In den Kitas müssen auch jetzt einige Kinder betreut werden. (Symbolfoto)
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In den Kitas müssen auch jetzt einige Kinder betreut werden. (Symbolfoto)

Mütter und Väter im Zwiespalt

Zwischen Kinderbetreuung und Job: Einige Eltern müssen ihre Kinder im Corona-Lockdown in die Kita geben

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Das Land Hessen stellt im Lockdown zwölf Millionen Euro pro Monat zur Verfügung: Damit sollen Eltern entlastet werden, die ihre Kindergartenkinder zuhause betreuen. Offenbar ist das für manche aber nicht möglich. Denn in den Kitas müssen auch jetzt einige Kinder betreut werden.

Region - Homeschooling, Kinderbetreuung, 20-Stunden-Job: Eine dreifache Mutter aus Hünfeld hat im Moment alle Hände voll zu tun. Ihre beiden Schulkinder, sieben und zehn Jahre alt, müssen zu Hause unterrichtet werden. Und auch den jüngsten Sohn, der gerade eineinhalb Jahre alt ist, schickt sie nur zweimal in der Woche statt fünfmal in die Kita. „Diese zwei Vormittage brauche ich, weil ich berufstätig bin. Es ist nicht leicht für uns Eltern. Ich arbeite zwar im Homeoffice, aber eigentlich war es in den letzten Wochen so, dass ich erst am Abend und am Wochenende dazu kam, meine Arbeit zu erledigen“, sagt die Hünfelderin, die als Bilanzbuchhalterin angestellt ist.

Einige Eltern müssen ihre Kinder auch im Corona-Lockdown in die Kita geben

Ihr Mann ist Maschinenbautechniker und muss für seinen Job in der Firma sein. „Auch meine Schwiegermutter kann die Kinder nicht nehmen, weil sie selbst vormittags arbeitet.“ Die Mutter ärgert sich über Eltern, die ohne Not ihre Kinder in die Schule oder in die Kita schicken. „Es fehlt die Einsicht zur Solidarität.“

So wie die Regelung jetzt ist, sind die Kitas prinzipiell geöffnet, die Regierung appelliert aber an die Eltern, ihre Kinder möglichst du Hause zu lassen. In der Villa Kunterbunt in Hünfeld, wo der Sohn der Frau betreut wird, waren gestern 18 von 48 Kindern anwesend. Leiterin Sandra Reinhard hätte mit weniger gerechnet. Die 52-Jährige sagt aber auch, dass die Eltern der Kinder, die betreut werden, meist berufstätig sind. Der Bedarf, ob eine Betreuung nötig ist oder nicht, wurde abgefragt – die Beweggründe nicht.

Anders war das im ersten Lockdown, als nur Kinder von Eltern, die einen systemrelevanten Beruf ausüben, in den Kitas betreut werden durften. „Ich gehe davon aus, dass das ab Februar wieder so kommt“, befürchtet die Frau.

Extra Kinderkrankentage

Mehr Klarheit bei den geplanten zusätzlichen Kinderkrankentagen: Die Extra-Tage sollen nicht nur bei geschlossenen Schulen und Kitas genutzt werden können, sondern auch, wenn die Anwesenheitspflicht ausgesetzt ist oder der Zugang zur Kita eingeschränkt wurde. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Das Kinderkrankengeld können demnach auch Eltern beantragen, die theoretisch im Homeoffice arbeiten könnten.

Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Kinderkrankentage sei, dass es im Haushalt keine andere Person gibt, die das Kind betreuen kann. Anspruch darauf sollen nur gesetzlich Versicherte haben. Um ihn geltend zu machen, reicht eine Bescheinigung der Kita oder der Schule, die bei der Krankenkasse eingereicht werden muss. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder hatten vor einer Woche vereinbart, die Kinderkrankentage pro Elternteil in diesem Jahr von 10 auf 20 zu verdoppeln, für Alleinerziehende von 20 auf 40.

Hessenweit werden in rund 4300 Kindertagesstätten knapp 280.000 Kinder betreut. Wie die aktuelle Auslastung ist, das kann das Hessische Sozialministerium auf Nachfrage nicht sagen. Das Bayerische Sozialministerium hat diese Zahlen erhoben: Dort sind rund ein Fünftel aller Kita-Kinder in der Notbetreuung. „Es handelt sich dabei um Durchschnittswerte“, betonte das Ministerium. In Einzelfällen könne die Zahl deutlich höher sein. Basis dieser Daten sind die Rückmeldungen von 67 Prozent aller Kindertageseinrichtungen in Bayern.

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Knapp ein Drittel der Kinder kam gestern in die katholische Kindertagesstätte St. Pius in Fulda. „Es waren circa 30 von 80 Kinder. Mit so vielen habe ich auch gerechnet. Wenn das Land keine klaren Beschlüsse fasst, gibt es für Eltern die Möglichkeit, ihr Kind in die Betreuung zu schicken. Das wird genutzt“, sagt Anke Dörr, stellvertretende Leiterin der Kita.

Nathalie Makarov: Die Situation ist für Eltern schon belastend

Sie habe viele Nachfragen gehabt, ob die Kita denn jetzt offen sei oder nicht. „Und wenn ich sagte, dass wir offen haben, war die nächste Frage, ob das Kind kommen dürfe. Dass die Regierung empfiehlt, die Kinder zuhause zu betreuen, das habe ich nicht nur einmal erklären müssen.“ Ein Großteil der Eltern, die die Kinder in die Kita schicken, brauche aber auch die Betreuung. Dörr räumt ein, dass das alles nicht einfach zu regeln sei: „Selbst im ersten Lockdown, als es nach den systemrelevanten Berufen ging, war unsere Kita voll. Die Liste, was ein systemrelevanter Beruf ist, wurde ja täglich länger.“

Auch im evangelischen Kindergarten Spatzennest in Schlüchtern-Elm waren gestern 10 von 45 Kinder vor Ort. „Gerade durch Homeschooling sind Eltern stark gefordert. Die Situation ist für sie schon belastend“, sagt Leiterin Nathalie Makarov.

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