Holzstühle stehen vor einem geschlossenen Café im Corona-Lockdown.
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Der Dehoga-Kreisverband liefert sich einen heftigen Schlagabtausch mit der Politik. Es geht um die Frage, ob die Gastronomie und Hotellerie im Corona-Lockdown ausreichend unterstützt werden. 

Corona-Lockdown

„Wir sitzen auf einem Pulverfass, die Stimmung kippt“ - Dehoga in Fulda klagt über mangelnde Unterstützung

  • Jessica Vey
    vonJessica Vey
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Der Dehoga-Kreisverband liefert sich einen heftigen Schlagabtausch mit den CDU-Politikern Markus Meysner und Thomas Hering sowie mit Michael Brand. Es geht um die Frage, ob die hiesige Gastronomie und Hotellerie ausreichend unterstützt werden. 

Kreis Fulda - Der Streit basierte ursprünglich auf einer Aussage, mit der Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bundesweit Schlagzeilen machte. Er erteilte schon jetzt dem Thema Osterurlaub im Corona-Lockdown eine Absage - und zieht damit den Zorn aus der Gaststätten- und Hotelbranche auf sich, auch aus Fulda.

„Wie vom Blitz getroffen und entsetzt nehmen wir die indiskutablen Äußerungen rund um den Osterreiseverkehr wahr“, äußerte der Dehoga Kreisverband Fulda in einer Mitteilung am Dienstag. „Diese verunsichern die Gastgeberinnen und Gastgeber über das erträgliche Maß hinaus, nebst unlängst bestehenden existenziellen Nöten.“ (Lesen Sie hier: Branchen in Fulda reagieren auf Corona-Regeln: Friseure erleichtert - Gastronomen und Einzelhändler enttäuscht).

Corona-Lockdown in Fulda: Heftiger Schlagabtausch zwischen Politik und Dehoga

Der Fuldaer Hotel- und Gaststättenverband macht seinem Ärger Luft: „Wir wissen zum heutigen Tag noch nicht, welche Corona-Inzidenz wir in sechs Wochen haben werden. Uns beschleicht der Gedanke, dass faktenbasierte Entscheidungen mitunter wenig Relevanz haben.“ Das Unverständnis für viele der getroffenen Entscheidungen sei ohnehin groß. „Wir vermissen unsere Abgeordneten aus Bund und Land! Seit Monaten herrscht nahezu Funkstille. Keine Hilfe. Keine Vorschläge. Keine Unterstützung. Kein Dialog. Keine Lösungen. Kein Interesse?“

Die Dehoga äußert sich enttäuscht und vermisst Wertschätzung im Corona-Lockdown. „Wir haben bis heute - bereitwillig - zahlreiche bittere Pillen geschluckt. Wir haben jede Entscheidung anstandslos mitgetragen. Jederzeit im Sinne eines konstruktiven Dialogs. Doch die Stimmung kippt. Wir sitzen auf einem Pulverfass. Unsere Gastgeberinnen und Gastgeber ertragen nicht mehr viel.“

Dehoga: Wir haben - bereitwillig - zahlreiche bittere Pillen im Corona-Lockdown geschluckt

Die Antwort aus der Politik folgte prompt. Die Landtagsabgeordneten Meysner und Hering sowie der Bundestagsabgeordnete Brand erklären sich in einer Pressemitteilung am Mittwoch und fordern in Anbetracht dieser „Falschmeldungen“ eine Entschuldigung. „Mit Kritik kann man gut umgehen, mit Falschmeldung nicht. Es ist falsch, dass es Funkstille von Abgeordneten gegenüber der Dehoga gab, im Gegenteil“, so die drei CDU-Abgeordneten. „Es gibt Umgangsformen, die gerade in der Krise besonders wertvoll und wichtig sind. Ehrlich gesagt finden wir, dass man sich für solche Fehler auch einfach mal entschuldigen sollte.“

Sie erinnern neben „zahlreichen und kontinuierlichen Direktkontakten mit Gastronomen in der Region“ an gemeinsame Videokonferenzen und auch direkte Gesprächsformate mit den Verbandsvertretern in Fulda seit der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020. Brand erklärt, er habe sich mehrfach bei der Führung der Dehoga aktiv gemeldet, ohne Reaktion. „Die Funkstille herrscht also offensichtlich bei einzelnen Funktionären der Dehoga.“ Hinzu komme, „dass man auch die milliardenschwere Unterstützung für die Gastronomie bei aller verständlichen Sorge und Kritik dennoch nicht ganz unter den Tisch fallen lassen sollte“, so die Abgeordneten.

