Die Rhön lockt: Auch an einem ganz normalen Herbstsonntag mit eher durchwachsenem Wetter herrscht auf ganz normalen Wanderwegen – hier bei Hilders unweit der Auersburg – reger Betrieb.
+
Die Rhön lockt: Auch an einem ganz normalen Herbstsonntag mit eher durchwachsenem Wetter herrscht auf ganz normalen Wanderwegen – hier bei Hilders unweit der Auersburg – reger Betrieb.

Minus von 41,9 Prozent

Corona lässt Übernachtungszahlen im Kreis Fulda einbrechen – Tagestourismus wächst

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
    schließen

Die Übernachtungszahlen in den Hotels und Gasthöfen der Region haben im Corona-Jahr 2020 deutlich negative Vorzeichen. Das belegen die Zahlen aus Wiesbaden. Die Corona-Bremsspuren sind überall deutlich spürbar. Währenddessen lockt die Rhön auswärtige Tagestouristen – und die Einheimischen.

Kreis Fulda - Im Landkreis Fulda wurden im September 62.685 Ankünfte in den Beherbergungsbetrieben gezählt. Dieser Wert liegt 23,2 Prozent unter dem Wert vom selben Zeitraum im Jahr 2019. Die Statistiker greifen für ihre Erhebungen auf die Daten aller Betriebe zurück, die zehn oder mehr Betten vermieten. Das heißt, dass viele kleinere Pensionen oder Ferienwohnungs-Vermieter in den Zahlen nicht auftauchen für die Daten.

Lenkt man den Blick auf einzelnen Kommunen, gibt es zum Teil beträchtliche Unterschiede. „Ausreißer“ wie der Wert von Hilders (minus 50,4 Prozent) springen ins Auge, lassen sich aber mit Entwicklungen jenseits der Corona-Pandemie begründen: Die Schließung der Jugendherberge und des Hotels „Engel“ schlagen hier durch. Und das Plus von 90,8 Prozent, das Flieden verzeichnet, relativiert sich beim genaueren Blick auf die Zahlen: Hier geht es um 124 Ankünfte gegenüber 54 im September 2019. Solche Schwankungen können schon durch das Vermieten von Monteurzimmern für eine nahe Baustelle entstehen.

Corona lässt die Übernachtungszahlen im Kreis Fulda einbrechen

Die Stadt Fulda als Standort mit den mit Abstand meisten Gästebetten meldet für den September 2020 bei den Gästeankünften – in absoluten Zahlen waren es 28.082 – ein Minus von 27,9 Prozent gegen dem Vorjahresmonat.

Schaut man auf die Zusammenfassung der ersten drei Quartale des Jahres, gibt es für die Stadt Fulda bei den Gästeankünften (absolut: 175.942) ein Minus von 43,5 Prozent. Das liegt in der Größenordnung des Werts für den gesamten Landkreis, der mit 41,9 Prozent ausfällt. Angesichts des Lockdowns kann man sich vorstellen, dass die Bilanz 2020 vielen Hoteliers und Zimmervermietern Sorgenfalten auf die Stirn treibt. (Lesen Sie hier: In Hessen gelten neue Corona-Regeln bis 10. Januar.)

Das bestätigt Christine Jecker, Geschäftsführerin der Touristischen Arbeitsgemeinschaft (TAG) Hessisches Kegelspiel, im Gespräch mit unserer Zeitung: Es gebe bei den Mitgliedsbetrieben einige, in denen man über ein Ende der Geschäftstätigkeit nachdenke. Das sei nicht zuletzt eine Folge der Corona-Auswirkungen mit Beherbergungsverboten und Restaurant-Schließungen. 

Jecker unterscheidet diese Entwicklungen deutlich von dem Interesse, das die Kegelspiel-Region, aber auch die Rhön bei den Tagestouristen findet: „Wir hatten enorm viele Anfragen. Unsere Rad- und Wanderkarte war der Renner.“ Die TAG-Geschäftsführerin hofft, dass die „Wiederentdeckung“ der Landschaft vor der Haustüre langfristig wirkt. Dafür gebe es Anzeichen: „Wir packen gerade für viele Kunden dicke Pakete mit Prospekten...“

Tourismus: In Fulda fehlen die Busreisen

Johannes Metz, Leiter der Kommunikation der Rhön GmbH in Oberbach, macht ähnliche Beobachtungen: „Die Menschen machen nicht nur Urlaub in Deutschland, sondern in ihrer Heimat Rhön.“ Die Zahl der Individualtouristen und Reisenden mit Wohnmobilen wachse deutlich. Mittelfristig werde die Frage nach einem rücksichtsvollen Umgang mit der Natur an Gewicht gewinnen.

Video: Wandern mit Alpakas in der Rhön

Für die Stadt Fulda betont Pressesprecher Johannes Heller, der Tagestourismus habe sich im Sommer und Frühherbst recht gut stabilisiert. Bei den Stadtführungen in kleinen Gruppen hätten sich dank des Hygienekonzepts die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sicher gefühlt. Diese Rückmeldung hätten die Stadtführer häufig bekommen. Allerdings sei das corona-bedingte Fehlen der Busreisen negativ gewesen: Größere Gruppen hätten gefehlt. Das sei aber teilweise durch eine angestiegene Zahl Individualreisender ausgeglichen worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema