1. Fuldaer Zeitung
  2. Fulda

„Unglaubliche Belastung“ für Eltern: Corona-Pool-Tests in Kitas sind umstritten

Erstellt:

In einigen Kitas im Landkreis Fulda machen die Kinder regelmäßig Lolli-Tests, um Corona-Infektionen zu ermitteln.
In einigen Kitas im Landkreis Fulda machen die Kinder regelmäßig Lolli-Tests, um Corona-Infektionen zu ermitteln. (Symbolbild) © Peter Kneffel/dpa

In den Kindergärten im Landkreis Fulda existieren derzeit verschiedene Konzepte, um Spiel und Betreuung in Corona-Zeiten sicherer zu gestalten. Manche Kommunen nutzen hierzu Pool-Tests. Diese sind nicht gänzlich unumstritten.

Kreis Fulda - Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt bei Kindern unter zwölf Jahren keine Impfung gegen das Coronavirus. Gleichzeitig brauchen diese viele soziale Kontakte mit Gleichaltrigen. Zudem sind die meisten Eltern berufstätig und auf die Betreuung durch Kindertagesstätten angewiesen. Dort ist das Infektionsrisiko entsprechend hoch. Laut dem Land Hessen können regelmäßige Tests in Kitas die Verbreitung des Virus weiter eindämmen. Daher übernimmt das Land die Hälfte der Kosten und unterstützt den Landkreis Fulda mit 393.963 Euro.

In der Stadt Fulda werden seit September vergangenen Jahres Pool-Tests in allen 43 Kitas angeboten. Laut Stadt können diese mit Zustimmung von mehr als 50 Prozent der Eltern durchgeführt werden. Dies sei momentan in mehr als 80 Prozent der Gruppen der Fall. (Bleiben Sie mit dem Corona-News-Ticker für Fulda auf dem Laufenden.)

„Wir sind der Überzeugung, und die Wissenschaft bestätigt das auch zunehmend: Nur der PCR-Test bietet eine große Sicherheit, Infektionen und damit Ausbruchsgeschehen in Gruppen frühzeitig und verlässlich wahrzunehmen“, sagt Magistratspressesprecher Johannes Heller. Für die Kinder sei das Lutschen am Teststäbchen zu einem „selbstverständlichen Spiel“ geworden und daher keine enorme Belastung. Mit den Tests schütze man Familien sowie Erzieherinnen und Erzieher, die einem unkalkulierbaren Risiko ausgesetzt seien.

Fulda: Corona-Pool-Tests in Kitas umstritten - „Unglaubliche Belastung“ für Eltern

„Wir haben mit den PCR-Tests immer wieder infizierte Personen ermittelt, sowohl Kinder als auch Fachkräfte, bei denen zum Beispiel die Selbsttests nicht angeschlagen hatten“, berichtet Heller. Während der Omikron-Welle habe sich der Anteil positiver Tests im Vergleich zu Zeiten der Delta-Variante verdoppelt.

Der Pressesprecher fährt fort: „Die Tests sind weiterhin zuverlässig und helfen, Infektionsketten wirksam einzudämmen.“ Derzeit werden die Kinder zwei Mal pro Woche, nämlich montags und donnerstags, getestet. Jede Woche schicken die Kitas der Stadt etwa 300 Proben ins Labor des Klinikums Fulda.

In den Kitas der Gemeinde Petersberg wird seit Ende Oktober 2021 ebenfalls zwei Mal pro Woche am Teststäbchen gelutscht. Laut Gemeinde erfüllen die Pool-Tests ihren Zweck und bieten Kindern, Eltern und Personal Sicherheit. Jedoch weist Pressesprecher Sebastian Kircher auch auf die Schattenseiten des Verfahrens hin: „Die Tests durchzuführen und zum Klinikum zu fahren, anschließend auf das Ergebnis zu warten – all das dauert seine Zeit und kostet Geld.“

Hinzu komme der hohe Aufwand, wenn ein Pool-Test positiv ausfällt: Die Kinder der betroffenen Gruppen müssten sich zuhause isolieren und am Folgetag „freitesten“. Die Konsequenz: Auch negativ getestete Kinder dürfen nicht in die Kita und die Eltern müssen die Betreuung selbst organisieren. „Das ist eine unglaubliche Belastung und führt zurecht zu Unmut. Die ständigen Neuregelungen durch übergeordnete Behörden tun ihr Übriges und führen bei Eltern und Personal zu Verunsicherung“, schildert Kircher. Hinzu käme die finanzielle Belastung der Kommunen durch die Tests.

