Während der Corona-Pandemie sind in dieser Kirche Sitzreihen abgesperrt.
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Auch die Kirchen treffen Maßnahmen: Während der Corona-Pandemie sind in dieser Kirche zum Beispiel Sitzreihen abgesperrt (Symbolbild).

Erste Absagen in der Region

Kirche trotz Corona? Debatte um Gottesdienste zu Weihnachten geht weiter - Das sagt Fuldas Bischof

Der Kirchgang zählt an Heiligabend zur Tradition, doch in der Corona-Pandemie kann nur eine begrenzte Zahl von Gläubigen diesen auch antreten. Wenn überhaupt: Denn die Debatten um Gottesdienste an Weihnachten halten an. Neben den erlaubten Präsenzgottesdiensten gibt es aber Alternativen.

Region - Die Politik erlaubt Gottesdienste unter strengen Corona-Regeln. Die katholischen Bistümer halten an den Messen zu Weihnachten fest. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, appellierte an die Eigenverantwortung der Katholiken und ermunterte zur Teilnahme an digitalen oder den im Radio und Fernsehen übertragenen Gottesdiensten. Es sei aber wichtig, dass die Gottesdienste an den Festtagen unter bestimmten Auflagen gefeiert werden können.

Kirche ja oder nein? Debatte um Gottesdienste zu Weihnachten trotz Corona dreht weiter

Die 135 Plätze im Fuldaer Dom waren bereits nach 90 Minuten ausgebucht, wie Robert Eberle, Pressesprecher des Bistums Fulda, mitteilt. Wilhelm Hammann, Dekan des Schlüchterner Kirchenkreises, appelliert im Hinblick auf die Corona-Infektionen: Osthessen dürfe durch Weihnachten nicht das nächste Ischgl werden. Die evangelischen Kirchengemeindem im Altkreis Schlüchtern sagen alle Präsenzgottesdienste zu Weihnachten ab.

Einige evangelische Landeskirchen plädieren generell für die Absage öffentlicher Veranstaltungen wegen Corona. Die Evangelische Kirche von Westfalen – die viertgrößte der evangelischen Landeskirchen – empfahl bis 10. Januar und damit auch über die Weihnachtsfeiertage auf alle Präsenzgottesdienste und andere kirchliche Versammlungen zu verzichten. Angesichts der ernsten Lage sei es ein Gebot der Vernunft und der Nächstenliebe, Treffen zu vermeiden.

Auch in der Region sind bereits Gottesdienste abgesagt worden. Die Christuskirche sagt etwa alle Präsenzgottesdienste ab und der größte geplante Open-Air-Gottesdienst mit 500 Teilnehmern im Fuldaer Stadion findet auch nicht statt. „Damit halten wir uns an die Richtlinie der evangelischen Landeskirche, die eine maximale Teilnehmeranzahl von 200 empfiehlt“, erklärt Stefan Bürger, Pfarrer der Kreuzkirche. Der Gottesdienst war zusammen mit der Lutherkirche und dem Kloster Frauenberg geplant. Es hatten sich bereits 266 Menschen angemeldet.

Bischof Michael Gerber: Verzicht üben und Distanz wahren - um der Liebe willen

Für Dr. Michael Gerber (50), Bischof des Bistums Fulda, bedeutet Weihnachten 2020 als Fest der Liebe „Verzicht üben und Distanz wahren – um der Liebe willen“, wie er im kurzen Interview erklärt. (mic)

