Fulda: Model Esther Lomb in einem Outfit der Delicatelove-Kollektion Frühjahr/ Sommer 2022.
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Model Esther Lomb in einem Outfit der Delicatelove-Kollektion Frühjahr/ Sommer 2022.

„Foll Peng“

Eine Designerin, ein Model und ein Fotograf: Geballte Fulda-Power erobert die Modewelt

  • Bernd Loskant
    VonBernd Loskant
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Dies ist eine Erfolgsgeschichte mit dem Titel: „Foll Peng“. Foll steht für Fulda und Peng für den Knall, den mehrere Kreative aus der Region gerade in der Modewelt auslösen. Ganz vorn: Annekatrin Fromm, in Hünfeld aufgewachsen und kreativer Kopf des Modelabels Delicatelove. Daneben: der Fotograf André Druschel und Model Esther Lomb.

Fulda/Düsseldorf - Die „Textilwirtschaft“, Hauspostille der Modebranche im deutschsprachigen Raum, druckte dieser Tage auf dem Titel das Bild einer jungen Frau mit strenger Hornbrille, die lasziv das Rot auf ihren Lippen nachzieht. Sie trägt einen bunten Strick-Cardigan von Delicatelove. Dazu der Titel: „Lust auf Laut“.

Die Szene auf dem Titel steht für den Modetrend der nächsten Saison – dementsprechend sind die, die hinter der Kampagne stehen, die Trendsetter. Dass diese allesamt aus Fulda kommen, erfährt der Leser nicht, denn es spielt vordergründig keine Rolle. Für uns schon. Doch von vorn.

Fulda: Designerin, Model und Fotograf aus der Region erobern die Modewelt

Es gibt Geschichten, die nur das Leben schreiben kann: Gemäß der Redensart vom Propheten, der im eigenen Land nichts gilt, macht die Fuldaerin Annekatrin Fromm (43) beinahe unbemerkt in ihrer Heimat eine tolle Karriere: Nach dem Abitur auf Schloss Bieberstein und ein paar Semestern Jura nimmt sie Kurs auf die Modebranche – sie besucht Schulen in Mailand und München, arbeitet anschließend in verantwortlichen Positionen unter anderem bei Peek & Cloppenburg und Mustang Jeans.

Seit 2018 trimmt sie das Düsseldorfer Label Delicatelove zusammen mit Wiebke Schilbock von schlichter Strickbekleidung auf hippe, bunte Mode. Bald macht es Peng – und in der Modewelt nimmt man Notiz von ihr. Ob im Berliner KaDeWe, bei Loden Frey in München, dem Lieblings in Fulda oder in Hotels wie dem Stanglwirt in Kitzbühel und im Severin‘s auf Sylt: Viele feine Adressen führen die Mode von Delicatelove.

Vor einiger Zeit wird man in der Düsseldorfer Zentrale aufmerksam auf ein junges deutsches Model. Esther Lomb (21), unter anderem in Diensten von Dolce & Gabbana, ziert zu diesem Zeitpunkt schon die Cover von „Elle“, „Harper’s Bazaar“ und anderen Modemagazinen. Delicatelove entscheidet: „Esther soll unser neues Gesicht werden!“

Man wird sich einig, und als Annekatrin Fromm mit Esther Lomb nach einem Shooting im selben Zug sitzt, stoßen beide ein lautes „Wow!“ aus: „Wir fahren ja beide nach Fulda!“ Die ehemalige Marienschülerin war 2016 bei einem München-Besuch von einem Scout angesprochen und entdeckt worden.

Annekatrin Fromm (links) ist der kreative Kopf von Delicatelove. Fotograf André Druschel hat die Kampagne umgesetzt.

Und dann kommt noch der Fuldaer Fotograf André Druschel (51) ins Spiel: „Der hat unsere Hochzeit fotografiert“, sagt die Ehefrau von Mambo-Kingx-Frontman Uli Fromm, „und seine Fotos haben mich auf besondere Weise angesprochen.“ Der Fotokünstler ist ebenfalls ein Vollprofi, hat über die Region Fulda hinaus viele große Werbekampagnen mit der Kamera umgesetzt. (Lesen Sie auch hier: Modewelt dreht sich wegen Corona langsamer - Model Esther Lomb schildert Eindrücke)

Die Liste „Fulda-Connection“ mit denen, die Fromm um sich schart, lässt sich weiterführen: Friederike Franz aus Sickels war beim jüngsten Delicatelove-Shooting für das Make-Up verantwortlich – und damit alle Teile, die online bestellt werden, beim Kunden ankommen, dafür sorgt die Firma Rockseller Fulfillment, die den Eigentümern des Sneaker-Stores 43einhalb gehört.

Designerin Annekatrin Fromm schart „Fulda-Connection“ um sich

„Sie alle sind nicht nur Könner, sondern auch noch nette Menschen“, sagt Annekatrin Fromm, die angesichts der vielen Verbindungen nach Fulda inzwischen eine Delicatelove-Niederlassung in der Stadt gegründet hat. Sowieso ist die 43-Jährige, die auf der Straße schon mal mit Heidi Klum verwechselt wird, ihrer Heimat sehr zugewandt.

„Paris kann furchtbar langweilig sein, wenn alle nur schwarz tragen“, antwortet sie auf die Frage, wo sie sich für ihre Kreationen inspirieren lässt. Und dann kommt sie auf barocke Formen in ihrer Heimat, einen illustren Freundeskreis und ihre Familie zu sprechen. Die Kreativität habe sie von ihrem Vater geerbt, dem Künstler Heinz Kasper, erklärt sie.

Video: Lifestyleveränderungen durch Corona

Ihre Mode ist opulent, bunt, laut – und das war sie schon immer, wie Fromm betont. Ihre Abschlussarbeit auf der Modeschule habe sie mit Kuscheltieren und Swarowski-Steinen garniert. „Und Farben sind mein Spezialgebiet“, sprudelt es aus der scheinbar immer fröhlichen Mutter eines zweijährigen Sohnes heraus.

Seit die geballte „Fulda-Power“ am Werke ist, öffnen sich neue Türen für die Designerin. Und die Marke ist auf dem besten Wege, das Image des „Undercover Labels“ zu verlieren. „Foll Peng“ – so einfach bringt es die Designerin auf den Punkt.

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