Schwimmkurs
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Die Nachfrage nach Schwimmkursen ist nicht nur in Fulda wegen Corona stark gestiegen. (Symbolbild)

Corona verursacht Kursstau

Viel zu wenig Schwimmkurse in Fulda: Eltern und Kinder müssen sich gedulden

  • Andreas Ungermann
    VonAndreas Ungermann
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Während der corona-bedingten Lockdowns hatten auch die Schwimmbäder geschlossen. Schwimmkurse konnten nicht stattfinden. Die DLRG in Osthessen holt nun auf, die Wasserfreunde Fulda würden gern nachziehen.

Fulda - Von einer „sehr günstigen Situation in Osthessen“ spricht der Bezirksausbildungsleiter der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), Julian Leitsch. Immerhin haben er und seine Kameraden aktuell ausreichende Wasserflächen und -zeiten zur Verfügung, um Schwimmkurse anbieten zu können.

Während des Corona-Lockdowns mussten aber sowohl die DLRG als auch die Wasserfreunde Fulda (WFF) nicht nur ihr eigenes Training, sondern auch die Kurse absagen. „Dabei ist es wichtig, dass die Kinder schwimmen lernen“, sagen Leitsch und WFF-Vorsitzender Erik Bott einhellig. Sie bestätigen auch, dass es früher selbstverständlicher war, dass Kinder schon vor oder während der Grundschule Schwimmen geübt haben. Alljährlich im Frühjahr mahnt die DLRG dies bundesweit an und verweist auf die hohe Zahl der Unfälle.

Schwimmkurse in Fulda platzen aus den Nähten: Eltern und Kinder müssen sich gedulden

Weil Bäder geschlossen sind und Unterricht ausgefallen ist, haben viele Kinder es versäumt, schwimmen zu lernen. Wie viele Nichtschwimmer das sind, vermag weder Bott noch Leitsch zu sagen. Es bleibt die Überschlagsrechnung. „Wir bieten im Normalfall 25 Schwimmkurse pro Jahr an. Daran nehmen jeweils zehn bis zwölf Kinder teil. Das heißt, rund 250 Kinder konnten bei uns keinen Unterricht nehmen, da wir keinen Kurs komplett, also die üblichen zehn Wochen, anbieten konnten“, rechnet der WFF-Vorsitzende. Der DLRG-Ausbildungsleiter geht bei 15 bis 20 Kursen im Jahr von 150 bis 200 Kindern aus.

Der Kreis Fulda ist kein Ausnahmefall. Vielerorts sind die Wartelisten über Jahre hinweg gefüllt. Allein den Wasserfreunden lägen aktuell mehr als 300 Anfragen vor, berichtet Bott, der hofft, dass im Spätsommer oder Herbst die Hallenbäder wieder öffnen, die in der Sommersaison meist turnusgemäß geschlossen bleiben.

Das Abzeichen

Die Baderegeln kennen, vom Beckenrand springen und 25 Meter schwimmen sowie einen Gegenstand aus schultertiefem Wasser heraufholen: Wem das gelingt, der oder die erhält das „Seepferdchen“. Dieses Frühschwimmerabzeichen ist aber kein Nachweis des sicheren Schwimmens. Kinder und Erwachsene, die nur das Seepferdchen haben, müssen weiterhin beim Schwimmen beaufsichtigt werden.

„Aktuell haben wir keine Wasserflächen, das heißt, wir können nichts aufholen“, beklagt der Vereinsvorsitzende. Das für den Verein so wichtige Caritas-Bad ist auf unbestimmte Zeit geschlossen. Das Sportbad Ziehers ist ebenfalls zu und noch wisse er nicht, ob es wieder wie vor der Pandemie öffnen werde.

Für Bott ist die Situation nicht zufriedenstellend: „Wir planen zwar damit, dass die Bäder irgendwann wieder öffnen. Aber wir hängen in der Luft. Selbst wenn wir Kurse ansetzen, kann es sein, dass wir sie am Ende doch wieder absagen müssen.“ Das stoße bei den Eltern zwar zumeist, aber eben nicht immer auf Verständnis.

Video: Wegen Corona steigt die Zahl der tödlichen Badeunfälle bei Kindern

DLRG-Ausbildungsleiter im Bezirk Osthessen-Fulda, Julian Leitsch, berichtet ebenso von etlichen Anfragen. „Wir führen keine Wartelisten, weil wir den zeitintensiven Aufwand vermeiden wollen. Wenn wir aber auf der Homepage lerne-schwimmen.com neue Kurse freigeben, sind die innerhalb von zwei, drei Minuten ausgebucht“, berichtet er.

In den fünf Wochen vor den Sommerferien und über die Sommerferien hinweg hätten die Lebensretter aus den Ortsverbänden Lauterbach und Hünfeld sowie den Ortsgruppen Fulda, Petersberg/Biebertal, Neuhof und Gersfeld eine Menge aufholen können. „Am Ende werden wir 20 Kurse mit je sechs bis zehn Teilnehmern durchgeführt haben.“

Derweil rät er Eltern, mit den Kindern – auch wenn diese noch nicht schwimmen können – die Bäder zu besuchen. „Das ist für uns wichtig, weil wir dann in den ersten Unterrichtsstunden nicht mit der Wassergewöhnung beginnen müssen. Die Kinder haben schon gelernt, ins Wasser zu springen oder unterzutauchen und die Augen offenzuhalten“, sagt Leitsch und kündigt an, dass die DLRG die Schlagzahl ihrer Kurse auch nach den Ferien hoch halten wolle.

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