Wird die Impf-Empfehlung für Kinder zu Gruppendruck auf nicht impfwillige Schülerinnen und Schüler und deren Eltern führen?
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Das Thema Corona-Impfung von Kindern wird weiter kontrovers diskutiert. (Symbolbild)

Experte hält dagegen

„Massiv unter Druck gesetzt“: Neue Elterninitiative kritisiert Corona-Impfung von Kindern

  • Volker Nies
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Eine neue Elterninitiative im Kreis kritisiert, dass Kinder und Jugendliche gedrängt würden, sich gegen Corona impfen zu lassen. Kritisiert wird auch das Impfen in Schulen. Ein renommierter Kinderarzt sowie Stadt und Kreis als Schulträger weisen die Kritik zurück.

Kreis Fulda - Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte Mitte August Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren die Corona-Impfung empfohlen. Im Kreis Fulda haben sich bisher 4700 der 12- bis 17-Jährigen impfen lassen, die allermeisten im Impfzentrum und bei Hausärzten.

„Zusätzlich haben die Stadt und der Landkreis Fulda bei Eltern und Schülern das Interesse an einer Impfung in der Schule auf freiwilliger Basis abgefragt“, berichten Stadt und Kreis. 360 Schüler wurden im Impfzentrum geimpft, insgesamt 150 an Schul-Stützpunkten in Hünfeld, Eichenzell, Neuhof und Gersfeld. „Die unter 16-Jährigen wurden von ihren Eltern begleitetet“, berichten Stadt und Kreis. Weitere Impfungen – abgesehen von der Zweitimpfung der bereits erstgeimpften Schüler – seien nicht geplant.

Corona in Fulda: Elterninitiative kritisiert Impfung von Kindern

„Hände weg von unseren Kindern! Nein zur Covid-19-Kinderimpfung!“ Das fordert die neu gegründete „Elterninitiative Fulda – Wir sind viele“. „Bei einem Treffen in Rothemann nahmen 200 Personen teil, darunter viele Familien mit Kindern“, berichten die Sprecherinnen Christine Auth und Stefanie Seng. (Lesen Sie hier: Hohe Corona-Inzidenzen unter Schülern: Mit Ferienende stiegen die Zahlen im Kreis Fulda)

Bei dem Treffen habe „eine Art gelöste Volksfeststimmung geherrscht“, äußern sie. Auth und Seng kritisieren, dass Kinder „politisch, medial und gesellschaftlich in unzulässiger Weise beeinflusst und unter massiven Druck gesetzt werden“, damit sie einer Impfung zustimmten. Der Impfstoff sei „neuartig und experimentell“, Risiken seien weitaus höher einzuschätzen als der Nutzen.

„Jugendliche und junge Erwachsene lassen sich oft nur impfen, weil sie keinen anderen Weg sehen, weiter am öffentlichen Leben teilnehmen zu können. Dies wollen wir verhindern. Wir sehen unsere Initiative als Hilfe- und Weckruf an die Gesellschaft“, sagt Stefanie Seng. Viele Eltern trauten sich nicht, sich impfkritisch zu äußern.

Christine Auth verlangt, die Resolution des Europarats vom 27. Januar 2021 anzuwenden. Darin heißt es: „Es ist sicherzustellen, dass die Bürger darüber informiert werden, dass die Impfung nicht verpflichtend ist und dass niemand politisch, gesellschaftlich oder anderweitig unter Druck gesetzt wird, sich impfen zu lassen.“ „Wir erleben derzeit gerade das Gegenteil von dieser Resolution in unserem Land“, sagt Auth.

Kinderarzt, Stadt und Kreis weisen Kritik zurück: „Corona-Schutz sinnvoll“

Auf den Einwand, die Regierung betone, die Impfung sei freiwillig, erwidert Auth, trotz der Erklärung werde hoher Druck aufgebaut.

Prof. Dr. Hans-Iko Huppertz, Bremer Kinderarzt und Generalsekretär der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, hält die Kritik der Eltern an dem Impfstoff für unbegründet: „Der Impfstoff ist nicht experimentell. Kein Impfstoff ist wissenschaftlich so gut erprobt wie der Impfstoff von Biontech gegen das neue Coronavirus. Es gibt unzählige internationale Studien dazu.“ Die Stiko empfehle das Impfen von Kindern ab 12 Jahren. „Dieser Empfehlung schließe ich mich an.“

Am Ende gebe es, so sagt Huppertz, nur zwei Möglichkeiten: „Man ist geimpft oder man steckt sich an. Niemand, der nicht in völliger Isolierung von der Außenwelt lebt, wird sich nicht anstecken. Dann ist es besser, sich fast völlig gefahrlos die Immunität zu holen, statt über eine Erkrankung, die auch Kinder gefährden kann.“

200 Menschen – Großeltern, Eltern und Kinder – kamen zum Treffen der neuen Initiative nach Rothemann.

Huppertz räumt ein, dass es Irritationen gab, weil die Stiko die Impfung zunächst allein für Kinder mit Risikofaktoren empfahl. „Zu diesem Zeitpunkt lagen noch nicht genug Forschungsergebnisse vor. Mittlerweile haben wir insbesondere aus Israel und den USA Ergebnisse, wie Kinder die Impfung vertragen und wie wirksam sie ist.“

Zwar sei der Verlauf einer Corona-Infektion bei Kindern meist milder, dennoch gebe es gute Gründe für die Impfung, erklärt Huppertz: „Die Impfung ist sicher. Sie ist fast nie eine Gefahr. Die Infektion mit dem Virus kann für Kinder aber durchaus eine Gefahr bedeuten.“ (Lesen Sie auch: Neue Corona-Tests für Kindergarten-Kinder: Stadt Fulda führt Lolli-Tests ein)

Video: Corona-Impfung ab zwölf Jahren: Sport nach Pieks vermeiden

Die Impfung von Kindern und Jugendlichen in Schulen werde international empfohlen. „Hier erreicht man die Schüler, die nicht zum Kinderarzt gehen“, sagt der Kinderarzt. Er verstehe, dass Eltern Sorgen und Kritik äußerten: „Das Thema ist schwierig. Es sind aber leider viele Falschinformationen im Umlauf. Nicht jede Kritik ist wissenschaftlich fundiert.“

Auch Stadt und Kreis weisen die Kritik zurück: „Durch ein freiwilliges Angebot wird kein Druck ausgeübt. Entscheidend ist, dass die Impfangebote nicht auf die Schule beschränkt sind, sondern weiterhin im Impfzentrum oder beim Hausarzt möglich sind. Es war jeder Schülerin, jedem Schüler und den Erziehungsberechtigten freigestellt, ob sie das Angebot in Anspruch nehmen wollen oder nicht.“

Die neue Elterninitiative plane weitere Aktionen und ist nach eigenen Angaben unter kontakt@wir-sind-viele.info erreichbar.

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