Viele Menschen versammelten sich am Uniplatz in Fulda, um ein Zeichen gegen Judenhass zu setzen.
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Viele Menschen versammelten sich am Uniplatz in Fulda, um ein Zeichen gegen Judenhass zu setzen.

Friedlicher Protest

Kundgebung am Uniplatz in Fulda: 120 Demonstranten setzen ein Zeichen gegen Judenhass

  • Leon Weiser
    vonLeon Weiser
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Wegen des aktuellen Nahost-Konflikts kommt es in vielen Teilen Deutschlands vermehrt zu Antisemitismus und Hetze gegen Juden. Das nahm das Bündnis „Fulda stellt sich quer“ als Anlass, um sich gegen Judenhass zu positionieren.

Fulda - Mit Kerzen statt mit Bannern oder Transparenten wurde die Kundgebung „Nie wieder Judenhass, nie wieder Antisemitismus, für ein Frieden in Nahost“ am Uniplatz in Fulda abgehalten. Eröffnet wurde sie von Martin Übelacker, Mitglied des Bündnisses „Fulda stellt sich quer“. Er begann damit, den aktuellen Nahost-Konflikt zu beschreiben und nahm Bezug auf verschiedene Angriffe auf Juden. „Diese sind nicht legitim und greifen unseren Rechtsstaat an.“ Übelacker erwarte, dass Lösungen auf friedlichem Weg gefunden werden und betonte mehrfach, dass „Antisemitismus auf Schärfste zu verurteilen ist.“ (Lesen Sie auch: Jüdische Gemeinde Fulda wegen Nahost-Konflikts in großer Sorge)

Diesen Punkt griff auch Volker Ahmad Qasir vom „Runden Tisch der Religionen“ auf. Auch er wollte in seiner Rede ein Zeichen gegen Judenhass und Antisemitismus setzen. „Es kann keinen Frieden geben, solange Hass herrscht. Deswegen hat Rassismus in Fulda und in Deutschland keinen Platz“, sagte Qasir. Betroffen von diesem Hass zeigte sich Abdulkerim Demir, Vorsitzender des Ausländerbeirats. Er nahm Bezug auf bereits durchgeführte antisemitische Straftaten und war in seiner Rede emotional.

Fulda: 120 Menschen demonstrieren gegen Judenhass und Antisemitismus

„Es darf natürlich Demos geben, aber doch bitte ohne Angriffe und Beleidigungen. Ich wünsche mir ein harmonisches Miteinander“, erklärte Demir. Dieses Miteinander wünscht sich auch die Pfarrerin der evangelischen Lutherkirche, Anke Mölleken. Sie las aus einem Psalm in der Bibel vor und verglich diesen mit der aktuellen Situation. Im Anschluss an ihre Rede bat sie um einen Moment der Stille, in dem jeder ein Gebet hätte sprechen können oder die Kundgebung bis dahin auf sich wirken lasse.

Diesen Moment der Stille nahm Mölleken zum Anlass, um von einem „Zeichen der Gemeinschaft“ zu sprechen. In ihrem Schlusssatz erwähnte auch sie, dass in Fulda kein Platz für Antisemitismus und Diskriminierung sei.

Wolfgang Hengstler von der Gemeinschaft christlich-jüdischen Zusammenarbeit verglich den Antisemitismus mit einen Virus, bei dem es schwer sei, ihn loszuwerden. Er sei selbst oft in Israel gewesen und erklärte, dass das Zusammenleben der Menschen dort eigentlich friedlich ablaufe. „Es hat immer viel Verständigung gegeben, solange es nicht die Politik betroffen hat“, berichtete Hengstler. Er nahm Bezug auf die Entwicklung des Antisemitismus und das Vorgehen während des Nationalsozialismus. „Es darf nicht sein, dass die Juden hier für die Handlungen im Nahost-Konflikt verantwortlich gemacht werden“, mahnte er.

Er sei froh, dass es in Fulda noch ein Leben in Eintracht gebe, da man sonst nie die Chance auf ein gemeinsames Leben haben würde. „Wir können nur für den Frieden in der Region beten“, sagte er am Ende.

Die Kundgebung verlief friedlich, auch im Vorfeld habe es laut Polizei keine Auffälligkeiten gegeben. Die circa 120 Teilnehmer hielten sich an die Maskenpflicht und verhielten sich ruhig.

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