Auf dem Schulgelände gilt Masken- und Abstandspflicht, in den Schulbussen sitzen und stehen die Schüler Schulter an Schulter. Deshalb sollen mehrere Schulen im Landkreis ihren Unterricht später beginnen.
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Auf dem Schulgelände gilt Masken- und Abstandspflicht, in den Schulbussen sitzen und stehen die Schüler Schulter an Schulter. Deshalb sollen mehrere Schulen im Landkreis ihren Unterricht später beginnen.

Harsche Kritik auf Pläne

Elternbeiräte auf den Barrikaden - Schulamt und Schulträger in Fulda wollen gestaffelten Unterrichtsbeginn

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Zahlreiche Schulen sollen mit dem Unterricht ab der dritten Stunde beginnen, so die Pläne des Staatlichen Schulamts und von Stadt und Landkreis Fulda als Schulträger. Doch ihnen weht heftiger Wind entgegen: Die Fuldaer Stadt- und Kreiselternbeiräte üben Kritik.

Fulda - Die Schulbusse sind zu voll, der Corona-Infektionsschutz bleibt dabei auf der Strecke. Das ist das Problem, vor dem die beiden Schulträger, Landkreis und Stadt Fulda, sowie das Staatliche Schulamt stehen. Über eine Lösung soll nun am kommenden Montag mit den Schulleitern, den Kreis- und Stadtelternbeiräten sowie den Kreis- und Stadtschülerräten im Fuldaer Stadtschloss beraten werden. In der Sitzung des Kreistags hatte Landrat Bernd Woide (CDU) bereits erklärt, nach den Herbstferien den Beginn des Unterrichts entzerren zu wollen. Diese Pläne werden nun im Einladungsschreiben für die Versammlung, das unserer Zeitung vorliegt, konkretisiert (siehe Infokasten).

Gestaffelter Schulbeginn bringt Elternbeiräte in Fulda auf die Barrikaden - „mit glühend heißer Nadel gestrickt“

Die Elternvertreter sind jedoch wenig begeistert und wenden sich in einem gemeinsamen Schreiben an die Öffentlichkeit. Claudia Beck, Vorsitzende des Stadtelternbeirats in Fulda, Ina Riechert, Vorsitzende des Kreiselternbeirats, Dr. Kai Witzel, Vorsitzender des Elternbeirats der Fuldaer Winfriedschule, sowie Christian Kirchner, der dem Fuldaer Stadtelternbeirat angehört und Gymnasialvertreter im Landes- und Bundeselternbeirat ist, setzen sich darin mit den Vorschlägen auseinander und sagen: „Hier sollen Dinge vorangebracht werden, die mit glühend heißer Nadel gestrickt wurden, ohne dass alle Konsequenzen umfänglich betrachtet wurden.“

Die Pläne

Gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben haben Landkreis, Stadt Fulda und Schulamt ein Konzept erarbeitet, das am Montag diskutiert wird und vorab an Schulleiter, Eltern- und Schülerbeiräte ging.

An diesen Schulen startet der Unterricht demnach später:

In Fulda ab der Jahrgangsstufe 9 an Eduard-Stieler-Schule, Ferdinand-Braun-Schule, Richard-Müller-Schule, Freiherr-vom-Stein-Schule, Rabanus-Maurus-Schule, Winfriedschule, Bardoschule, Domschule, Geschwister-Scholl-Schule, Heinrich-von-Bibra-Schule. Das Bildungsunternehmen Dr. Jordan, das Marianum und Marienschule werden gebeten, auch so zu verfahren; in Petersberg der Jahrgang 10 der Konrad-Adenauer-Schule; in Hünfeld die E-Phase der Wigbertschule und alle beruflichen Vollzeitschulen der Konrad-Zuse-Schule.

Nicht betroffen sind: Biebertalschule, Don-Bosco-Schule, Jahnschule, Johannes-Hack-Schule, Johannes-Kepler-Schule, Lichtbergschule, Mittelpunktschule Hohe Rhön, Rhönschule und alle Förderschulen.

