Der Treibstoffverbrauch ist 2020 eingebrochen. (Symbolfoto)
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Der Treibstoffverbrauch ist 2020 eingebrochen.

Leere Straßen und wenig Verkehr

Corona-Lockdown: Tankstellen verkaufen weniger Kraftstoff - 2020 war eines der günstigsten Tankjahre

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Leere Straßen, weniger Verkehr: Der Treibstoffverbrauch ist 2020 eingebrochen – trotz geringer Preise. Hauptgrund für zahlreiche Tankstellenbetreiber sind die verhängten Ausgangssperren und die Corona-Pandemie. 

Region - „Ab 20 Uhr sind die Straßen bereits leergefegt“, verdeutlicht Andreas Grübner, Stationsleiter der Shell-Tankstelle in der Frankfurter Straße in Fulda. Wie eine Umfrage unserer Zeitung zeigt, ist die Nachfrage im Landkreis Fulda, Vogelsbergkreis und Main-Kinzig-Kreis nach Benzin und Diesel in Zeiten des Corona-Lockdowns deutlich zurückgegangen. „Logischerweise“, findet eine Mitarbeiterin der Aral-Tankstelle in Großenlüder und nennt neben der Ausgangssperre das Homeoffice als Hauptgrund. Als Folge dessen haben die meisten Betreiber ihre Öffnungszeiten angepasst und schließen bereits um 20 oder 21 Uhr.

Tankstellen verkaufen weniger Kraftstoff im Corona-Lockdown: 2020 war eines der günstigsten Tankjahre

Etwas deutlicher wird Inhaber Werner Kress, der seit 25 Jahren die bft-Tankstelle in Steinau an der Straße betreibt. „Im Winter wird generell weniger Kraftstoff verkauft. Aktuell liegt der Rückgang allerdings bei circa 25 Prozent.“ Eine stattliche Summe. Um die Existenz müssen aber die wenigsten Tankstellenbetreiber fürchten, verdeutlicht die Mehrheit der Befragten.

Dies liegt unter anderem daran, dass der Verkauf nicht mehr zum Hauptgeschäft einer Tankstelle gehört. Pächter sind über ein Provisionssystem beteiligt, die Provision des verkauften Benzins selbst fällt jedoch minimal aus. (Lesen Sie hier: Nach Chaos in der Rhön: Zufahrten zur Wasserkuppe und touristische Parkplätze werden am Wochenende gesperrt)

Den Großteil ihrer Einnahmen beziehen die Pächter über das Bistro und den Verkauf von sogenannten Convenience-Produkten. Dazu gehören Getränke, Kaugummis oder Schokoriegel. „Wir haben viele Stammkunden, weshalb im Bereich des Bistros der Umsatz nicht so stark wie an der Zapfsäule zurückgegangen ist“, ergänzt Kress.

Schlimm sei es allerdings im ersten Lockdown im März gewesen, als sich viele Menschen ins Private zurückzogen. „Erst nach zwei Wochen ist das Geschäft wieder besser angelaufen“, heißt es aus der bft-Tankstelle. Trotz des Geldes, das am Ende des Tages in der Kasse fehle, fügt Grübner von der Shell-Tankstelle in Fulda hinzu. So dient für viele Menschen in den Abendstunden die Tankstelle als Kiosk, aber auch das Alkoholverbot in der Öffentlichkeit macht sich bemerkbar.

Video: Darum wird Benzin deutlich teurer

Mit Blick auf die gesunkene Treibstoff-Nachfrage wird deutlich, dass die Bürger sich an die Verordnungen und Empfehlungen des Landes halten. Auch kurz nach Weihnachten war keine eindeutige Tendenz zu erkennen, dass an den Zapfsäulen eine erhöhte Nachfrage besteht. Erst kurz vor Silvester tummelten sich Pkws vor den Tankstellen. Grund war die CO2-Steuer, die ab dem 1. Januar in Kraft getreten ist. Laut ADAC kostet nun Benzin rund sieben Cent pro Liter mehr.