Diese hält Ronny Lars Günkel (parteiunabhängig), Bürgermeister der Marktgemeinde Hilders, von der Durchführung der Pool-Tests ab. „Die Finanzmittel sind nicht in allen Kommunen gleich dick gesät. Wir sehen momentan keine Verhältnismäßigkeit, da die Gefahr einer Infektion durch die engen Kontakte beim Spielen trotzdem besteht“, erklärt der Bürgermeister.

Pool-Test

Bei sogenannten Pool-Tests lutschen die Kinder für etwa 30 Sekunden wie an einem Lolli an einem Teststäbchen. Alle Teststäbchen werden anschließend in dasselbe Röhrchen gesteckt, also vermischt. Diese Probe wird in ein Labor geschickt, wo ein PCR-Test durchgeführt wird. Dieser ist aufwendiger, aber zuverlässiger als ein Antigen-Schnelltest. Ist das Ergebnis positiv, machen alle Kinder einen weiteren Test, von welchem dann jede Probe einzeln im Labor auf das Coronavirus getestet wird.

Außerdem seien viele Kinder bereits genesen und die Infektionszahlen würden derzeit zum Glück sinken. Günkel reagiere auf Beschwerden vereinzelter Eltern mit Verständnis, weiß aber zugleich einige auf seiner Seite: „Ich habe bereits zahlreiche Gespräche geführt und dabei auch viel Einsicht erfahren.“ Das betreuende Personal habe sich trotz des Risikos ebenfalls nicht über seinen Entschluss beschwert. Dieser sei jedoch nicht in Stein gemeißelt und entspreche immer der aktuellen Lage: „Wir befinden uns gerade hoffentlich am Ende der Welle, aber die Situation kann sich jederzeit ändern.“ (Lesen Sie hier: Immunologe Timo Ulrichs warnt vor neuer Corona-Welle)

In der Stadt Hünfeld werden in Kitas und Tagespflegeeinrichtungen Antigen-Schnelltests anstelle von PCR-Tests durchgeführt. Die Einrichtungen geben die Tests an Pflegepersonal und Eltern aus, die sie morgens zuhause mit ihren Kindern durchführen. Auch bei dieser Variante lutschen die Kinder am Teststäbchen, jedoch erhalten sie das Ergebnis, noch bevor sie ihren Spielgefährten begegnen. „Wir testen seit Dezember und haben eine Viertelmillion Euro in Lüftungsanlagen, CO2-Ampeln und bauliche Maßnahmen zur besseren Belüftung investiert.

Video: Sicherer Präsenzunterricht durch Corona-Lolli-Test

Mithilfe dieser Schutzmaßnahmen sind wir im Vergleich zu anderen Kommunen relativ gut durchgekommen“, berichtet Pressesprecher Helmut Käsmann. Das Konzept sei konsequent durchgehalten worden. „Wir können uns auf eine Infrastruktur mit fünf Testzentren stützen, ich glaube, mehr geht in einer Stadt der Größe Hünfelds nicht“, betont Käsmann.

Die Stadt Fulda werde mit den Pool-Tests bis zum 21. April fortfahren, sofern die Inzidenz nicht auf ein niedriges Niveau sinkt. Man orientiere sich allerdings am Land Hessen und passe sich an die Schulen an, sofern dort die Testpflicht nach dem 20. März ausgesetzt wird. Auch die Gemeinde Petersberg wolle die Lolli-Tests zunächst bis Ende März durchführen, sollten keine neuen Beschlüsse gefasst werden. Eine weitgehende Rückkehr zur Normalität, wie von der Politik in Aussicht gestellt, wünschen sich alle Beteiligten. Ob die Teststäbchen in den Kitas schon bald wieder normalen Lollis weichen, bleibt jedoch abzuwarten. (Von Sophie Brosch)

Auch interessant