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Zur OP mal kurz nach Deutschland? So viele Medizintouristen gibt es in Fulda

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Aus dem Ausland kommen immer weniger Medizintouristen nach Deutschland. (Symbolbild)
Aus dem Ausland kommen immer weniger Medizintouristen nach Deutschland. (Symbolbild) © Maurizio Gambarini/dpa

Das Geschäft vieler deutscher Kliniken mit Medizintouristen aus dem Ausland ist zuletzt stark rückläufig. Was Corona und Krieg für den Sektor bedeuten – und wie es weitergehen kann.

Berlin/Fulda - Eine Reise nach Deutschland kann vom beruflichen Aufenthalt bis zum Urlaubsspaß viele Gründe haben – oft ist der Anlass aber auch medizinischer Natur. In jüngster Zeit sind viele Patientinnen und Patienten aus dem Ausland allerdings weggeblieben.

Wirtschaftswissenschaftlerin Mariam Asefi von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg erklärt die Gründe für den Rückgang: Durch Corona sei die Einreise oft nicht möglich gewesen, oder der Aufnahmestopp vieler Kliniken habe die Behandlung ausländischer Patienten verhindert.

Fulda: Corona und Ukraine-Krieg haben Auswirkungen auf Medizintourismus

Neben der Pandemie sorge auch der Ukraine-Krieg dafür, dass weniger Privatpatienten aus Russland kämen, sagt Asefi. Dabei sei der Medizintourismus aus Russland einer der Fokusmärkte und für viele deutsche Kliniken finanziell bedeutsam gewesen. Neben Patienten aus Deutschlands Nachbarländern sei auch die Gruppe von Menschen aus dem arabischen Raum bedeutungsstark. Auch diese Märkte unterlägen zuletzt starken Aufs und Abs.

Das Klinikum Fulda behandelt auch Patienten aus dem Ausland. Die Zahl der Menschen, die eigens zur medizinischen Behandlung ins Klinikum kommen, bewege sich jährlich im niedrig zweistelligen Bereich, erklärt Pressesprecherin Barbara Froese.

Froese betont aber auch, dass am Krankenhaus die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger aus der Region im Vordergrund stehe. Und sie sagt, dass das Klinikum in den vergangenen Wochen bereits mehr als 30 ukrainische Patienten stationär behandelt habe, davon zwei Kriegsverletzte.

In erster Linie Patienten aus der Region werden auch im Neuro Spine Center Dr. Samir Al-Hami behandelt. „Seit der Gründung meiner Klinik vor über 20 Jahren betreiben wir keinen Medizintourismus und ich lehne jede Promotion in dieser Richtung ab“, betont er. Vereinzelt kämen Patienten aus dem Ausland auf Empfehlung. „Aber wir werben diese nicht an und machen keine gezielte Promotion, um ausländische Patienten zu gewinnen.“

Was ist Medizintourismus?

Seit Jahren gibt es in Deutschland eine starke Nachfrage aus dem Ausland für medizinische Behandlungen, weil deutsche Ärzte und auch das Gesundheitssystem einen guten Ruf genießt.

Der sogenannte Medizintourismus gilt laut einer Kurzübersicht des Bundestags als gezielte Reise ins Ausland zur medizinischen Behandlung. Der Gesundheitstourismus insgesamt umfasst neben dem Teilbereich der medizinischen Leistungen auch zahlreiche andere Gesundheitsdienstleistungen, besonders von Kurbetrieben, Rehabilitationseinrichtungen und Wellnesszentren.

Am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München sei das Auslandsgeschäft in zwei Jahren Pandemie „weitgehend zum Erliegen gekommen“, sagt eine Sprecherin. „Es wird sich mit der Zeit zeigen, ob und wie sich die Patientenflüsse im Bereich des Medizintourismus wieder einpendeln.“

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Zwar sei die Zahl ausländischer Patienten am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) seit Jahren stabil, betont eine Sprecherin. In der Pandemie habe es aber auch Einschnitte gegeben – nicht wegen fehlender Anfragen, sondern weil der Vorstand entschieden habe, Betten nicht mit ausländischen Patienten zu belegen.

Aus anderen Hamburger Kliniken heißt es, die Zahl der Patienten aus Russland sei zuletzt zurückgegangen. Allerdings sei das nicht so dramatisch, dass eine Abteilung geschlossen werden müsste. Es kämen weniger Menschen aus Russland, weil die Reise nur über die Türkei oder Finnland möglich sei. Zudem fühlten sie sich in Deutschland nicht so willkommen. Besonders die Hamburger Onkologie habe einen guten Ruf bei Tumor-Patienten aus Russland, weshalb manche weiterhin kämen. Natürlich habe auch Corona zu einem Rückgang geführt.

Generell sei das Geschäft vom Standort in Deutschland und dem jeweiligen Markt im Ausland abhängig, resümiert Asefi. Schließlich unterliege der Zweig externen Faktoren. Das Beispiel Vivantes und die Schließung einer ganzen Abteilung sieht sie aber eher als Einzelfall – nicht als Signal für den kompletten Einbruch des Medizintourismus in Deutschland. Schwankungen seien schon vor Corona nicht ungewöhnlich gewesen. „Langfristig wird sich das wieder erholen.“

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