Fuldaer SPD stellt sich auf Seite des Verbandes: Ungeduld und Unmut sei nachvollziehbar

Die Fuldaer SPD stellt sich unterdessen auf die Seite des Verbandes: Man könne die Ungeduld und den Unmut der Gastronomie und Hotellerie absolut verstehen und nachvollziehen. „Nicht jede Äußerung von Bundespolitikern ist in der derzeitigen Lage hilfreich, die Kritik daran verständlich“, heißt es in der Mitteilung. Die Stadt solle über die örtlichen Bundes- und Landespolitiker Einfluss auf die Corona-Entscheidungen nehmen, fordert die SPD.

Auf die Ausführungen von Brand, Meysner und Hering folgte wiederum schnell die Reaktion der Dehoga. In der Mitteilung noch am selben Tag erklärt der Verband, er hätte sich einen Dialog gewünscht. Doch stattdessen müsse man sich „in der schwersten Krise des Gastgewerbes“ dem Vorwurf der Falschmeldung aussetzen. Dies weise man von sich. „Dass seitens der genannten Politiker einzelne Kontakte zu Gastgebern bestehen, bestreiten wir nicht. Doch die Behauptung, dass ‚zahlreiche und kontinuierliche Direktkontakte‘ zum Verband bestehen, verwundert zum einen und ist obendrein schlichtweg falsch“, wählt der Kreisverband deutliche Worte.

Video: Läden in Fulda verhängen aus Protest ihre Schaufenster

Die Kritik entspann sich auch daran, dass eine Reaktion auf eine geplante Diskussionsplattform per Videokonferenz lange auf sich warten lassen habe. Mit den beiden Landtagsabgeordneten habe der Verband zwar zwischen März und Mai Kontakt gehabt, danach sei dieser jedoch abgebrochen. „Obwohl die extreme Notlage spätestens seit November des vergangenen Jahres bekannt war.“ Der Abgeordnete Meysner habe Ende des Jahres von einem Konzept für einen alternativen Weihnachtsmarkt in der Corona-Pandemie berichtet. „Bis auf eine Telefonnummer zu einem Zeltverleih ist bei uns nichts angekommen“, so der Verband.

Markus Meysner: „Gegenseitige Vorwürfe bringen ja nichts“

Die Kritik richte sich an die Landes- und Bundespolitik und explizit nicht an die in Stadt und Landkreis, betont die Dehoga. Bis heute seien noch immer 25 Prozent der Novemberhilfen nicht ausgezahlt worden sowie ein größerer Teil des Dezembers. Noch immer gebe es Anträge, die nicht einmal bearbeitet wurden. Öffnungsperspektiven in der Corona-Krise fehlten bis heute, kritisiert der Verband grundsätzlich. „Die Art und Weise, dem Verband Falschmeldungen und somit Lügen vorzuwerfen, ist beschämend und der Situation nicht angemessen. Sie finden eine Entschuldigung wäre angebracht? Das finden wir auch! Wir erwarten diese gerne“ - richtet sich die Dehoga an die Abgeordneten. „Wir hoffen sehr, dass sich die Abgeordneten und der Verband auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können. Mehr als 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gastgewerbes im Landkreis Fulda erwarten mehr als trotzige Reaktionen.“

Michael Brand und Markus Meysner äußerten sich am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung. Sie betonen, sie hätten zu einer gemeinsamen Videokonferenz am heutigen Nachmittag eingeladen. „Gegenseitige Vorwürfe bringen ja nichts“, sagt Meysner. Er hofft, dass man „zu einem konstruktiven Miteinander zurückkehren kann“.

Der Auslöser des Streits, das Thema Osterurlaub im Corona-Lockdown, sorgte zuletzt auch für Streit zwischen Olaf Scholz und den Ländern, berichtete 24hamburg.de*. Der Vizekanzler hatte zur „Zurückhaltung“ aufgerufen. *hamburg24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes

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