Markus Bellinger ist nicht nur für die Mülleimer zuständig, sondern auch für den Müll, der auf dem Boden liegt.
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Markus Bellinger ist nicht nur für die Mülleimer zuständig, sondern auch für den Müll, der auf dem Boden liegt.

Schmuddelecken der Region

„Ein undankbares Geschäft!“ Mit diesen Problemen kämpfen die Stadtreiniger in Fulda

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
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Während es in Fulda noch dunkle Nacht ist, bereitet man sich im Amt für Grünflächen und Stadtservice bereits auf den bald anbrechenden Tag vor: Mülleimer, Dreck, Toiletten – all das steht heute wieder auf der Tagesordnung. 

Fulda - Es regnet. Für Markus Bellinger aus Jossa vom Stadtservice ist dies dennoch das perfekte Wetter. Denn wenn es regnet, bleibt der Müll auf dem Anhänger seines Wagens kleben und fliegt nicht davon, wie es etwa bei Wind der Fall wäre. Es ist Freitagmorgen, 6 Uhr. Bellingers erste Station ist die Bahnhofstraße in Fulda. Mit seinem Mülltransporter fährt er im Schritttempo von Mülleimer zu Mülleimer, zieht sich die Handschuhe über, leert den Eimer, zieht die Handschuhe wieder ab, fährt fünf Meter weiter und wiederholt die Prozedur.

Die Handschuhe trägt er immer, wenn er mit Müll arbeitet. Denn nicht selten kommt es vor, dass in den Mülleimern oder in deren Umfeld Spritzen von Drogenabhängigen liegen. Die Gefahr, von einer solchen beim Entleeren getroffen zu werden, minimiert er durch die Handschuhe. Hier in der Bahnhofstraße ist er heute Morgen einer von wenigen. Die meisten schlafen noch. Nur wenige Laternen leuchten in dem noch dunklen Dezembermorgen. Und nur einige wenige Menschen laufen eilig in den Straßen.

Müllproblem in Fulda: Durch Corona hat sich die Situation verändert, sagen die Stadtreiniger

Vor allem Corona hat das Müllaufkommen in Fulda verändert, berichtet der 54-Jährige. Der Lockdown Anfang des Jahres habe die Stadt leer gefegt. Nicht so der Lockdown Light. Dieser bereite derzeit die doppelte Arbeit. „Alles wird draußen gegessen und der Müll bleibt liegen.“ Auch das Zuhausebleiben wegen Corona spüren die Stadtreiniger. Denn viele Menschen haben Zeit zu entrümpeln. Neulich, erinnert er sich, musste er seine Arbeit hier abbrechen. Ein Unbekannter hatte im Michelsrombacher Wald 18 Autoreifen entsorgt. Auch für solche Fälle ist er der Mann im Einsatz. „So etwas zu sehen, tut weh“, sagt der naturverbundene Jossaer. Eine ähnliche Situation:In der Fuldaaue hatte jemand seine Industrieküche entsorgt. Sie war so groß und so schwer, dass sie mit einem Lkw aus dem Graben gezogen werden musste. Wem sie gehörte, ist bis heute nicht klar.

Dass Menschen Fotos vom Müll in Fulda machen, sie an die Zeitung schicken oder beim Amt anrufen, um sich darüber zu echauffieren, stimmt Bellinger traurig. Erst vor kurzem hatte sich ein Leser bei der Fuldaer Zeitung gemeldet und gesagt, dass New York sauberer sei als Fulda. Auch die Anlage hinter dem Behördenhaus nahe der Schillerstraße sowie der Fuldaer Bahnhof wird von Lesern unserer Zeitung als Schmuddelecke bezeichnet. Über den Müll am Bahnhof gab es gleich mehrere Beschwerden.

Bellinger würde sich mehr Unterstützung, anstatt Beschwerden wünschen. Manchmal bekomme er Anrufe wegen eines Pizzakartons am anderen Ende der Stadt. Ob das verhältnismäßig ist, fragt er sich. Ausrücken muss er dann trotzdem. Auch heute kommt es zum Zwischenfall: Jemand hat auf dem Aschenbergplatz einen großen Stein abgelegt. Einer vom Team muss dafür nun seine Arbeit unterbrechen. Es ist Markus Bellinger. Ein solcher Stein ist gefährlich, er muss zeitnah entsorgt werden, erklärt Jürgen Kekert, Einsatzleiter der Straßenreinigung in Fulda.

Das Thema Müll führt immer wieder zu Streit zwischen Verwaltung und Bürgern - auch in Fulda

Das Thema Müll in den Städten ist immer wieder Zankapfel zwischen Verwaltungen und Bürgern. Letztere wünschen sich mehr Reinigung, verursachen insgesamt jedoch mehr Müll. Die Stadt reinigt, wünscht sich jedoch ebenso die Unterstützung der Bürger. „Die Hemmschwelle, den Müll nach Belieben zu entsorgen, wird immer geringer“, sagt Stephan Marschner. Er ist Abteilungsleiter am Amt für Grünflächen und Stadtservice in Fulda. „Müllschweine“ nennt er jene Menschen, die zu einem solchen Verhalten neigen.

Reinigung

Die Stadt Fulda ist zuständig für die Papierkorbentleerung, die maschinelle Reinigung, den Wertstoffhof, die Brunnenreinigung, die Plakatierung und den Winterdienst. Gereinigt wird an sieben Tagen in der Woche. Außerdem kümmert sich die Stadt um 100 Hundetütenautomaten, 100 Streukästen und 70 Treppen in Fulda

Auch Kekert nimmt unter den Bürgern Rücksichtslosigkeit wahr: „Die Menschen werden teilweise sogar bösartig. Die Straßenreinigung steht leider immer wieder in der Kritik.“ Oft wollen sie Dinge – etwa am Wertstoffhof – entsorgen, die dieser gar nicht annehme. Dann kommt es mitunter sogar zu Bedrohungen. Dass die Polizei anrücken muss – keine Seltenheit. „Die Situation am Wertstoffhof ist katastrophal“, resümiert Kekert. Auch insgesamt findet er: „Es ist ein undankbares Geschäft.“ Die Unordnung interessiere die gut 800 Menschen, die täglich an den Wertstoffhof kommen, nicht. „Hauptsache sie sind den Müll los.“

Bürger zeigen Respektlosigkeit - Das erleben Straßenreiniger der Stadt Fulda

In einem Containerbüro arbeitet Stefan Hohmann. Er ist seit mehr als zehn Jahren als Aufsichtsperson auf dem Wertstoffhof tätig. Am meisten ärgert er sich über Menschen, die den Müll einfach wahllos entsorgen. „Manche haben kein Interesse daran, den Müll zu trennen.“ Die Folge für ihn und sein Team: Der Müll muss per Hand getrennt werden. „Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Nerven“, erklärt er. Es sei nicht einmal Respektlosigkeit, die er den Menschen vorwerfe, er glaube viel eher, dass die meisten wohl einfach zu bequem seien.

Martin Hornung ist Toilettenreiniger bei der Stadt Fulda und fährt um 9 Uhr seine zweite Runde. Schon lange regt er sich nicht mehr über das Verhalten der Menschen auf – obwohl er manchmal allen Grund dazu hat. Fünfmal am Tag reinigen er und seine zwei Kollegen die 20 öffentlichen Toiletten in Fulda. Dort sieht er einiges: Menschen, die Schutz suchen, Schmutz, Erbrochenes. Die Kritik der Bürger nimmt er als Ansporn, besser zu werden. Doch nichtsdestotrotz findet er Sinn in seiner Arbeit, denn er macht es für uns alle.

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