nur etwa 6 Wochen, deshalb sind ständig neue Blutspenden notwendig.

Aktuell aber würden die Konserven in ganz Deutschland nur für einen Tag reichen, sagt Dr. Andreas Opitz, ehrenamtlicher Vize-Präsident des DRK-Kreisverbandes Fulda und Ärztlicher Geschäftsführer des DRK-Blutspendedienstes Rheinland-Pfalz und Saarland. „Die Lage ist extrem dramatisch.“

Fulda: Corona-Lockerungen wirken sich aus - Blutkonserven werden knapp

Er erklärt, dass die Spendenbereitschaft im Landkreis derzeit noch recht hoch sei. Das bedeute aber nicht, dass jederzeit genug Blutkonserven vorrätig seien. „Das ist wie bei einer Dürre. Danach muss es erst einmal eine Weile regnen, bis wieder genug Wasser da ist“, sagt Opitz.

Denn die Reserven des Blutspendedienstes in Kassel, von wo aus die hiesigen Krankenhäuser beliefert werden, werden zur Zeit schon knapp. Deshalb sollte weiterhin gespendet werden. (Lesen Sie hier: Helmut Schneider aus dem Kreis Fulda war 218 Mal Blut spenden)

Ein Sommerloch gebe es immer, erklärt Opitz. „Das ist erklärbar durch die Urlaubszeit. Aber die Lockerungen der Corona-Maßnahmen haben dazu geführt, dass die Leute andere Sachen im Kopf haben, als zur Blutspende zu gehen.“ Mit weitreichenden Folgen - denn das Blut wird benötigt, teilweise sogar dringender als während des Lockdowns.

„Das Blut wird weiterhin verbraucht. Die Krankenhäuser erleben nun einen Stau an Operationen“, sagt Opitz. Länger geplante Eingriffe würden jetzt, wo sich die Lage in den Krankenhäusern entspannt hat, nachgeholt. Dadurch steige der Bedarf an Blutkonserven, bei gleichzeitig sinkenden Spendenzahlen.

„Im vergangenen Jahr, dem ersten Jahr der Pandemie, war der Verlauf ähnlich“, beschreibt Opitz. 2020 gab es nach seinen Angaben zunächst viele Blutkonserven in der Reserve, im zweiten Halbjahr aber gingen im Zuge der Lockerungen die Spendenzahlen und damit die Reserven wieder runter.

„Schwankungen haben wir immer, aber nicht in dieser Form“, sagt Opitz. Deshalb ließen sich die Jahre vor der Pandemie auch nicht mit den Corona-Jahren vergleichen. „2020 und 2021 waren eine Berg- und Talfahrt. Aber jetzt sehen wir den Grund. Wir müssen gerade an die letzten Reserven gehen.“

Der Vize-Präsident des DRK-Kreisverbandes Fulda hofft, dass die Spendenzahlen bald wieder steigen. Entwarnung gibt Opitz für Spenden nach der Impfung: „Nach der Impfung muss die Blutspende nicht zurückgestellt werden - es sei denn, es kommt zu starken Impfreaktionen.“ (Lesen Sie auch: Krankenhäuser müssen mehr Daten zu Corona-Patienten sammeln)

Andreas Opitz (DRK) gibt Entwarnung: Blutspende auch nach Impfung möglich

Die Krankenhäuser im Kreis haben noch keine dramatische Knappheit bei den Blutkonserven zu verzeichnen. Allerdings liegt dies daran, dass die Reserven der Blutspendedienste in die Krankenhäuser geliefert werden, eben damit die Blut-Depots der Krankenhäuser weiterhin gefüllt bleiben. „Theoretisch kann jetzt in Fulda ein großer Unfall mit mehreren Schwerverletzten reinkommen und schon werden die Vorräte in Fuldas Krankenhäusern knapp“, sagt Opitz.

Dr. Heike Weißer, Direktorin des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Klinikum Fulda, teilt mit, dass es in der Ferienzeit insbesondere für die Blutgruppe 0 Rhesus negativ zu gewissen Einschränkungen in der Belieferung komme. „Diese konnten aber in der Vergangenheit am Klinikum Fulda immer ohne relevante klinische Einschränkungen durch frühzeitige Behandlung kompensiert werden.“ Aktuell sei die Versorgung mit Blutprodukten sichergestellt.

Video: Blutspenden in Zeiten der Coronapandemie: Was zu beachten ist

Auch die Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld vermeldet keinen dramatischen Rückgang der Blutkonserven. „Auch Nachlieferungen erfolgen problemlos.“ Dass mit der Reisezeit jährlich die Anzahl der verfügbaren Blutkonserven zurückgeht, bestätigen die Mitarbeitenden im Labor.

Spenden

Die nächsten Blutspende-Termine des DRK sind am Montag, 2. August, und am Dienstag, 3. August, von 14 bis 19 Uhr im Katholischen Pfarrzentrum St. Bonifatius (Kirchstraße 10) in Fulda-Horas und am Freitag, 6. August, im Bürgerhaus in Künzell-Dietershausen (Bergstraße 2), von 15.45 bis 20 Uhr.

Anmeldung im Internet unter terminreservierung.blutspende.de

Dr. Rüdiger Hacker ist Chefarzt der Anästhesie am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda. Er vermeldet keine Knappheit der Blutkonserven. „Der Blutspendedienst Kassel hatte vor ein paar Wochen angemerkt, dass manche Blutgruppen knapp wurden – da waren die seltenen Blutgruppen 0 Rhesus negativ und A Rhesus positiv betroffen. Wir hatten aber immer genug im Haus“, sagt Hacker.

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