„Die Menschen haben die Gunst der Stunde genutzt und nochmal die Tanke ihrer Autos aufgefüllt“, erklärt Grübner. Dass sich durch die neue Steuer das Fahrverhalten von Autoinhabern verändert, glauben die wenigsten. „Es ist ähnlich wie bei der Ökosteuer. Vor der Erhöhung haben viele getankt, weshalb in den Folgetagen etwas weniger los war. Viele sind aber auf ihr Auto angewiesen – und wenn der Tank leer ist, müssen sie eben tanken.“

Werner Kress: „Im Bereich des Bistros ist der Umsatz nicht so stark zurückgegangen“

Trotz der Preiserhöhung müssen Autofahrer an den Tankstellen aber weniger zahlen als zwölf Monate zuvor, wie aus einer Auswertung des ADAC hervorgeht. Anfang Januar 2020 waren Super E10 und Diesel demnach jeweils etwa zehn Cent pro Liter teurer als derzeit. Der Ölpreisabsturz im März und April habe dann dafür gesorgt, dass 2020 „eines der günstigsten Tankjahre seit langem“ gewesen sei, teilte der Automobilclub mit. Bei Super E10 sei der Preis auf den niedrigsten Wert seit Einführung des Kraftstoffes vor zehn Jahren gefallen. Der Dieselpreis sank auf den tiefsten Wert seit 2016. Im Durchschnitt des Jahres 2020 seien Super E10 und Diesel pro Liter jeweils rund 15 Cent preiswerter gewesen als 2019.

Der Knittel-Geschäftsführer Udo Weber erklärt in einem kurzen Interview, was er von der CO2-Steuer hält - und welche Rolle E-Fuels seiner Meinung nach spielen sollten.

Seit dem 1. Januar sind die Preise an den hiesigen Tankstellen wegen der CO2-Steuer gestiegen. Wie stehen Sie dazu?
Ziel des Gesetzgebers ist es, mit der neuen CO2-Bepreisung fossile Kraftstoffe teurer zu gestalten, um einen Anreiz für den Wechsel zu nicht-fossilen Energieformen zu setzen. Aufgrund des aktuellen Brennstoffemissionshandelsgesetzes müssen sogenannte Inverkehrbringer fossiler Kraft- und Heizstoffe einen festgelegten Preis in Höhe von 25 Euro je Tonne CO2 zahlen. Ich selbst halte die Regelungen für wenig zielführend und bin der Meinung, dass eine andere Strategie viel bessere Lenkungswirkungen hat.
Welche Strategie meinen Sie konkret?
Lassen Sie es mich an einem Rechenbeispiel verdeutlichen: Aktuell beträgt die Energiesteuer zum Beispiel bei Benzin 65 Cent pro Liter. Knapp 36 Cent davon sind der EU-weit festgelegte Mindeststeuersatz. Rund 30 Cent hat der deutsche Gesetzgeber für Benzin zusätzlich erhoben. Mit der CO2-Bepreisung kommen jetzt noch 6 Cent dazu. Verständlich, dass sich Autofahrer darüber ärgern – gerade, wenn sie auf dem Land wohnen und auf das Fahrzeug angewiesen sind. Hätten diese Autofahrer zum Beispiel die Möglichkeit, auf synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, auszuweichen, würde die Sache ganz anders aussehen. Doch diese neuartigen umweltfreundlichen Energieträger, die aus grünem Strom hergestellt und in bestehenden Fahrzeugen genutzt werden können, stehen aktuell leider – noch – nicht im Fokus der Politik.
Apropos Politik: Welchen Weg würden Sie bei der Energiewende begrüßen?
Es geht darum, den deutschen Energiesteuerbetrag komplett auf den jeweiligen CO2-Emissionswert auszurichten. Es könnte zum Beispiel so geregelt sein, dass künftig nur noch Steuern auf den fossilen Anteil eines Energieträgers zu zahlen sind. Gemäß des Rechenbeispiels würden die 30 Cent deutsche Energiesteuer plus 6 Cent CO2-Abgabe, also 36 Cent je Liter Benzin, 150 Euro je Tonne CO2 einbringen.
Wenn wir diese Rechnung auch noch bei den EU-Steuern anwenden würden, könnten wir die Energiewende ganz ohne Steuererhöhung massiv vorantreiben, da dann 300 Euro je Tonne CO2 anfallen würden. Wir bräuchten uns keine Gedanken machen über Quersubventionierungen oder andere politisch motivierte Lenkungsmechanismen, die in aller Regel zu Fehlentwicklungen führen. Es wäre eine hohe Motivation gegeben, CO2 einzusparen ohne eine Preiserhöhung. Auch eine Wettbewerbsgleichheit und Technologieoffenheit für alle Alternativen wäre damit gegeben, die ebenfalls einen deutlichen Schub in Richtung Klima-Neutralität auslösen würde.

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