Corona hat dem S-Club erneut einen Strich durch die Rechnung gemacht. (Archivfoto)
+
Corona hat dem S-Club erneut einen Strich durch die Rechnung gemacht. (Archivfoto)

Ein Besuch im Selfie-Museum

Erst teures Corona-Konzept, dann Lockdown: Virus macht S-Club-Betreibern wieder Strich durch die Rechnung

  • vonMarius Scherf
    schließen

Seit Donnerstag ist der S-Club in Fulda wieder geöffnet – nur diesmal als Selfie-Museum. Nach nur wenigen Tagen muss der Club aber erneut in einen Dornröschenschlaf fallen. Denn der Corona-Lockdown macht den Betreibern trotz kreativem und kostspieligem Konzept einen Strich durch die Rechnung.

Fulda - Viele Fuldaer kennen den Weg in den S-Club. Meist gehen sie ihn im Dunkeln, wenn sie die Bars in der Innenstadt verlassen. Dann ziehen normalerweise die Leute in Scharen Richtung Kino, wo der Club in einem alten Varieté-Theater seit Jahren zu den festen Adressen im Nachtleben von Fulda zählt.

S-Club in Fulda wird Selfie-Museum - und muss dann in den Corona-Lockdown

Den Weg bei Tag zu gehen, ist ungewöhnlich. Nun - in Corona-Zeiten - ist alles anders. Der S-Club in Fulda hat seit Monaten geschlossen, und die Betreiber Jens-Ole Bolik und Clemens Neidert mussten sich etwas Neues einfallen lassen.

Monate an Arbeit und einen mittleren fünfstelligen Betrag haben sie investiert, um aus dem S-Club ein Selfie-Museum zu machen. Dann kam am Mittwoch der Corona-Lockdown 2.0 (Bleiben Sie mit dem Corona-Ticker für Fulda auf dem neusten Stand). Für Bolik und Neidert heißt das: Der Selfie-Club, wie er nun heißt, kann nur noch bis Montag öffnen. Dann ist erstmal wieder Schluss.

„Es fühlt sich eigenartig an, jetzt wo wir an den Start wollten, gleich wieder weg zu sein“, sagt Neidert am Telefon. Hinter denen von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen stehe er natürlich, sagt er. Doch ihm ist schon anzuhören, dass er enttäuscht ist. Für ihn und sein Team ist das Versprechen, dass im S-Club in Fulda bald wieder die Lichter an gehen seit dem ersten Corona-Lockdown zum Mantra geworden. „Wir werden wieder da sein“, verspricht er. Vorerst bleiben die Lichter aber aus und die Kulissen dunkel.

FZ-Volontär Marius Scherf hat das Selfie-Museum ausprobiert und mit den Inhabern gesprochen.

Dabei haben Bolik und Neidert an das Konzept geglaubt: „Wir wollen für alle Altersklassen etwas zu bieten haben und gerade für Familien ein neues Ausflugsziel werden“, hatte Clemens Neidert beim Pre-Opening am Mittwoch gesagt, zu dem er die Lokalpresse geladen hatte. Es gab Sekt in pinken Dosen. „Durch Zeitfenster-Tickets lässt sich die Hygiene gut einhalten“, war er sich noch sicher. Auch gelte man offiziell als Museum. So könne wieder Leben in die verlassenen Clubräume in Fulda einziehen. Doch jetzt kommt es ganz anders.

S-Club-Betreiber investieren mittleren fünfstelligen Betrag in Selfie-Museum

Hinter dem Namen und hinter der Eingangstür in der Fuldaer Rangstraße, über der natürlich noch immer das S-Club-Logo zu sehen ist, verbergen sich jetzt über 20 bunte, skurrile und ausgeflippte Kulissen, vor denen Selfie-Enthusiasten sich noch bis Montag in Szene setzen können.

FZ-Volontär Marius Scherf hat das Selfie-Museum ausprobiert und mit den Inhabern gesprochen.

Der Fuldaer Tanzsaal ist kaum wiederzuerkennen. Wo sonst alles in künstlichen Nebel und schummriges Licht getaucht ist, leuchten dem Besucher grelle Farben entgegen. Alles sieht aus wie in der Puppenstube: Rote Telefone hängen an der Wand, und ein Plastik-Einhorn überrascht den Besucher an der nächsten Ecke. Die Wände der einstigen Garderobe sind babyblau gestrichen und bilden nun die Kulisse für einen Süßigkeiten-Markt. Die Pappschachteln in den Regalen sind sogar mit einem eigenen Logo extra bedruckt worden, erklärt Clemens Neidert am Mittwoch stolz. „Wir werden wieder da sein“, sagt er einen Tag später, den Corona-Lockdown vor Augen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema