Nachdem eine Zeit lang in ganz Deutschland die Corona-Testzentren wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, wurden zuletzt einige wieder geschlossen. (Symbolbild)
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Nachdem eine Zeit lang in ganz Deutschland die Corona-Testzentren wie Pilze aus dem Boden geschossen waren, wurden zuletzt einige wieder geschlossen. (Symbolbild)

Covid-19-Pandemie

Erste Corona-Testzentren schließen - Nachfrage auch in Fulda, Main-Kinzig und Vogelsberg gesunken

  • Daniel Krenzer
    VonDaniel Krenzer
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Nachdem eine Zeit lang in ganz Deutschland die Corona-Testzentren wie Pilze aus dem Boden schossen, wurden zuletzt aus verschiedenen Gründen einige wieder geschlossen – auch im Main-Kinzig-Kreis, im Kreis Fulda und im Vogelsberg.

Fulda - Testen, testen, testen – dem Virus auf die Schliche zu kommen, war vor allem in der dritten Corona-Welle in Deutschland eine der entscheidenden Strategien. Damit möglichst viele Tests in kurzer Zeit durchgeführt werden können, wurden hierzulande sonst geltende bürokratische Standards über Bord geworfen. Das brachte zweifelsohne dringend benötigte Geschwindigkeit in den Aufbau einer Test-Infrastruktur. Wo allerdings nicht so genau hingesehen wird, können auch schwarze Schafe unbeobachtet in der Herde agieren.

Dass in einigen Testzentren in Deutschland betrogen wurde, ist in den vergangenen Wochen bekannt geworden. Es war aber wirklich einfach: Die Betreiber mussten nicht einmal melden, wie viele Tests sie tatsächlich gekauft hatten – und konnten problemlos völlig fiktive Zahlen angeben, wie viele Bürger sie getestet haben. Hier kam ihnen dann doch wieder die deutsche Bürokratie zugute: Vor allem aus Datenschutzgründen soll nur die Anonymität sichernde Gesamtzahl der Tests übermittelt werden. Und manch besonders dreister Betreiber hat offenbar die eine oder andere Null an die tatsächliche Testzahl drangemogelt – bei zwischenzeitlich bis zu 18 Euro pro Schnelltest ein lohnenswertes Geschäft.

(Lesen Sie hier: Betrugsfälle in Corona-Testzentren: Bislang kein Verdachtsfall in Fulda)

Fulda: Corona-Testzentren im Kreis schließen - Nachfrage stark gesunken

Ohne private Testzentren-Betreiber unter Generalverdacht stellen zu wollen: Dass letztendlich nicht nur anerkannte Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz oder die Malteser sowie Ärzte und Apotheker ohne viel Aufwand und Kontrolle Tests anbieten dürfen, hat es im Nachhinein betrachtet so manchem mit krimineller Energie vielleicht ein wenig zu leicht gemacht. Das sieht auch der Berufsverband Deutscher Laborärzte so, der schon vor Wochen forderte, alle nicht-ärztlichen Testzentren zu schließen. „Die Kommerzialisierung des Infektionsschutzes in der Covid-19-Pandemie war ein schwerer Fehler, der sofort korrigiert werden muss“, wird der Verbandsvorsitzende Dr. Andreas Bobrowski auf dem Portal apotheke-adhoc.de zitiert.

In den vergangenen Wochen wurden in Deutschland zahlreiche Testzentren von den Behörden wieder geschlossen – entweder wegen solcher Betrugsfälle, oder weil medizinische und hygienische Standards nicht eingehalten wurden. Zuletzt schlossen aber viele Betreiber ihre Testzentren aus eigenen Stücken wieder. Der naheliegende wirtschaftliche Grund: Aufgrund der deutlich entspannten Corona-Lage gibt es weniger Nachfrage nach Tests. Viele sind geimpft und brauchen keine Tests mehr, zudem gibt es weniger verpflichtende Anlässe für einen Test – und weniger Sorge vor einer Ansteckung im privaten Bereich angesichts der niedrigen Zahlen. Außerdem erhalten die Testzentren inzwischen 4,50 Euro weniger für Sachkosten erstattet, da die Tests inzwischen deutlich günstiger zu beschaffen sind.

(Lesen Sie hier: Alle wichtigen Informationen zum Corona-Virus in Hessen finden Sie in unserem News-Ticker)

Video: Corona-Schnelltest - Wie zuverlässig sind die Testzentren?

