Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld und Museumsmitarbeiterin Franziska Becker in der neu eingerichteten Gemäldegalerie.
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Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld und Museumsmitarbeiterin Franziska Becker in der neu eingerichteten Gemäldegalerie.

Dauerausstellung neu konzipiert

Vonderau Museum Fulda zeigt Maler der Region - Von Julius von Kreyfelt bis Junger Kunstkreis

Einblicke in die Entwicklung der regionalen Kunst vom 19. Jahrhundert bis hinein in die Gegenwart bietet die neu konzipierte Dauerausstellung Malerei im Vonderau Museum Fulda. 

Fulda - Nach intensiver Recherche in den hauseigenen Sammlungsbeständen hat die Kunsthistorikerin Franziska Becker eine neue Auswahl an Bildern getroffen und sie zu einer geschmackvollen Präsentation zusammengestellt, die nun allen Kunstliebhabern offensteht. Fuldas Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld machte sich ein Bild von der Neukonzeption.

Corona in Fulda: Vonderau Museum zeigt in neuer Schau die Maler der Region

„Hier ist ein überzeugender Querschnitt der regionalen Kunst vom 19. Jahrhundert bis heute gelungen“, zeigte sich Wingenfeld von der getroffenen Auswahl beeindruckt. „Ich kann nur für einen Besuch in unserem Museum werben, nachdem die pandemiebedingte Schließung weitgehend aufgehoben wurde.“(Lesen Sie hier: Vonderau Museum bereitet Dauerausstellung zur Foaset in Fulda vor - Eröffnung am 11.11.21?)

Eigentlich sollte die neukonzipierte Gemäldegalerie bereits im Dezember der Öffentlichkeit präsentiert werden, erklärte Museumsleiter Dr. Frank Verse. Doch der Corona-Lockdown macht dem einem Strich durch die Rechnung. Interessierte konnten seither aber dennoch bereits einen ersten Eindruck von der Neugestaltung gewinnen.

Denn auf seiner Homepage stellte das Museum einen virtuellen 3D-Rundgang durch das Haus bereit, bei dem auch die Abteilung Malerei angesteuert werden kann. „Wir wollten damit einen kleinen Vorgeschmack geben, aber natürlich ersetzt der virtuelle Besuch nicht das Live-Erlebnis vor Ort“, sagte Verse.

Seit kurzem darf das Museum seine Türen wieder für Besucher öffnen, die vorher einen Termin gebucht haben. Er freut sich, dass das Vonderau Museum endlich wieder einen Überblick zur Malerei-Entwicklung in der Region bieten kann. „Neben bekannten Bildern sind auch zahlreiche Neuerwerbungen zu bestaunen, die bisher noch nie im Museum ausgestellt waren.“

Vonderau Museum Fulda: Rhönmaler mit Milseburg, Fuldaer Künstler mit Stadtmotiven

Verantwortlich für die Auswahl der Bilder und ihre Präsentation ist Museumsmitarbeiterin Franziska Becker. Aus den hauseigenen Beständen hat die Kunsthistorikerin Gemälde ausgesucht, die beispielhaft für das Werk von Künstlerinnen und Künstler stehen, die aus Fulda und der Region stammen oder hier gewirkt haben. In der Stadt und ihrer näheren und weiteren Umgebung haben sie in ihrer unverwechselbaren Handschrift heimische Motive auf Papier, Pappe, Holz und Leinwand festgehalten.

Zugleich zeugen ihre Bilder von den Einflüssen der Kunstströmungen ihrer Entstehungszeit, die in unterschiedlichen Facetten aufscheinen. „Meine Grundidee war, einen künstlerischen Übergang von den Malern des 19. Jahrhunderts bis hin zu den Künstlern des Jungen Kunstkreises (JuKu) zu schaffen“, erklärt Becker.

„Dabei sollte der Fokus nicht mehr allzu stark auf den Rhönmalern und der Milseburg liegen, sondern mehr die Fuldaer Künstler mit Stadtmotiven in den Vordergrund rücken.“ Trotzdem kommen die Rhön und ihre Maler nicht zu kurz: Zahlreiche exquisite atmosphärische Landschaftsbilder, unter anderem von Julius von Kreyfelt (1863-1947), lenken nach wie vor den Blick auf das Land der offenen Fernen.

Das Gros der Exponate aber lädt Fulda-Freunde zu anderen reizvollen Entdeckungen ein: Auf einer Tempera-Arbeit von Pedro Schmiegelow (1863-1943) zum Beispiel blickt der Betrachter vom damals noch dörflich anmutenden Horas hinauf zum Kalvarienberg mit seinem Steinbruch. Fritz Pfeiffers (1878-1953) Ölbild „Langebrücke am Dom“, das 1945 gegen Ende des Zweiten Weltkriegs entstanden ist, zeigt die Brücke über die Fulda noch unmittelbar vor ihrer Zerstörung.

Vonderau Museum Fulda: Die Rhön kommt in der Dauerausstellung nicht zu kurz

Auch der künstlerische Aufbruch nach dem Krieg wird in der Dauerausstellung anschaulich. Zahlreiche Arbeiten von Mitgliedern des Jungen Kunstkreises Fulda wie Karlfried Staubach (1925-1964), Alexander Deisenroth (1915-1996), Thomas Rücker (1934-2014) oder Verena Pfisterer (1941-2013) belegen die Hinwendung zu einem neuen Sehen und Erleben unter dem Einfluss der Nachkriegsmoderne, zeugen von der individuellen Suche nach einer neuen Form des Ausdrucks und dokumentieren die Reife von Künstlerpersönlichkeiten.

Eindrucksvoll offenbart sich diese Entwicklung in den zwei nebeneinander gehängten Bildern in Öl auf Leinwand von Oswald Pejas (1921-2006): Zwischen „An der Tränke“ (um 1950) und „Horizontale Strukturen“ (1991) liegen mehr als 40 Jahre voller schöpferischer Kraft, in denen Pejas sowohl Arbeiten schuf, die dem Gegenständlichen verpflichtet sind, als auch abstrakte Räume aus Farben und Formen.

Vonderau Museum Fulda: Besuch nach Terminvereinbarung möglich

Noch eine weitere Neuerung wartet auf die Besucherinnen und Besucher der Malerei-Abteilung. Beim Betreten der Dauerausstellung treffen sie auf den Schriftzug „Neu im Museum“. Dort werden nun im Wechsel Gemälde oder Objekte gezeigt, die als Ankauf oder als Schenkung neu in den Museumsbestand aufgenommen wurden.

Momentan befinden sich dort drei Sammlungsstücke, die dem Haus in den vergangenen Jahren von den „Freunden des Museums“ gestiftet wurden: Die Bilder „Passage“ (2015) von Jens Rausch und „Fall der Engel“ (2017) von Ulrike Kuborn aus ihrer Reihe „ephemer“ sowie die Kunstinstallation „Ich habe nachgedacht“ (2016) von Meike Dölp.

Ein Besuch des Museums ist derzeit nur nach vorheriger Terminvereinbarung unter der Telefonnummer (0661) 1023212 möglich (lesen Sie dazu auch hier: Gastronomie und Handel in Fulda sind nach Corona-Lockerungen enttäuscht - „Wir benötigen grünes Licht!“).

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