Fuldas Bischof Dr. Michael Gerber-
Wie wichtig sind Alternativen für Menschen, die Gottesdienste nicht besuchen können?
Die Livestream-Gottesdienste haben enorme Bedeutung bekommen. Ich verbinde damit die persönliche Erfahrung, dass sich auch da eine regelrechte Gemeinde herausbildet. Das ist nicht einfach Medienkonsum, sondern ein echtes Mitfeiern. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass es diese Möglichkeit gibt. Was mir aber ebenso wichtig ist: Dass es eine Live-Übertragung ist. Es braucht diese innere Verbindung zwischen dem Gottesdienst, der in diesem Moment gefeiert wird, und den Personen, die zu Hause mitfeiern. „Weihnachten ist heute – in dieser Stunde.“ Diese Botschaft soll auch am heimischen Bildschirm spürbar werden.
Das Fest der Liebe muss in diesem Jahr mit Abstand gefeiert werden. Widerspricht sich das nicht?
Wie drückt sich Liebe aus? Seit Kindesbeinen an haben wir in unseren Familien Rituale und Traditionen gelernt, eingeübt und gepflegt, wie wir Weihnachten als „Fest der Liebe“ feiern. Jetzt stellt sich diese Frage ganz neu: Was ist in diesem Jahr ein Zeichen von Liebe? Eine Antwort ist ganz sicherlich: Christliche Nächstenliebe heißt aktuell auch, Distanz zu halten, um mich und andere zu schützen! Die Sehnsucht nach Nähe bleibt – aber ich wünsche uns allen, dass es uns gelingt, unsere Liebe auch dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass wir Verzicht üben. Jede echte Liebesbeziehung weiß, wie wichtig Verzicht ist. Weihnachten 2020 als „Fest der Liebe“ heißt für mich ganz klar: Verzicht üben und Distanz wahren – um der Liebe willen.
Welche Kraft können die Bürger aus dem diesjährigen Fest nehmen?
Weihnachten wird hoffentlich – trotz allem – noch mehr eine Zeit zum Aufatmen und Kraftschöpfen sein. Wir sind zu einer radikalen Entschleunigung gezwungen. Das wird zunächst auch für innere Unruhe sorgen. Aber dann wird uns das hoffentlich helfen, uns zu konzentrieren. Der Blick auf das Kind in der Krippe kann so noch intensiviert werden! Und vielleicht erinnern wir uns dabei an die eigenen Erfahrungen, wie das ist, wenn ein Baby im Haus ist: Wir werden zurückhaltender, sind weniger hektisch und passen unseren Rhythmus an das Neugeborene an. Und trotz aller Anstrengung ist da plötzlich ganz viel Kraft.

Im Video: Friedenslicht kommt in Fulda an

Alternativen

Gottesdienste im Freien: Die evangelische Christuskirche etwa wird 60 Markierungspunkte aufstellen. Bei jedem darf eine Familie stehen, höchstens fünf Personen. Generell fallen die Andachten im Freien kürzer aus. In der Innenstadtpfarrei, die ebenfalls solche Gottesdienste plant, werden sie zwischen 30 und 45 Minuten dauern. „Auch im Freien müssen die Schutzvorschriften eingehalten werden. Dies ist draußen sehr viel schwieriger zu organisieren“, verdeutlicht Robert Eberle, Pressesprecher des Bistums Fulda. Hinzu komme das Wetter-Risiko. In Gründau findet ein Autogottesdienst statt. „Auch werden in der Region Stationsgottesdienste angeboten“, ergänzt Wilhelm Hammann, Dekan des Schlüchterner Kirchenkreises. Gläubige können eine feste Route ablaufen und treffen bei jeder Station auf neue Impulse.

Livestreams: Als Schutz vor dem Coronavirus sollen besonders ältere Menschen zu Hause bleiben und auf einen Kirchenbesuch verzichten. Neben den zahlreichen Gottesdiensten, die ARD und ZDF übertragen, bieten viele Gemeinden – wie auch das Bistum Fulda – einen Livestream an. „Verschiedene Kameras, Technik für Bild und Tonregie – und das alles im Einklang mit den Corona-Schutzbestimmungen ist eine Herausforderung“, erklärt Eberle. Inzwischen gebe es aber ein eingespieltes Team und eine ermutigende Resonanz. „Viele Rückmeldungen von Menschen, die diese Gottesdienste via Livestream mitfeiern, sind von tiefer Dankbarkeit geprägt.“

Andacht im Privaten: Der Ablauf der persönlichen Andacht könne beliebig ergänzt werden, so Stadtpfarrer Stefan Buß von der Innenstadtpfarrei Fulda. Dekan Hammann ergänzt: „Auch gibt es Apps und Webseiten, die weitere Inhalte und musikalische Elemente zur Verfügung stellen.“

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