Vor allem in Großstädten ist zuletzt mitunter jedes dritte Testzentrum geschlossen worden. In Hessen ist der Rückgang noch nicht ganz so stark zu spüren – schließlich ist es eines der wenigen Bundesländer, in denen für den Restaurantbesuch innen noch ein Test verlangt wird. Das verärgert die Gastronomen, aber erhöht die Test-Nachfrage vor allem in größeren Städten mit einer hohen Zahl an Restaurants und Cafés.

Für die Region Osthessen haben wir beim Landkreis Fulda aber auch beim Main-Kinzig-Kreis und dem Vogelsbergkreis nachgefragt, wie viele Testzentren in ihrem jeweiligen Gebiet bereits geschlossen haben. Im Landkreis Fulda haben von zwischenzeitlich 78 Testzentren inzwischen 6 wieder geschlossen, und zwar die Vogelsberg-Apotheke Hosenfeld, die Apotheke Schmalnau sowie das Bürgerhaus Blankenau, MHD-Unterkunft Eichenzell, Bürgerhaus Kalbach und MHD-Unterkunft Petersberg (alle vier Malteser). Auch in der Löwen-Apotheke in Hünfeld wird laut DRK nicht mehr getestet. Die Zahl der Tests hat sich seit Anfang Juni im Landkreis Fulda nahezu halbiert – von mehr als 40.000 Tests wöchentlich auf nun etwa 24.000. 

Im Main-Kinzig-Kreis gab es Ende Mai noch 124 Testzentren, heute sind es noch 114. 4 Teststellen wurden vom Gesundheitsamt aufgrund gravierender Mängel geschlossen, 16 Betreiber entschieden sich aus freien Stücken dazu. Die Testanzahl wird seitens des Kreises nicht erfasst.

Corona-Tests in der Innengastronomie: Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender Steffen Ackermann spricht über Testpflicht

Im Vogelsbergkreis haben von einst 43 Testzentren aktuell noch 37 geöffnet. Bei einem dieser Zentren habe der Kreis nach einer Überprüfung infolge von Bürgerhinweisen die Beauftragung widerrufen.

Wir haben außerdem bei Steffen Ackermann, dem Dehoga-Kreisverbandsvorsitzenden in Fulda nachgefragt, wie er die weiterhin bestehende Testpflicht für die Innengastronomie bewertet. Das Kurzinterview lesen Sie im Folgenden:

Steffen Ackermann Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender in Fulda
Haben Sie Verständnis dafür, dass das Land an der Testpflicht für die Innengastronomie festhält?
Überhaupt nicht. Wie sollte man hier auch Verständnis aufbringen. Hessens Nachbarbundesländer haben bereits reagiert und nachvollziehbar entschieden. Wer aktuell eine Reise plant, entscheidet sich durch die Testpflicht garantiert nicht für eine Destination in Hessen. Darüber hinaus frage ich mich noch immer, weshalb das Gastgewerbe, welches nachweislich kein Pandemietreiber war und ist, noch immer die schärfsten Auflagen hat und spürbar zum Prellbock der Pandemiebekämpfung gemacht wird. Dies wird an der Priorisierung unseres Gewerbe in sämtlichen Öffnungsstrategien deutlich.
Wie gut funktioniert die Überprüfung der GGG-Voraussetzungen für einen Besuch innen?
Die Überprüfung der GGG – also geimpft, genesen oder getestet – nehmen wir ernst. Sie wird ebenso durchgeführt, wie wir stets an allen Maßnahmen im Sinne der Pandemiebekämpfung mitgewirkt haben. Der Aufwand ist dennoch gewaltig. Das Gastgewerbe ist Dienstleister und sollte keine Funktion als Ordnungspolizei wahrnehmen müssen. Das wirkt manchmal schon befremdlich.
Schreckt die bestehende Testpflicht derzeit aus Ihrer Sicht viele potentielle Gäste noch ab?
Ich persönlich habe das Gefühl, die Testpflicht im Innenbereich ist eine größere Hürde als die Angst vor einer Coronainfektion generell. Spontanität ist mit dieser Regelung nicht möglich. Weiterhin verfügen viele Betriebe über keinen Außenbereich, die auch ohne GGG-Nachweis besucht werden könnten. Zudem ist das Wetter in diesem Jahr unbeständig, was den Besuch eines Außenbereichs eher unattraktiv macht.

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