Das Konzept gilt nicht: für die Q-Phase der Gymnasien, für die Berufsschule, weil hier ein Beginn vor 9 Uhr vorgeschrieben ist und für die Fachschulen, weil hier nur wenige Studierende öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Es stelle sich zum Beispiel die Frage, wer der Aufsichtspflicht nachkommt, wenn die Eltern morgens zur Arbeit müssen und die minderjährigen Schüler noch zu Hause sind. Oberstufenschüler müssten vermehrt Klausuren am späten Nachmittag schreiben, und auch die Lehrer seien dann länger in der Schule verpflichtet. Zudem könnten die Schüler ihren Hobbys, die teils am Nachmittag und in den Abendstunden stattfinden, kaum mehr nachgehen. Hinzu komme, dass nachmittags sehr wenig Zeit bleibe, um sich auf Klausuren vorzubereiten oder den Unterricht nachzubereiten. Der Aufwand für die Schulen, die Stundenpläne nun umzubauen, sei vermutlich ebenfalls ein großes Problem.

Fuldaer Eltern warten mit neuen Vorschlägen auf - Schulamt und Träger reagieren auf die Kritik

Die Elternvertreter nennen in ihrem Brief, der auch ans Schulamt, die Stadt und den Landkreis Fulda ging, andere Vorschläge: „Wir sehen einen gesellschaftlichen Schulterschluss als Lösung.“ Eltern sollten Transportgemeinschaften aufbauen, um den öffentlichen Personennahverkehr zu entlasten. Auch Nachbarn könnten sich zusammenschließen: Eine Person, die beispielsweise morgens nach Fulda zur Arbeit fahre, könne die Nachbarkinder mitnehmen und sie in der Nähe der Schule absetzen. Das sei der „einzig gangbare Weg“, betonen die Elternbeiräte.

Ihrer Meinung nach hätte die Busproblematik schon vor den Sommerferien thematisiert werden müssen. Nun sei es nicht einfach möglich, zusätzliche Busse einzusetzen, denn die müssten erst angeschafft und zusätzliche Fahrer eingestellt werden. Und: „Es hilft auch ein gewisses Maß an Toleranz durch die Lehrkräfte und Schulleitung.“ Denn morgens seien in einigen Stadtteilen Busse unterwegs, die aber etwas später fahren: Schüler, die ein paar Minuten zu spät kommen, dürften keinen Ärger bekommen.

Schulamt und -träger reagieren auf Kritik

„Die Kritik verdeutlicht sehr anschaulich, wie komplex die Problemlage ist – und entsprechend vielschichtig sind daher auch die Lösungsansätze“, erklärt Landrat Bernd Woide (CDU).

Im Kern gehe es darum, die Situation der vollen Busse zu entschärfen. „Um für Abhilfe zu sorgen, bleibt uns gegenwärtig nichts anderes übrig, als über die Entzerrung des Unterrichtsbeginns nachzudenken.“ Er sei sich bewusst, dass auch dieser Lösungsansatz Probleme mit sich bringe:„zumal Familien naturgemäß sehr individuelle Tagesabläufe und Ansprüche haben“.

Die Problemlagen seien bekannt: „Aber sie sind nicht alle zu 100 Prozent und gleichzeitig lösbar. Letztendlich ist es eine Abwägungsfrage, der wir uns stellen.“ Woide erklärt auch: „Es geht nicht darum, Maßnahmen aufzuoktroyieren. Wir werden am Montag mit den betroffenen Schulen das Gespräch aufnehmen.“

Während Fuldas Bürgermeister und Schuldezernent Dag Wehner (CDU) nach Anfrage unserer Zeitung zur Bewertung der Pläne lediglich auf die kommende Sitzung verweist, antwortet der stellvertretende Schulamtsleiter Harald Persch ausführlicher: „Wir haben es mit einer schwierigen Situation zu tun, die wir bislang nicht gekannt haben. Hier einen Ausgleich zu finden, wird nicht einfach werden.“ Er habe großes Verständnis für kritische Anmerkungen, betont Persch. Andererseits erreichten ihn auch „kritische Anmerkungen zur Busbelegung“.

Er weist darauf hin, dass das „Diskussionspapier“ auf die Herausforderungen im Herbst und Winter reagiere, wenn neben den Coronaviren auch Influenza-, Erkältungs- und weitere Viren vermutlich verstärkt auftreten werden. Er sei daher dankbar, dass nun gemeinsam nach Lösungen gesucht werden soll.

Den Elternvertretern ist ohnehin wichtig, nun kein Benzin ins Feuer zu gießen, wie Christian Kirchner gegenüber unserer Zeitung betont: „Wir wollen vielmehr sachlich diskutieren. Es geht hier schließlich um das Wohl unserer Kinder.“

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