Die Bohrflüssigkeit besteht laut Angaben der Deutschen Bahn aus einem harmlosen Wasser-Ton-Gemisch.
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Die Bohrflüssigkeit besteht laut Angaben der Deutschen Bahn aus einem harmlosen Wasser-Ton-Gemisch.

Nahe Rückers

Probebohrung der Deutschen Bahn geht schief: Privatwald mit grauem Schlamm bedeckt

  • Marcus Lotz
    vonMarcus Lotz
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Als Rainer Gärtner sein Waldgrundstück bei Rückers betritt, traut er seinen Augen nicht: Der Boden ist weitläufig mit grauem Schlamm bedeckt. Die Ursache: Bei einer nahen Probebohrung der Deutschen Bahn ist etwas gehörig schief gelaufen.

Rückers - „Ich wusste überhaupt nicht, was los ist. Ich dachte, da hat jemand meinen Wald betoniert“, beschreibt Rainer Gärtner den Moment, als er vergangene Woche den Schlamm auf seinem Waldboden entdeckt. „Es sah so aus, als wären erst Wassergräben gerissen, aus denen anschließend der Schlamm herauskam und teilweise meterhoch an die Bäume gespritzt war.“ Nur wenige Meter von seinem Wald entfernt, entdeckte Gärtner dann ein riesiges Bohrgerät auf einem Feldweg. „Ich habe ein Schild gesehen, auf dem „Variante IV“ stand. Erst da ist mir aufgegangen, dass es hier um die Bahnlinie geht.“

Das bestätigt die Bahn auf Nachfrage: „Wir führen derzeit im Rahmen der Baugrunderkundung zur Neubaustrecke Gelnhausen–Fulda Bohrungen durch. Die Arbeiten werden durch Auftragnehmer der DB Netz AG durchgeführt.“ Für die Bohrungen liegen sowohl Genehmigungen der zuständigen Behörden als auch privatrechtliche Genehmigungen der Grundstückseigentümer vor, erläutert eine Sprecherin. (Lesen Sie hier: Zusätzliche Parkplätze am Bahnhof in Fulda - Provisorium auf Gelände der ehemaligen Güterhallen)

Rückers: Probebohrung der Deutschen Bahn geht schief - Grauer Schlamm in Privatwald

Rainer Gärtner, der an diesem Nachmittag noch nichts über diese Hintergründe weiß, berichtet, die Bauarbeiter hätten bei seinem erscheinen „fluchtartig“ die Bohrstelle verlassen. Gärtner ruft die Polizei. „Die haben den Sachverhalt aufgenommen, Fotos gemacht und mir geraten, mich beim Landkreis Fulda zu melden. Am nächsten Tag ging die Telefoniererei los.“

Mehrere Stunden, so Gärtner, habe er mit dem Regierungspräsidium und der Oberen sowie der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises telefoniert. Gärtners Sorge: Der Schlamm könnte auch in nahegelegene Fischteiche gespült worden sein, in dem Tausende Tiere lebten.

Wie der Landkreis Fulda mitteilt, sei die Bohrung nach Gärtners Anruf von zwei technischen Mitarbeitern des Fachdienstes für Wasser und Bodenschutz gestoppt und der Bereich in Augenschein genommen worden. Dabei habe man weder eine Verunreinigungen der Fischteichanlage noch eines nahen Quellsammelschachtes festgestellt.

Grauer Schlamm in Privatwald - Gefahr für die Umwelt bestehe nicht

Doch wie kam der graue Schlamm auf das Grundstück von Rainer Gärtner? Die Bahn teilt dazu mit: „Leider ist der Bohrfirma ein Fehler unterlaufen. Das Grundstück von Herrn Gärtner liegt in unmittelbarer Nähe des Bohrpunktes. Eine Nutzung seines Grundstücks war nicht geplant. Die Bohrflüssigkeit wurde versehentlich auf das Grundstück geleitet.“ Der Landkreis Fulda erklärt, dass beim Bohren offenbar nicht ausreichend Rückhaltekapazitäten für das Gemisch aus Wasser und Tonpartikeln vorhanden gewesen sei, sodass es „zu einem erhöhten Austrag an Tonpartikeln“ gekommen sei.

Gefahr für die Umwelt besteht durch den Vorfall nicht, versichert eine Sprecherin der Bahn. „Zum Bohren ist der Einsatz einer Bohrflüssigkeit notwendig. Hierzu wird lediglich Trinkwasser ohne jegliche chemische Zusätze verwendet. Beim Bohrvorgang wird Material im Bohrloch gelöst, welches sich in der Bohrflüssigkeit auflöst.“

Nach Schlammauswurf in Privatwald nahe Rückers: Bohrungen der Deutschen Bahn laufen wieder

Zurück bleibt der gräuliche Schlamm auf Rainer Gärtners Grundstück. „Wir bedauern den Vorfall und entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten“, teilt die Sprecherin der Bahn weiter mit. „Auch wenn keine Gefahr für die Umwelt ausgeht, werden wir uns dennoch mit dem Eigentümer zusammensetzen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden.“

Wie Gärtner berichtet, habe sich auch einVertreter der beteiligten Firmen bei ihm entschuldigt und angeboten, den Schlamm abzutragen. Dieses Angebot lehnte der Fliedener jedoch ab. Einerseits sei die Erde „guter Mutterboden“, den er ungerne entfernen lassen würde. Andererseits wolle er zunächst einen Anwalt einschalten, der einen Gutachter damit beauftragen soll, herauszufinden, welcher Schaden entstanden ist. „Arbeiten im Wald kann ich jetzt erst einmal vergessen“, stellt Gärtner resigniert fest.

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Mittlerweile läuft die Bohrung wieder – nun allerdings ohne weitere Zwischenfälle. Laut Landkreis Fulda hat die ausführende Firma inzwischen ein zusätzliches Becken aufgestellt, um die Rückhaltekapazität zu erhöhen.

Eine weitere gute Nachricht: Durch den Schlammauswurf war auch ein Ameisenhügel auf dem Grundstück von Rainer Gärtner in Mitleidenschaft gezogen worden. Auf diesem krabbelt es inzwischen wieder geschäftig.

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